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Tettau
Großbrand

Fassungslosigkeit nach Feuer auf dem Wildberg - "Wie ein schlechter Film"

In Tettau im Landkreis Kronach ist der Bauernhof Wildberg samt Ferienwohnung und Café abgebrannt. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet.
 
Nur noch ein Trümmerhaufen ist der Wildberghof nach dem verheerenden Feuer.Veronika Schadeck
Nur noch ein Trümmerhaufen ist der Wildberghof nach dem verheerenden Feuer.Veronika Schadeck
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Innerhalb von knapp vier Monaten wurde die Feuerwehr des Marktes Tettau zu zwei Großbränden alarmiert. Für Kommandant Christian Wick ist es ein Jahr, das er kein zweites Mal erleben möchte. Er brach nach der Alarmierung am Sonntagmorgen seinen Urlaub ab, um am Nachmittag die Einsatzleitung bei dem Großbrand zu übernehmen. Nur wenige Stunden hat er geschlafen, als er am Montagmittag von einem "Glück im Unglück" sprach. Wären die Einsatzkräfte fünf Minuten später gekommen, wären Menschen ums Leben bekommen, sagt er.

Seinen Worten zufolge habe zuerst die Scheune gebrannt. Die Helfer vor Ort des BRK, die wenige Sekunden vor der Feuerwehr eintrafen, hätten sofort reagiert und auf der Rückseite die Fenster eingeschlagen und Personen ins Freie geholt. Zwischenzeitlich war auch die Feuerwehr am Brandort. Mit der Drehleiter wurde schließlich eine Person aus dem Obergeschoss gerettet.

Großbrand auf Bauernhof in Tettau: Schlaftrunken ein Inferno erblickt

Nicole Hofmann kam am Samstag zum Wildberg, um dort zusammen mit ihren beiden Kindern eine Woche Ferien zu verbringen. Sie habe die Abgeschiedenheit, die Natur und die Tiere genießen wollen. Sie habe geschlafen und von dem Feuer nichts gemerkt, erzählt sie. Wach wurde sie, als der Besitzer des Wildberghofs "wild an ihre Zimmertür hämmerte". Schlaftrunken habe sie die Tür geöffnet und in ein Inferno geblickt. Sofort habe sie ihre zwei- und elfjährigen Kinder geweckt.

Während die junge Frau spricht, ist immer wieder eine gewisse Fassungslosigkeit ihrer Stimme zu entnehmen. Es war weder heiß, noch gab es einen Geruch. Fünf Minuten später und es wäre zu spät gewesen, ist sie überzeugt.

Ihre elfjährige Tochter habe viel geweint und auch sie stand unter Schock. Die Kleidung und die Spielsachen ihrer Kinder waren am nächsten Tag teilweise in den Brandresten zu sehen. Sie hofft nun, dass ihre Kinder dieses schreckliche Ereignis möglichst gut verarbeiten.

Ein Gastank in der Erde

Carsten Sagelsdorff steht fassungslos vor dem niedergebrannten Hof. Er kam als Pflegekind mit 15 Jahren zum Wildberghof. Mittlerweile ist er in Tettau heimisch geworden und hat eine Familie gegründet. Mehrere Jahre hat Sagelsdorff am Wildberg gelebt. Er kannte jeden Winkel des Anwesens. Er war es auch, der der Polizei den Hinweis mit dem dunkel gekleideten Mopedfahrer gegeben hat. Er habe in dieser Nacht nicht schlafen können, erzählt er. Als er die dicken Rauchwolken sah und die Sirenen hörte, habe er gehofft, dass nicht beim Wildberghof, sondern bei der weniger Meter oberhalb des Wildbergs liegenden Deponie Feuer ausgebrochen war. Sofort eilte er zum Brandort und sah das Unfassbare. Als ein Glück im Unglück bezeichnet er es, dass alle Personen gerettet werden konnten. Ein Glück sei auch gewesen, dass er von einem Gastank im Erdreich wusste und somit der Gashahn entsprechend abgedreht werden konnte.

