Was am Dienstag passiert ist, hat selbst den langjährigen Apotheker Clemens Richter überrollt. "Ich habe wirklich gedacht, der Vorrat reicht für zwei bis drei Tage", stellt er fest. Doch die vom Bundesgesundheitsministerium initiierte Ausgabe kostenloser FFP2-Masken gegen die Corona-Pandemie an Ältere und Risikogruppen stieß auf ein gewaltiges Echo. Schon am Nachmittag des ersten Tages war der Bestand aufgebraucht. 1000 Stück!

Wie der Apothekensprecher feststellt, hätten die Kunden in seiner Teuschnitzer Stadt-Apotheke sehr großes Verständnis für die Situation gezeigt. "Niemand hat geschimpft, wenn er etwas warten musste oder aufs Ende der Woche vertröstet wurde", berichtet Richter. "Es war ja klar, dass am Anfang viel los sein würde." Deshalb hat die Stadt-Apotheke sogar einen zweiten Schalter zum Entzerren des Kundenverkehrs eingerichtet, an dem ausschließlich die "Spahn-Masken" ausgegeben wurden.

Richter hatte für seine Apotheke bei einer Firma die besagten 1000 Masken bestellt. 2000 weitere kommen von einem zweiten Händler. Dass er sich nicht gleich stärker bevorratet hat, macht er an der unsicheren Situation fest.

Während die Medien schon eifrig über die Maskenausgabe berichtet hätten, sei den Apothekern noch unklar gewesen, wann sie offiziell losgehen wird. Der erste Hinweis, dass der Eintrag ins Gesetzesblatt abzuwarten ist, wurde dann doch gekippt, wie Richter schildert. Ob es irgendwann eine politische Rolle rückwärts geben würde, war aber auch nicht völlig auszuschließen. "In so einer Lage ist es für einen Geschäftsmann schwierig, die Bestellung zu kalkulieren." Schließlich wolle kein Apotheker am Schluss auf Tausenden Masken sitzen bleiben. Doch Ende gut, alles gut: Die Ausgabe der Masken ist jetzt tatsächlich gleich auf vollen Touren angelaufen.

Die Befürchtung, dass es durch das kostenlose Angebot viele Trittbrettfahrer geben könnte, die ein Apotheken-Hopping betreiben und Masken horten, hat Richter nicht. Zum einen sollen die Apotheken in erster Linie ihre Stammkunden ausstatten. Das falle gerade im ländlichen Raum, wo man sich gut kenne, relativ leicht. Zum anderen würde Richter einen Kunden, der aus einer Nachbargemeinde kommt, in der Regel auch an die dortige Apotheke verweisen.

Anzahl ist ausreichend

Richter hat auch keine Sorge, dass die vorläufig nur drei Masken den Betroffenen für den Rest des Jahres nicht ausreichen. "Die sollen ja aufgesetzt werden, wenn man unter die Leute geht, auf engem Raum. Zum Beispiel beim Einkaufen", stellt er fest. Ansonsten würden die normalen Masken im Alltag weiterhin reichen.

Engpässe bei FFP2-Masken für Nicht-Risikokunden erwartet Richter ebenso wenig. Bei der Ausgabe werde nämlich klar zwischen den Chargen für die beiden Zwecke getrennt.

Was man zu der Masken-Initiative wissen sollte

Seit 15. Dezember läuft die von Gesundheitsminister Jens Spahn initiierte Maßnahme, wonach gewisse Personengruppen mit so genannten FFP2-Masken versorgt werden.

Die Ausgabe der Masken erfolgt auf Basis der "Verordnung zum Anspruch auf Schutzmasken zur Vermeidung einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2", wie das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Homepage mitteilt.

Die kostenlosen FFP2-Masken werden ausgegeben an Menschen, die über 60 Jahre alt sind, sowie Personen, die auf Grund von bestimmten Vorerkrankungen oder Risikofaktoren als besonders gefährdet gelten.

Um die kostenlosen Masken zu bekommen, muss der Anspruch nachgewiesen werden. "Dazu genügt die Vorlage des Personalausweises oder die nachvollziehbare Eigenauskunft über die Zugehörigkeit zu einer der Risikogruppen", schreibt das Bundesgesundheitsministerium. Weiter wird darauf hingewiesen, dass die Masken für Berechtigte auch durch Dritte abgeholt werden können.

Die Ausgabe der Masken hat am 15. Dezember begonnen. Abgeholt werden können sie noch bis zum 6. Januar.

Pro berechtigter Person werden drei Masken ausgegeben. Dies ist allerdings nur der erste Schritt. Im Januar soll der zweite Schritt folgen. Dann wird es allerdings nicht mehr mit einem einfachen Nachweis getan sein. Laut Verordnung werden dann zwei fälschungssichere Coupons für je sechs Masken von den Krankenkassen/-versicherungen an deren berechtigte Mitglieder ausgegeben. In bestimmten Zeiträumen können diese anschließend eingelöst werden. Kostenfrei wird diese zweite Ausgabe nicht mehr erfolgen. So weist das Ministerium auf einen Eigenanteil von je zwei Euro für das Einlösen der Coupons hin.

Die FFP2-Masken liegen dichter an als die Alltagsmasken. Die lockeren Mund-Nasen-Masken verhindern, dass der Träger sein Umfeld beim Ausatmen mit Tröpfchen verunreinigt. Allerdings ist der Schutz gegen Aerosole, also feinste Tröpfchen, nicht ausreichend, wie der Maskenhersteller Moldex feststellt. Die FFP2-Masken filtern hingegen auch diese kleinen Partikel. Und durch den dicht anliegenden Bund der Maske wird nicht nur dessen Umfeld, sondern auch er selbst besser geschützt.