Anlässlich des bevorstehenden 70- jährigen Jubiläums des Kreisverbandes Kronach des Bayerischen Bauern-Verbandes (BBV) haben wir den Bauernhof von Michael Heyder in Ebersdorf bei Ludwigsstadt besucht.

Michael Heyder hat den Hof vor drei Jahren von seinem Vater Eugen übernommen. Der heute 68-Jährige war jahrelang in der BBV-Kreisvorstandschaft ehrenamtlich engagiert. Eugen Heyder ist viele Jahre Vorsitzender der Rinderzuchtgenossenschaft und 15 Jahre stellvertretender Kreisobmann des BBV Kronach gewesen. In einem Gespräch mit unserer Zeitung blickt der Landwirtschaftsmeister auf turbulente 60 Jahre des Wandels in der Landwirtschaft zurück.

Gut kann er sich an die beschwerlichen Getreide-, Heu- und Kartoffelernten seiner Kindheit erinnern: "Wenn wir das heute unseren Enkeln erzählen, dass wir damals das Getreide mit Bindemäher gemäht haben und auf dem Feld zum Trocknen als Puppen aufgestellt und im Winter das
Getreide dann in der Scheune mit Dreschflegeln gedroschen haben, dann glaubt uns das keiner mehr". Denn man könne nur erahnen, was dahinter für schweißtreibende Arbeit steckte. Auch das Gras wurde mit Sense per Hand gemäht und mit Rechen meist von den Frauen gewendet, bis es trocken war und als Heu mit dem Leiterwagen in die Scheune gebracht wurde.

Ebenso beschwerlich und mit Handarbeit verbunden war die Kartoffelernte. Für diese Erntearbeiten waren immer sehr viele Helfer nötig. Nicht nur die eigene Familie war als Erntehelfer eingespannt, sondern auch Bekannte, Verwandte und Nachbarn waren erforderlich, um die Ernte nach Hause zu bringen.

"Wir als Kinder durften auch mithelfen, wobei die Kartoffelernte am meisten Spaß bereitete, wenn man am offenen Feuer die frischen Kartoffeln garte und diese mit Stöcken aus der heißen Glut zum Verzehr holte", erzählt Eugen Heyder. Natürlich sei dies auch für die Erwachsenen eine willkommene Mahlzeit zwischendurch gewesen. "Die Leute waren damals noch begeistert, wenn sie mithelfen durften, wir waren oft über 20 Helfer auf dem Kartoffelacker", sagt Heyder. Der Altbauer erinnert sich auch noch an den ersten Kreiselmäher, der für seinen Bauernhof angeschafft wurde. Beim ersten Einsatz, so erzählt er eine Anekdote, gab es eine tolle Überraschung. Durch einen Bedienungsfehler wurde das Heu in die falsche Richtung geschleudert und erst ein herbeigerufener Kundendienstberater konnte das Problem abstellen.

In den 1970er-Jahren haben Heyders zum ersten Mal umgebaut und erweitert, die Scheune aufgestockt und von zwölf Kühen auf 20 und später auf 30 erweitert. In den 1980er-Jahren stieg man in die Schweinezucht mit 50 Zuchtsauen und Ferkelaufzucht ein.

1987 übernahm Eugen Heyder den Betrieb von seinem Vater. Doch die moderne Technik, immer mehr und immer größere Gerätschaften und der dadurch in der Ortsmitte entstehende Platzmangel für eine Hoferweiterung machten 2001 eine Auslagerung außerhalb des Ortes erforderlich.

Es war keine einfache Entscheidung, die schließlich eine Investition in Millionenhöhe nach sich zog. "Wir standen vor der Frage aufzuhören oder zu vergrößern." Zum Glück zeigte Sohn Michael Begeisterung und Leidenschaft für den Betrieb. Eugen Heyder: "Ich selbst hatte oft mit meiner Frau keinen Spaß mehr am Betrieb, denn der Lebensmittelhandel bestimmte immer mehr die Preise. Dann noch die gesetzlichen Auflagen, die kleine Bauern nicht mehr erfüllen können. Das ist nervenaufreibend und wenn man dann am Jahresende feststellt, dass man ohne Rendite gearbeitet hat, tut das weh." Mit zehn Euro für ein Ferkel könne man nicht überleben. Die müssten zweimal am Tag gefüttert werden und blieben 120 Tage im Stall, da könne man sich vorstellen, welcher Aufwand dagegensteht. Deshalb gehe der Trend immer mehr zu Großbetrieben, meint Heyder.

"Wir mussten etwa alle 20 Jahre einen neuen Wachstumsschritt wagen, sonst wären wir weg", sagt der 68-Jährige. Die letzte große Investition sei 2008 mit dem Neubau eines hochmodernen Milchkuhlaufstalls mit Melkroboter und Fütterungsbutler getätigt worden. Vor drei Jahren schließlich übergab Eugen Heyder den Betrieb an seinen heute 37-jährigen Sohn Michael, der Landwirtschaftsmeister ist. Heute lebt der Betrieb von 75 Milchkühen sowie 50 Muttersauen mit Ferkelaufzucht und bewirtschaftet rund 20 Hektar Wald und eine Anbaufläche von 125 Hektar, vorwiegend mit Getreide für den eigenen Betrieb. Heyder fordert wegen der im nördlichen Frankenwald höheren Aufwendungen eine Ausgleichszulage auf alle Flächen für Weizen- und Maisanbau. "Wir kriegen nichts, obwohl gerade für Milchviehbetriebe Mais unheimlich wichtig zur Grassilage ist."

Im Großen und Ganzen blicken aber die Heyders zufrieden auf ihren Berufsstand und auf ihre damit verbundene Arbeit in freier Natur und im ständigen Selbstentscheid. Heyder: "Auch wenn es noch so viele Besserwisser geben mag, die glauben, den Bauern sagen zu müssen wie es geht und wo es langgeht, muss der Hofbesitzer einzig und allein entscheiden, was er tut und für welche Art des vielfältigen Landwirtschaftsbildes er sich entscheidet. "


Tag der offenen Tür mit Bauerntag

Jubiläum Der BBV-Kreisverband Kronach lädt am kommenden Sonntag anlässlich des 70-jährigen Jubiläums des Bayerischen Bauernverbandes alle Mitglieder und Interessierten zu seinem "Tag der offenen Tür mit Bauerntag" in Kronach, Weißenbrunner Str. 1a, von 12 bis 16.30 Uhr ein.

Festredner Die Festansprache mit aktuellen agrarpolitischen Informationen hält der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif um ca. 13 Uhr. Es besteht die Möglichkeit zum gemütlichen Beisammensein auf dem Nachbargrundstück der Siedlergemeinschaft Kronach. Für die kleinen Gäste ist ein buntes Programm vorbereitet. Für Steaks und Bratwürste vom Direktvermarkter sowie Kaffee und Kuchen ist gesorgt.