Der Wildberghof ist nun zum dritten Mal abgebrannt, ist Miriam Hanuschke fassungslos. Die junge Frau ist vor kurzem nach München gezogen. Jedes Wochenende fährt sie aber nach Hause, um am Wildberg zusammen mit der Pächterin Stefanie Traut das Wildbergcafé zu betreiben. In den letzten Jahren hat sich der Wildberg nicht zuletzt durch deren Engagement zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt.

Beide haben viel Herzblut in das Café investiert. Am Samstag habe man am Wildberg noch eine Taufe gefeiert, erzählt Miriam Hanuschke. In zwei Wochen sollte eine Hochzeit stattfinden. "Für mich ist das alles wie ein schlechter Film!", versucht sie ihre Gefühle zu beschreiben. "Es ist heftig, dramatisch und sehr traurig", so der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch. Der Wildberg sei eine absolute Bereicherung für den Markt Tettau gewesen, sagt er. Um zumindest den materiellen Schaden etwas zu regulieren und die Betroffenen mit Soforthilfen zu unterstützen, habe der Markt Tettau ein Spendenkonto eingerichtet. Er hoffe für die verletzten Personen, darunter ist auch der Besitzer des Wildbergs, dass sie schnell genesen. Allen Betroffenen wünscht er viel Kraft für die kommende Zeit. Und er hoffe auch, dass der "Wildberg" wieder neu auflebt.

Vom einsamen Wirtshaus über die "Landkommune" zum beliebten Ausflugsziel

"Der Wildberg liegt ¼ Stunde oberhalb von Tettau. Es ist hier nichts als ein Wirtshaus ,Zum Silbernen Fisch' mit einem Brau- und Malzhause, dann ein Nebenhaus...", so heißt es in der Chronik. Der auf 702 Höhenmetern befindliche Wildberg lag in früheren Jahrhunderten an der alten Heer- und Handelsstraße von Leipzig nach Nürnberg und diente als Logierhaus. Das Anwesen lag bis zur Grenzöffnung fast unberührt im Grenzbereich von Ost und West. Den Wildberg kaufe im Jahre 1852 Georg Ehrlicher aus Effelter/Thüringen. Im Jahre 1905 erwarb das Anwesen der Kaufmann und Gastwirt in Liebschütz, Bernhard Fritz. Zwei Jahre später brannte der Hof ab. Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte das Anwesen öfter den Besitzer.

Im Jahre 1976 beschlossen schließlich die jetzigen Besitzer, Dietrich und Angelika Schütze von Frankfurt nach Tettau zu ziehen, um dort direkt an der Grenze einen Hof zu kaufen und eine Form der alternativen ökologischen Landwirtschaft aufzubauen. Zusammen mit vier Freunden gründete man die "Landkommune", um fernab veralteter Weltanschauungen ein neues Lebenskonzept zu erproben. Die Gemeinschaft gründet eine ökologisch-dynamische Landwirtschaft, baute Getreide an, hielt Schweine, Kühe und Hühner. Der Hof am Wildberg wurde auch zu einem Ort, der Querdenker und Künstler anzog.

Die Schützes sind auch Eigentümer von einem Teil des originalen historischen Lutherweges, der durch das Areal rund um den Wildberg führt. Dietrich Schütze hat alles daran gesetzt, dass dieser Weg auch genutzt werden kann. Seit rund sieben Jahren gab es auch das Café Wildberg. Die Pächterin Stefanie Traut und ihr Team machten somit das Anwesend zu einem beliebten Ausflugsziel.

Spendenkonto eingerichtet:

Bürgermeister Peter Ebertsch hat ein Spendenkonto bei der Sparkasse Kronach-Kulmbach unter der IBAN DE95 7715 0000 0101 7791 55 eingerichtet.