Die Sanierung des VHS-Gebäudes in Kronach sorgte in den letzten Wochen für mächtig Gesprächsstoff. Besonders die Kostenexplosion von gut drei Millionen auf sieben Millionen Euro stieß bei vielen auf Unverständnis. Im Kreisausschuss erklärten die Verantwortlichen der planenden Büros, wie es dazu kommen konnte.

Laut Andrè Völk vom Architekturbüro Spindler sei die wesentliche Kostensteigerung durch den Neubau begründet, der bei den ersten Planungen noch nicht einkalkuliert wurde. Damals wollte man nur das Dachgeschoss ausbauen. "Auch die Außenanlagen waren damals außen vor", erklärt Völk. Der Anteil der Sanierung am Bestandsgebäude belaufe sich laut Völk auf 1,6 Millionen Euro; am Neubau auf knapp eine Millionen Euro.

Ein Verantwortlicher des Ingenieurbüros Berndorfer erklärte die Kostensteigerung bezüglich der Technik. Anfangs sei eine Wandheizung geplant gewesen. Nun solle die Heizung in die Decke integriert werden. Ein großer Kostenunterschied, wie der Experte dem Gremium erläuterte. Noch dazu würden die Lüftungen kommen, die für jedes Klassenzimmer angedacht waren: 300 000 Euro würde dies kosten.


Stimmen aus dem Kreisausschuss

Das Gremium ist grundsätzlich froh, dass in Sachen VHS endlich wieder etwas vorangeht. "Sind wir mal glücklich, dass wir endlich den Sack zu machen können", sagte Bernd Liebhardt (CSU). Die Kostenexplosion sorgt jedoch für einen gewissen Unmut bei vielen Mitgliedern. "Es bleiben Steuergelder und wir müssen aufpassen, das wir die Bodenhaftung nicht verlieren", meinte Richard Rauh (SPD). Timo Erhardt (SPD) regte an, noch einmal genau hinzuschauen, wo die Kosten eventuell reduziert werden könnten. Petra Zenkel-Schirmer (Frauenliste) war froh, dass die Gründe für die Kostensteigerung nochmals aufgeführt wurden. So sei es nachvollziehbar.


Entscheidungen sollen gemeinsam diskutiert werden

Stefan Wicklein (FW) betonte, dass an einer solchen Kostensteigerung nicht nur die Planung schuld ist, sondern auch die Politik. "Wir rechnen Kosten oft herunter, dass wir ein gutes Gefühl haben", sagte Wicklein. Hans Rebhan (CSU) war es wichtig, das Gebäude vernünftig und zeitgemäß auszustatten, aber ohne High-End-Ausstattung. Landrat Klaus Löffler (CSU) sicherte den Räten zu, über künftige Entwicklungen gemeinsam zu diskutieren und zu entscheiden.

Über den Winter sollen laut Völk die Ausschreibungen stattfinden und im Frühjahr 2018 mit dem Bau begonnen werden. Mit einer Fertigstellung ist laut Völk im Sommer 2019 zu rechnen. Anfang September will Löffler die Gesamtfinanzierung auf den Weg bringen: "Wir bemühen uns, eine hohe Förderung von der Regierung von Oberfranken zu bekommen." lk



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Alternativen überprüft
In einem Antrag hat die SPD-Fraktion darum gebeten, ob nicht im Zuge der geplanten Erneuerung der Heizzentrale "Berufsschule-KZG" die Sparkasse, das VHS-Gebäude und die Finanzfachhochschule mit angeschlossen werden können.

Im September hat der Kreisausschuss zwei Blockheizkraftwerke und zwei Gaskessel beschlossen. Ein Anschluss der VHS erscheint laut Kreiskämmerer Günther Daum wegen der langen Nahwärmeleitung und des geringen Wärmebedarfs als unwirtschaftlich. Hinsichtlich der Finanzfachhochschule gebe es noch keine genauen Planungen und ob die Sparkasse Interesse hätte, sei in einem Gespräch nicht zu erkennen gewesen.

Vor diesem Hintergrund werde empfohlen an den bisherigen Beschlüssen festzuhalten. Der Kreisausschuss stimmte dafür.
Nachförderung Beim Kreiskulturraum konnten die veranschlagten Kosten nicht eingehalten werden: Der Landkreis habe deshalb bei der Oberfrankenstiftung und beim Kulturfonds Bayern Anträge auf Nachförderung gestellt. Seitens der Oberfrankenstiftung wurde schnell wohlwollend entschieden. Etwas länger dauerte der Durchbruch beim Kulturfonds Bayern: Ende April wurde jedoch ein weiterer Zuschuss von 174 000 Euro in Aussicht gestellt.

Stromtrasse Klaus Löffler war es wichtig, im Kreisausschuss, nochmals auf die Stromtrassen-Thematik einzugehen. "Die ,P44' ist und bleibt die erste Wahl. Die ,P44' mod. die zweite", erklärte Löffler. Die Trasse durch Kronach sei keine Alternative, wie aus dem zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans hervorgeht. "Wir bleiben trotzdem wachsam und schauen was passiert", so Löffler. lk