Beim Innungswettbewerb "Die gute Form" hatten es die Jury-Mitglieder in diesem Jahr besonders schwer, gibt der Obermeister der Schreinerinnung, Gerhard Gack, offen zu. Zwölf Schreinerbetriebe und acht Jugendwerkstätten hatten sich beteiligt. "Aber heuer hatten wir noch einmal eine Qualitätssteigerung im Vergleich zu den vergangenen Jahren", so Gack. Die Schreinergesellen haben sich besonders viel Mühe gegeben bei der Konstruktion ihrer Werkstücke. Zu sehen waren Sideboard, Sitzgelegenheiten, Schränkchen, Kommoden, TV-Möbel und viele andere Designerobjekte. Als absoluter Trend ließen sich integrierte Lichteffekte ausmachen.

Die Schreinergesellen begeisterten die Jury aber vor allem durch handwerkliche Genauigkeit. So wurden Ecken auf Gehrung geschnitten und millimetergenau eingepasst. Leisten wurden nach hinten geführt. Schränkchen wurden mit aufwendig zu arbeitenden Türen, die innen hohl sind, gestaltet, so dass noch Schubladen integriert werden konnten. Und Schubladen und Schränkchen wurden voll gezapft.

Den ersten Preis bei der guten Form - sowie 150 Euro Preisgeld - heimste Julian Thaler (20) aus Kulmbach ein. Julian Thaler hat bei der Schreinerei Horner in Kasendorf gelernt und er hat modernes Schränkchen mit Glasplatte entworfen. Tatsächlich hätte es für Julian Thaler keine alternative zum Schreinerberuf gegeben. Denn schließlich ist er der Nachfahre der Schreinerei Thaler in Kulmbach.

Über Umwege zum Traumberuf

Nicht ganz so klar vorgezeichnet war der berufliche Weg für Denise Wagner. Die 21-Jährige lernte erst einmal Verkäuferin, brach die Ausbildung dann aber ab. "Ich wurde arbeitslos und kam dann über eine Maßnahme des Arbeitsamts in die Schreinerwerkstatt der Geschwister-Gummi-Stiftung", erzählt Denise Wagner ihren Werdegang. "Ich hätte ja nie gedacht, dass mir Schreinern Spaß macht", sagt sie. Doch von Anfang an, fand sie das Arbeiten mit Holz ziemlich gut.

Auf Lichteffekte mit integrierter LED-Farbwechseltechnik setzte Markus Montag aus Wilhelmsthal. Er hat bei der Schreinerei Christian Kotschenreuther in Neufang gelernt und ein Sideboard aus amerikanischem Kirschahorn und Nussbaum gebaut. "iIh habe immer ziemlich gerne Chemie gemacht und eigentlich gedacht, dass ich in Richtung Apotheke oder so gehe und habe auch ein Praktikum in einer Apotheke gemacht", erzählt der Realschüler aus seinem Leben. Doch dann absolvierte er zudem ein Praktikum in einer Schreinerei - und wusste auf Anhieb, das ist der Beruf, den er machen möchte. "Ich hab sofort gemerkt, das Handwerkliche liegt mir", sagt Montag. Die Praktikumsschreinerei, die selbst nicht ausbildet, vermittelte ihm einen Ausbildungsbetrieb. Und Markus Montag hat seine Entscheidung nicht bereut.

Jetzt möchte er erst einmal bei der Schreinerei Christian Kotschenreuther bleiben. "Ich hab in der Realschule einen Abschluss von 1,27 und bin jetzt in der Berufschule auch ziemlich gut. Ich werde jetzt erst einmal bleiben und dann möchte ich auf jeden Fall weiter auf die Technikerschule. Ich denke, ich kann bei Kotschenreuther eine gute Position bekommen", freut sich Markus Montag über den dritten Platz. Er hat nicht unbedingt damit gerechnet. Als Besonderheit hat er die Griffe selbst konstruiert und Edelstahl mitverarbeitet.

Doch nicht nur die Preisträger beim Wettbewerb "Die gute Form" zeigten Top-Leistung. Belobigungen bekamen Rüdiger Morill aus Weißenbrunn, der in der Jugendwerkstätte Küps lernt, Maximilan Zintl aus Michelau /Neuensorg, der ebenfalls in der Jugendwerkstätte Küps gelernt hat und Tobias Bock aus Kulmbach, der bei Jürgen Bodenschlägel in Rugendorf seine Gesellenzeit verlebt hat.