Während die Turnhallen am Schulzentrum als Notfall-Unterkunft für Flüchtlinge ausgestattet werden, denkt man im Landratsamt bereits über weitere Schritte nach. Wie Pressesprecher Bernd Graf auf Anfrage erklärt, sei derzeit vieles noch Theorie, weil man nicht wisse, wie die Entwicklung weitergehe. Grundsätzlich müsse man sich aber auf den Fall vorbereiten, dass zusätzliche Kapazitäten benötigt werden. Aus diesem Grund gehe die Bitte an die Gemeinden, die Unterkunftssuche zu unterstützen und Flüchtlinge vor Ort unterzubringen. "Da befinden wir uns gerade im Prüfungsstadium", betont Graf mit Blick auf zusätzliche Quartiere.

Ein mögliches Objekt für die Aufnahme von weiteren Flüchtlingen könnte demnach die Nordwaldhalle in Nordhalben sein. Der dortige Gemeinderat wird sich in der heutigen Sitzung mit dieser Thematik befassen. "Es gibt für alles ein Für und Wider", betont Bürgermeister Michael Pöhnlein, dem es wichtig ist, sich frühzeitig mit diesem Thema auseinander zu setzen. Dass es die Pflicht der Gemeinde ist, den Landkreis zu unterstützen, ist für ihn selbstverständlich. "Der Verantwortung müssen wir uns stellen. Da kann man nicht nach dem St. Floriansprinzip handeln." Ob die Nordwaldhalle letztlich zur Unterbringung von Flüchtlingen herangezogen wird, bleibt abzuwarten. "Es wäre aber schlimm, wenn Flüchtlinge kämen und wir keine Lösung hätten", betont Pöhnlein. Aus seiner Sicht kämen dafür mehrere Hallen im Landkreis in Frage, darunter auch die Nordwaldhalle. Deshalb führe man auch Gespräche mit den Hallennutzern, um nicht überrascht zu werden. Sinnvoller sei es aber aus seiner Sicht, die Flüchtlinge nicht wie in Kasernen unterzubringen, sondern in kleineren Gruppen aufzuteilen. Deshalb habe die Gemeinde Nordhalben Eigentümer leer stehender Häuser über das Mitteilungsblatt dazu aufgerufen, sich bei Interesse ans Landratsamt zu wenden und ihre Immobilien zur Verfügung zu stellen.

Das eine sind "kleinere Kontingente" von wöchentlich zirka zehn bis 15 Mann, wie Pressesprecher Graf erklärt, das andere sind eben diese so genannten "Notfall-Kontingente", bei denen eine große Anzahl von Flüchtlingen auf einmal in die Region kommt. So wird es eben nun der Fall sein, wenn die Turnhallen des Schulzentrums in Beschlag genommen werden. Die Regierung von Oberfranken geht zunächst von einer Belegung über sechs bis acht Wochen aus. Dies ist wiederum abhängig davon, wie schnell dauerhaftere Unterbringungsmöglichkeiten gefunden werden. Während die Regierung vor einigen Tagen von 150 bis 200 Flüchtlingen sprach, stellt man sich in Kronach auf teilweise bis zu 300 Flüchtlinge ein, die in den kommenden Wochen in den Landkreis kommen könnten. Deshalb macht es sicherlich Sinn, nach weiteren Unterkünften Ausschau zu halten. Ob diese dann zusätzlich gebraucht werden oder aber eventuell auch als Ersatz fungieren können, bleibt abzuwarten. "Das hängt alles von der weiteren Entwicklung ab", betont Graf.

Mit Blick auf den Schulbetrieb besteht grundsätzlich das Bestreben, die Dreifachturnhalle so schnell wie möglich wieder zu entlasten. Ob dies letztlich gelingt, wird auch von der Bereitschaft der Gemeinden abhängen, Flüchtlinge aufzunehmen. Und so ist es dann auch nicht sonderlich überraschend, wenn Bernd Graf in diesem Zusammenhang von einer gesamtgesellschaftlichen Verpflichtung spricht, die es zu meistern gilt.