Als kleiner Junge hat Felix Lindig das Skifahren beim Lift in seinem Heimatort Ludwigsstadt gelernt. Jetzt wurde der Betrieb eingestellt und der Lift soll abgebaut werden. Der 21-Jährige möchte das verhindern: "Mir ist klar, dass es schwierig wird - aber man sollte nicht aufgeben, ohne davor gekämpft zu haben." Weil er nichts unversucht lassen möchte, hat er vergangene Woche eine Online-Petition gestartet, um den Skilift zu retten.

25 Betriebstage für eine schwarze Null

Dass sich die Skilifte Ludwigsstadt GmbH aufgelöst hat, hatte allerdings berechtigte Gründe. "Pro Jahr wären 25 Betriebstage nötig, um eine schwarze Null zu schreiben. Seit 2006 hatten wir im Durchschnitt aber nur noch elf Betriebstage. Die Unkosten können damit nicht gedeckt werden", sagt Jochen Solbrig, Vertreter des Unternehmens. Auch vor 2006 habe es den einen Ausfall gegeben. "Von zehn Wintern waren vielleicht zwei schlecht - jetzt ist es umgekehrt."

Auch wenn die Betriebstage ausbleiben, fallen für den Lift weiterhin Kosten an. "Wir haben jedes Jahr 6000 Euro bezahlt - unter anderem für Versicherungen, den TÜV , die Seilprüfung und gepachtete Grundstücke", zählt Solbrig auf. Und mir 6000 Euro sei es noch nicht getan. "Man muss auch an Reparaturen und Investitionen denken - investieren konnten wir in den letzten Jahren nicht mehr, weil keine Rücklagen da waren." Dazu kommen noch einige hundert Arbeitsstunden pro Jahr. "Unter dem Jahr stehen unter anderem Streicharbeiten und die Grünpflege an, man hat immer zu tun."

Beliebtes Ausflugsziel in der Region

Die Entscheidung ist ihm und den anderen Vertretern des Unternehmens nicht leichtgefallen. "Rein wirtschaftlich hätten wir den Schritt schon vor ein paar Jahren gehen müssen. Wir haben uns aufgelöst, um eine Insolvenz zu verhindern", bedauert Solbrig. Aber auch viel ehrenamtliches Engagement würde am Wetter nichts ändern. "Die Initiative von jungen Leuten ist schön, aber aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, noch Skilifte in unseren Höhenlagen zu betreiben."

Lindig hat der Schließung des Ludwigsstadter Skilifts einige Argumente entgegenzusetzen. Dass dieser noch immer ein beliebtes Ausflugsziel ist, wurde ihm in den letzten Wochen wieder bewusst. "Ich wohne ziemlich direkt beim Lift. Die Leute sind den Berg hochgelaufen und auf ihren Skiern wieder heruntergefahren." In seinen Augen ist der Lift ein " Leuchtturm für die Stadt und die Region". In Hinblick darauf, dass immer mehr Freizeitangebote wegfallen, sei es kein Wunder, wenn immer mehr Jugendliche in die Stadt ziehen. Irgendwann würde das Leben auf dem Land seinen Reiz verlieren.

Lindig befürchtet, dass nach dem Abbau des Lifts kein neuer mehr gebaut wird. Und das ist nicht der einzige Grund, der seiner Meinung nach für den Erhalt dessen Erhalt spricht. "Die Stadt Ludwigsstadt will familienfreundlich sein. Umso schöner ist es, wenn es noch eine Möglichkeit gibt, in der Region Ski zu fahren - auch wenn das Wetter das nur noch alle zwei Jahre zulässt", sagt er.

Hunderte Menschen unterschreiben für Lift

Außerdem ist der diesjährige Winter laut Lindig das beste Beispiel dafür, dass es noch Monate gibt, in denen Schnee liegt. "Durch den Klimawandel werden wir nicht mehr so viel Ski fahren wie vor 20 Jahren. Aber es gibt Prognosen, die vorhersagen, dass der Golfstrom abkühlt und es in Europa langfristig kälter wird", argumentiert er.

Lindigs Petition hat in kürzester Zeit mehrere hundert Leute erreicht. "Ein Großteil der Menschen, die sich eingetragen haben, kommt aus Ludwigsstadt und dem Landkreis Kronach. Aber auch aus den Landkreisen Hof und Lichtenfels haben sich Leute eingetragen", sagt der 21-Jährige. Das zeige ihm, dass der Lift über die Landkreisgrenzen hinaus als touristische Attraktion gesehen wird.

Ehrenamtliches Engagement gefragt

Durch seine Petition erhofft sich Lindig, dass die Stadt Ludwigsstadt und die regionalen Entscheidungsträger prüfen, ob es eine Möglichkeit gibt, den Lift zu retten und in staatliche Hand zu nehmen. "Ich bin bereits auf einen Stadtrat zugegangen und habe gefragt ob es Überlegungen gibt, vielleicht kann die Unterschriftenliste der Sache mehr Nachdruck verleihen." In Lindigs Augen könne das Anliegen auch auf Kreisebene angesprochen werden. "Ich denke, dass es auch eine Möglichkeit wäre, wenn sich mehrere Lifte im Kreis zusammenschließen. Nicht, dass irgendwann alle Lifte verschwinden."

Timo Ehrhardt , Bürgermeister der Stadt Ludwigsstadt , ist grundsätzlich für Lösungen offen. "Man wird sich zusammensetzen und diskutieren können. Und, wenn dann es keine Lösung gibt, hat man sich zumindest noch einmal mit dem Thema beschäftigt", sagt er. Das Projekt würde seiner Ansicht nach nicht nur an den finanziellen Mitteln, sondern auch an der Sinnhaftigkeit scheitern. "Es gibt nichts, was weniger planbar ist, als Schnee . Und um eine Wirtschaftlichkeit zu erreichen, sind wir auf genügend Skitage angewiesen.

Laut dem Bürgermeister haben sich die Verantwortlichen bis zuletzt mit viel Idealismus und auch finanziell für die Möglichkeit des Skifahrens eingesetzt. "Bereits im Jahr 2019 habe ich zusammen mit den Verantwortlichen der Skiliftbetriebe diskutiert, wie die Stadt Ludwigsstadt eine mögliche Fortführung unterstützen kann. Und hierbei geht es auch nicht primär um einen Defizitausgleich", sagt Erhardt. Vielmehr gehe es aufgrund der fehlenden Perspektive um die persönliche Motivation der Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer sowie des finanziellen Aufwandes. Auch in den Jahren ohne Liftbetrieb entstehe ein hoher Vorbereitungsaufwand.