Franz Josef Strauß war häufig in den Grenzgemeinden im Landkreis Kronach zu Gast. So zum Beispiel am 19. März 1981 in Schauberg, wo der Grenzübergang zu Judenbach in Thüringen war. "Er hat immer mal wieder Firmen und Gemeinden in Grenznähe besucht", erinnert sich Marietta Rösler, in deren Betrieb Strauß damals zu Gast war. Sehr nett sei er gewesen, erzählt sie.

Am 17. Juni 1983 sprach der ehemalige bayerische Ministerpräsident an der Demarkationslinie zwischen Welitsch und Heinersdorf zu 10 000 Menschen. Anlass war eine Großkundgebung der Jungen Union.


Am 3. Oktober 1988 gestorben

Fünf Jahre später, am 3. Oktober, starb Franz Josef Strauß im Alter von 73 Jahren in einem Regensburger Krankenhaus. Zwei Tage zuvor hatte er bei einer Jagd in Ostbayern einen Zusammenbruch erlitten.
Die Grenzöffnung erlebte er also nicht mehr mit.

Einer seiner Weggefährten aus dem Landkreis ist der ehemalige Landtagsabgeordnete Rudi Daum. Er erinnert sich an viele Termine mit Strauß im Kreis Kronach. Nach dem Besuch 1983 in Welitsch sei er beispielsweise noch nach Steinberg zum 100. Jubiläum der Krieger- und Soldatenkameradschaft gekommen. "Eigentlich sollte er noch nach Bayreuth. Ich habe mit der Geschäftsstelle verhandelt. Es hieß immer, das ginge nicht, dass er nach Welitsch noch nach Steinberg geht. Ich habe gesagt, dass das doch auf dem Weg liegt. Letztlich wollte er eine halbe Stunde in Steinberg bleiben, doch es gefiel ihm so gut, dass er - ich glaube - vier Stunden da war."


Politischer Lehrmeister

Daum bezeichnet Strauß als ein "gestandenes Mannsbild" und "politischen Lehrmeister". Er habe Bayern so stark geprägt und sei ein eifriger Verfechter der Wiedervereinigung gewesen. "Er hat viel zur Wiedervereinigung beigetragen, hat mit verhindert, dass die DDR ein selbstständiger Staat wurde", erzählt Daum. Sonst wäre die Wiedervereinigung wohl nicht auf Grundlage des Grundgesetzes möglich gewesen. Und so habe er auch die Mahnkundgebungen der Jungen Union im Kreis Kronach am Grenzübergang zwischen Welitsch und Heinersdorf mit unterstützt, über die Grenze gerufen: "Lasst uns wieder zueinander gehören." Schade, dass er die Wiedervereinigung, für die er sich so eingesetzt habe, letztlich nicht mehr miterlebt habe, bedauert Daum.