"Neue Arbeits(zeiten)modelle für eine bessere Balance zwischen Berufs- und Privatleben, Regionalisierung statt Globalisierung, ein verstärkter Klima- und Umweltschutz, eine Umkehr unseres "Immer mehr"-Wirtschaftssystems zur Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, die Förderung öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Statussymbole - sehr unterschiedliche, auf großen Plakatwänden graphisch festgehaltene Zukunftsvisionen standen am Ende der Ideen- und Kreativ-Werkstatt am Dienstagabend zu Buche. Zwei Stunden lang hatte sich im Schützenhaus eine bunt gemischte Teilnehmerschar über ihre Erfahrungen mit der Corona-Krise ausgetauscht und Ideen für die Zukunft entwickelt.

"Wie wollen wir in Zukunft leben" - diese Frage steht hinter dem unter Trägerschaft des BDKJ-Regionalverbands Kronach-Teuschnitz stehenden Projekt "WirPunktNullJetzt!", gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben". Die Projektidee hatten Ulrike Mahr und Lars Hofmann. Entstanden sei sie, so Hofmann, durch die enormen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unser aller Leben mit drastischen politischen Entscheidungen, die für uns noch sechs Monate vorher völlig undenkbar gewesen wären.

Sechs Gesprächsrunden

Um möglichst vielen Menschen eine Teilnahme zu ermöglichen, habe man die Ideen- und Kreativ-Werkstatt entwickelt - mit sechs Gesprächsrunden, vier online sowie zwei vor Ort in Kronach bzw. Steinbach am Wald. "Es geht nicht um Kritik gegenüber der Politik oder an den Corona-Maßgaben, sondern um einen konstruktiven Umgang mit der Krise und daraus abgeleitete positive Veränderungen", betonte Lars Hofmann, der mit BDKJ-Bildungsreferent Andy Fischer die Workshops moderiert. Von entscheidender Wichtigkeit sei, so Fischer, dass das gemeinsam Erarbeitete nicht irgendwo in einer Schublade verschwinde. Daher habe man Vorgespräche mit dem Landrat und den Fraktionsvorsitzenden aller politischen Träger geführt, ob Interesse an den Ergebnissen besteht. Hier habe man ehrliches Interesse verspürt. Alle Teilnehmer könnten sicher sein, dass sie auch gehört würden.

Hoffnung auf konkrete Ergebnisse

Beim "Check in" wurden diese nach ihrer Motivation und Erwartungen an den Abend gefragt. Überwiegend wurde auch die "dezente" Hoffnung nach konkreten, politisch umsetzbaren Ergebnissen geäußert. Eva Wicklein sprach insbesondere der positive Ansatz an, nachdem derzeit so viel Negatives im Umlauf sei.

In zwei Runden sollten die Teilnehmer bewerten, wie stark sie die Krise belaste bzw. wie viel Neues und Wertvolles sie dabei erlebten. Die Ergebnisse fielen unterschiedlich aus. Während einige die Entschleunigung als befreiend erachteten und sich über mehr Zeit mit der Familie freuten, empfand Elena Pietrafesa vor allem das "Homeschooling" als große Belastung. "Ich kann zuhause nicht richtig lernen. Ich brauche Lehrer und Mitschüler", räumte sie ein. Sebastian Görtler bedauerte die negativen Auswirkungen für Solo-Selbständige als auch mittelständische Unternehmen. Laut Stefan Wicklein habe die ehrenamtliche Vereinsarbeit enorm gelitten. Gleichzeitig habe er aber auch gemerkt, dass nicht unbedingt jede Besprechung vor Ort notwendig sei und man manches auch auf anderen Wegen erledigen könne. Allen fehlten die sozialen Kontakte - beruflich wie privat.

Überraschend für manche war auch die Durchschlagskraft der Politik, was sie sich auch für andere Bereiche - gerade auch im Umweltschutz - wünschten.

Regionalisierung statt Globalisierung

Die Ressourcenschonung war dann auch ein immer wieder angesprochener Wunsch für die Zukunft. Angeregt wurde beispielsweise eine Kerosin-Besteuerung, eine angemessene -Steuer und eine Transaktionssteuer, das Vorantreiben erneuerbarer Energien, der Verzicht auf Inlandsflüge sowie Regionalisierung statt Globalisierung der Wirtschaft. Überhaupt sollte man weg von der Profitgier unserer Zeit hin zu einer Wirtschaft, die auch ohne stetiges Wachstum funktioniere.

Das Projekt

Slogan Beim Projekt "WirPunktNullJetzt!" steht "Wir" für die Gemeinsamkeit aller Menschen; "Jetzt" für den akuten Handlungsbedarf; "PunktNull" spielt auf das Schlagwort "4.0" an. Während der Begriff "Industrie 4.0" ein stetig steigendes Wachstum propagiert, stellt "PunktNull" den Mensch in den Vordergrund. Zugleich drückt "PunktNull" auch aus, durch die Krise bei einem Nullpunkt angekommen zu sein.

Workshops Werkstätten digital: 9. und 15. Oktober, jeweils von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr; Werkstätten vor Ort: 30. September, Steinbach/Wald, Freizeit- und Tourismuszentrum, jeweils von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr.

Anmeldung Büro BDKJ Kronach, Johann-Nikolaus-Zitter-Straße 33, 96317 Kronach, Tel.: 09261 / 3546, E-Mail: info@wirpunktnull.jetzt. Hier gibt es auch nähere Informationen für Interessierte.

Projektphase 3 Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst. Dies ist die Vorlage für einen siebten Workshop. Dabei werden Vertreter aus allen Werkstätten erarbeiten, was mit den Ideen passieren soll, was an wen kommuniziert wird und was mögliche erste Schritte sind.

Abschluss Das Gesamtprojekt wird in einer Dokumentation zusammengefasst und in einem Abschluss-Treffen am 20. November den politisch Verantwortlichen im Landkreis Kronach präsentiert.