Die Polizei und das Landratsamt sprechen von einer akuten Bedrohung für die Sicherheit und Ordnung, der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch gar von einer Gefahr für Leib und Leben. Um dem regen Motorradbetrieb auf der Landesstraße 1152 zwischen Schauberg (Landkreis Kronach) und Jagdshof (Landkreis Thüringen) wieder Herr zu werden, wollen sie die 3,4 Kilometer lange Strecke am Wochenende lieber heute als morgen für Biker sperren lassen.

Doch daraus wird wohl nichts: Das Thüringer Landesverwaltungsamt hat sich als übergeordnete Behörde eingeschaltet - und schiebt der Sperrung aller Voraussicht nach einen Riegel vor.

Zuerst schien das Fahrverbot für Biker reine Formsache zu sein: Das Landratsamt Sonneberg hat gemeinsam mit der Polizei in den vergangenen drei Jahren Informationen über die Situation am Schauberg in einem Bericht gesammelt, der dem Fränkischen Tag vorliegt.

Bereits als die Strecke 2017 eröffnet wurde, sei allen Beteiligten klar gewesen, dass es sich aufgrund der 14 Kurven um eine für Motorradfahrer interessante Strecke handelt, heißt es dort. "Dies hat sich im Laufe der Zeit bestätigt und inzwischen Ausmaße angenommen, die unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit nicht länger hinzunehmen sind." Auf der Strecke würden seit drei Jahren Rennen gefahren - ungeachtet der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Tendenz: steigend.

Daran konnten auch regelmäßige Polizeikontrollen nichts ändern. Geschwindigkeitskontrollen - mit Laserpistole oder einem mobilen Blitzer - sind aufgrund der Kurvenlage nicht möglich. "Auch der Einsatz von Geschwindigkeitsdisplays ist kein wirksames Mittel", geht weiter aus dem Bericht hervor. "Es ist vielmehr zu befürchten, dass diese eine anstachelnde Wirkung entfalten." Denn, so glaubt die Behörde: Wer es am Schauberg - trotz durchgehender Beschränkung auf 70 Stundenkilometer - auf maximale Geschwindigkeitsübertretungen abgesehen hat, dem würden diese dann auch noch auf einem Rennstreckendisplay angezeigt.

Die Straßenverkehrsbehörde, die Sonneberger Polizei und die Kreissperrkommission kamen im Juni zu dem eindeutigen Ergebnis: Ein Fahrverbots für Motorradfahrer am Wochenende ist "als einziges geeignetes Mittel gegeben, um aktuell die Sicherheit und Ordnung auf dieser Strecke aufrechtzuerhalten und weitere schwere Unfälle zu vermeiden." Das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr hat die Maßnahme befürwortet, woraufhin die Straßenverkehrsbehörde eine sogenannte verkehrsrechtliche Anordnung erlassen hat, die ab dem 17. Juli gelten sollte.

Doch daraus wurde nichts. Das Thüringer Landesverwaltungsamt hat sich als obere Aufsichtsbehörde eingeschaltet. "Die Fachaufsichtsbehörde hat am 9. Juli die Aussetzung der Umsetzung der verkehrsrechtlichen Anordnung angewiesen", erklärt der Pressesprecher des Landratsamts Sonneberg, Michael Volk. Das bedeutet: Das Landratsamt darf die Strecke nicht selbst sperren, sondern muss darauf warten, dass die Behörde in Weimar der Anordnung zustimmt oder sie ablehnt. "Der Landkreis Sonneberg hat keine Kenntnis, ob und wann die aus unserer Sicht notwendige Sperrung in Kraft tritt. Uns wurde das Heft aus der Hand genommen. Der Ball liegt jetzt nicht mehr bei uns."

Seitdem sind sechs Wochen vergangen. Sechs Wochenenden, an denen es zahlreiche Biker von nah und fern weiter zum Schauberg zog. Zu Unfällen kam es offiziell in dieser Zeit nicht. Doch in dem Bericht ist auch vermerkt, dass die Dunkelziffer der Unfälle am Schauberg höher liegen muss - die Gemeinde Judenbach spricht von mehreren Stürzen pro Woche.

