Der Bürgermeister zieht gern das Auto zum Vergleich heran. Einer von Peter Ebertsch' Sprüchen geht so: "Wir fahren schon Porsche!" Ein anderer: "Wenn wir schon Porsche fahren, vergrabe ich doch nicht den Wert eines Passats unter der Erde!" Für einen Außenstehenden könnte es den Eindruck erwecken, dass der Tettauer Bürgermeister über die Autoindustrie und die Abwrackprämie philosophiert. Doch tatsächlich geht es um Breitband.

Tettau gilt als die Vorzeigegemeinde im Landkreis für den frühen und erfolgreichen Ausbau des schnellen Internets unter der Erde. Bürgermeister Ebertsch weiß aber auch, dass eine ganze Reihe von glücklichen Fügungen und frühen Investitionen ihm und seinem Vorgänger Hans Kaufmann (SPD) in die Karten gespielt haben.

Als Beweis hat der Bürgermeister einen eher unauffälligen Zeitzeugen mitgebracht. Er hält einen Umschlag in seiner Hand. Der stammt wiederum aus einer Zeit, in der noch nicht einmal das Wort Breitband existiert hat. "Zur Erinnerung an die Inbetriebnahme der Kabelfernsehanlage Tettau am 04. Februar 1988 - Fernmeldeamt Bayreuth" titelt das Kuvert. Die Briefmarke im Kuvert hat nur Wert für den Briefmarkensammler Ebertsch. Aber der Satz auf dem Umschlag ist für die digitale Zukunft der Marktgemeinde extrem wertvoll, auch wenn sich die Zeiten geändert haben.

Aus der Sparte der Post entstand Kabel, Kabel Deutschland, Mannesmann, das im Jahr 2000 Vodafone aufgekauft hat. Unter Tettau liegt ein Schatz. Kilometerweit Koaxialkabel. "Das Kabel war der Erfolg", sagt Bürgermeister Ebertsch. Dafür hat die Gemeinde, die Haushalte und die Kunden in den Achtzigerjahren bezahlt. Der Breitbandausbau kostete der Gemeinde quasi nichts.

Ein Deal mit den Technikern

Von allein haben sich die neuen, schnelleren Kabel allerdings nicht verlegt. Bürgermeister Ebertsch erzählt, wie er zwei Kabeltechniker bei ihren Arbeiten bei Langenau überraschte. Was sie hier machen, habe er sie gefragt. Sie haben geantwortet, dass sie für die Nachbargemeinde Steinbach am Wald Breitband verlegen. Der Bürgermeister erklärte ihnen, dass sie in der falschen Gemeinde unterwegs sind und schlug einen Deal vor: "Wenn ihr weitergraben wollt, müsst ihr Langenau auch verkabeln - und zur Strafe Schauberg."

Der Deal ging über die Bühne, aber bereits zuvor hat sich in Tettau viel getan. Große Firmen wie Heinz Glas in Kleintettau haben die Glasfaser-Verkabelung selbst finanziert. An anderen Orten haben Vodafone die Fernsehkabel und Telekom DSL eigenständig ausgebaut. Das waren die drei Faktoren, damit die Gemeinde am Ende quasi nichts für den Breitbandausbau bezahlt hat. Die starke Wirtschaft, die Wirtschaftlichkeit des Ausbaus für die Kommunikationsunternehmen und eben auch: Glück.

Wenn überhaupt, dann gibt es nur einen Wermutstropfen, über den der Bürgermeister aber mittlerweile lachen kann: "Wir waren zu schnell. Dafür wurden wir bestraft." Während andere Kommunen erst mit der Breitbandinitiative 2015 im digitalen Zeitalter aufsteigen konnten, lag vor fünf Jahren die Schnelligkeit und Verfügbarkeit des Internets in Tettau bereits bei mehr als 30 Mbit/s. Zu schnell für eine Förderung durch den Staat. Heute surfen mindestens 92 Prozent der Einwohner mit mehr als 200 Mbit/s. Zum Vergleich: Ein HD-Film mit einer Größe von sieben Gigabyte lässt sich mit dieser Verbindung in unter fünf Minuten herunterladen. Für ein Foto mit vier Megabyte muss man bereits in Millisekunden rechnen.

Nur sieben Hütten wird Tettau nicht verkabeln lassen. Die Frankenwaldhütte und einige umliegende Freizeithütten haben keinen Zugriff auf Breitband. "Auch wenn die Summe gefördert werden sollte, wir denken auch an Steuerzahler", sagt der Bürgermeister. Schließlich seien auch Fördergelder Steuergelder.

Ein paar Zimmer weiter sitzt die Kämmerin der Marktgemeinde Tettau. Von Doris Neubauers Geschwindigkeit-Test hat der Bürgermeister schon stolz berichtet. Auch die Kämmerin lacht zufrieden. "Nachdem ich einen Vertrag über 16 Mbit/s hatte, habe ich nun einen über 250 Mbit/s abgeschlossen." Als der neue Router angeschlossen war, hat sie direkt einen Test in ihrem Privathaus im Rodlandweg durchgeführt. Das Ergebnis: 281 Mbit/s. Sie kriegt mehr, als sie eigentlich wollte. "Mein Mann und ich brauchen das eigentlich nicht." Sie nutzen keine Streamingportale oder datenintensive TV-Angebote. Doch der Test beweist, dass in Tettau der Ausbau funktioniert. Auch die FT-Leser auf Facebook, die unseren Aufruf kommentiert haben, berichten von 1000 Mbit/s in Tettau.

Doch wie geht es weiter? Auf diese Frage kommt Peter Ebertsch auf den Porsche unter der Erde zu sprechen. Es gebe Forderungen im Gemeinderat, Glasfaserkabel für die sogenannte FTTH- bzw. FTTB-Technologie (Fibre to the Home bzw. Fibre to the Building), also die schnellste derzeit verfügbare Variante der Datenübertragung. Glasfaser bis ins Haus und eben nicht nur zum Verteilerkasten. Doch diese Forderungen weist Peter Ebertsch zurück. Eine Förderung erhalte die Gemeinde nicht. Pro Straßenzug rechnet er mit Kosten von rund 30.000 Euro - in etwa die für einen Passat. Das Geld ist derzeit besser in den originären Aufgaben der Gemeinde zu investieren: "In der Wasser- und Abwasserversorgung fährt die Gemeinde bislang Passat. Wir wollen einen Porsche."