Kommt die Sperrung nun oder kommt sie nicht? Wir fragen in Weimar nach - dort, wo die Anordnung des Sonneberger Landratsamts auf einem Schreibtisch schlummern muss. "In einem solchen Falle prüft das Landesverwaltungsamt als Fachaufsicht über die Straßenverkehrsbehörden den Sachverhalt auf Rechtsfehler", erläutert Tanja Neubauer von der Pressestelle. Nach einer erster Prüfung habe man das Landratsamt Sonneberg aufgefordert, die bereits erlassene verkehrsrechtliche Anordnung zur Sperrung der Straße für den Motorradverkehr auszusetzen.

Inzwischen habe auch die komplette Verfahrensakte ihre Behörde erreicht. "Anhand dieser wird nochmals geprüft, ob sich Gründe finden lassen, die eine solche Sperrung erforderlich machen. Eine zweite Prüfung ist aber noch nicht erfolgt."

Die Überprüfung scheint ein umfangreicheres Unterfangen zu sein. Doch wie läuft sie ab? Kommt ein Sachbearbeiter von Weimar nach Schauberg, um sich die Strecke anzusehen? Werden Motorräder gezählt? Die zweite Prüfung erfolge anhand der jetzt eingegangenen Akten des Landratsamtes Sonneberg, teilt die Behörde mit. "Ein Vor-Ort-Termin ist momentan nicht vorgesehen."

Ohne dieser abschließenden Prüfung ihren Ausgang vorwegnehmen zu wollen, wird aus der vorläufigen rechtlichen Bewertung zitiert: "Derzeit ist nicht erkennbar, dass hier die der Straßenverkehrsbehörde zu Verfügung stehenden Mittel geeignet sind, möglicherweise erfolgende Veranstaltungen von Motorradrennen zu unterbinden."

Ein Fahrverbot würde alle Motorradfahrer betreffen, obwohl nur eine bestimmte Gruppe - damit sind die Biker aus der Umgebung gemeint, die regelmäßig den Schauberg aufsuchen - sanktioniert werden soll. "Von Seiten des Landesverwaltungsverwaltungsamtes bestehen daher nicht unerhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des beabsichtigten Verkehrsverbots." Vielmehr liege die Verantwortung, mögliche Verkehrsverstöße von einzelnen Gruppen zu ahnden, in der Zuständigkeit der Sonneberger Polizei.

Doch genau die bittet seit Monaten um Hilfe. "Wir führen weiter unsere Kontrollen durch", bekräftigt der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Sonneberger Polizei, Klaus Mergner. "Wir fahren auch weiterhin eine Null-Toleranz-Politik und ahnden wirklich jede Kleinigkeit." Doch klar sei auch, dass seine Beamten nicht ständig vor Ort sein können. In seiner Stimme schwingt allmählich auch Hilflosigkeit mit. "Wir sagen ja nicht aus Jux und Tollerei, dass die Strecke am Wochenende gesperrt werden muss."

Dass eine bei Bikern beliebte Strecke für genau diese Fahrzeuggruppe an den Wochenenden gesperrt wird, kommt immer wieder vor. Vor drei Jahren wurde am Würgauer Berg im Kreis Bamberg nach einer Serie schwerer Motorradunfälle exakt ein solches Verbot erlassen - die Unfallzahlen gingen schlagartig zurück. "Wir haben mit dem Verbot einen großen Gefahrenschwerpunkt ausgeschaltet", resümiert der Sprecher des Landratsamts Bamberg, Frank Förtsch. Das Verbot war vorerst auf ein Jahr begrenzt, doch weil es die erhoffte Wirkung gezeigt hat, besteht es bis heute.

Der große Unterschied zu Würgau: Am Schauberg bleiben die schweren Unfälle bislang aus. Tettaus Bürgermeister mahnte bereits vor Wochen: "Ich hoffe, dass es nicht erst zu einem Todesopfer kommen muss, bis endlich gehandelt wird."