Aus der St. Johannes Kirche in Kronach strömen am späten Nachmittag die Kinder. Drinnen haben sich noch einige versammelt. Sie stehen in Gruppen zusammen, ihre Eltern sind auch dabei. Gerade haben sie die letzte Generalprobe für den Gottesdienst am Dreikönigstag hinter sich gebracht. Am nächsten Tag werden sie wieder ausschwärmen und sich in der ganzen Stadt verteilen. Die Sternsinger ziehen dann von Haus zu Haus und sammeln Spenden für einen guten Zweck.

Julia Franke (14) und Lea Thüroff (13) sind zwei von etwa 150 Kindern, die in diesem Jahr in der Kreisstadt, Höfles und Ziegelerden unterwegs sind. Beide haben schon viel Erfahrung darin: Julia ist zum sechsten Mal, Lea sogar zum siebten Mal dabei. "Es macht einfach Spaß", sagt Lea und ihre Freundin stimmt ihr zu: "Die Leute freuen sich, wenn wir kommen und unseren Spruch vortragen." Diese kommen bei ihnen auch schon wie aus der Pistole geschossen. Kein Wunder, bei so viel Übung.


Nicht erwünscht

Schon am heutigen Donnerstag haben sie ihre Tour gestartet. Um 12.30 Uhr zogen sie los um den Inneren Ring und den Mississippi-Dampfer. Bei rund 200 Haushalten klingeln sie dabei. Da kommt es schon mal vor, dass sie die Bewohner kalt erwischen, etwa in Schlafanzug, Bademantel oder Unterhose, erzählen die Mädchen. Manch einer knalle ihnen sogar die Nase vor der Tür zu. Das sei aber die Ausnahme.

Bis 18.30 Uhr werden sie unterwegs sein und morgen Früh geht es gleich weiter mit dem Gottesdienst in der Pfarrkirche, für den sie gerade geübt haben. Danach ziehen sie ein zweites Mal um die Kronacher Häuser.

Dann ist auch Annika Möckel (11) dabei. Sie macht das in diesem Jahr zum ersten Mal und springt ein, weil ein anderes Kind ausgefallen ist. Ihre Nachbarin Lea habe sie einfach mal gefragt und sie musste nicht lange überlegen: "Mit Freundinnen macht es ja Spaß", sagt sie. Ein bisschen nervös sei sie schon, "aber nicht so schlimm", sagt Annika.

Die drei Königinnen möchten noch lange bei den Sternsinger mitmachen: "So lange, bis wir nicht mehr dürfen", sagen sie. Dabei gibt es in Kronach gar keine Altersgrenze, erklärt Gemeindereferent Andreas Roderer. Er betreut die Sternsinger. Es laufe immer eine Erwachsenengruppe mit, der Älteste unter ihnen sei 40 Jahre alt.


Weniger Nachwuchsprobleme

Die Sternsinger sind auch nicht nur auf katholische Kinder beschränkt. In Kronach dürfen alle mitmachen. Auch wenn es anderswo bereits Probleme gibt, jedes Jahr neue Sternsinger zu finden, macht sich Roderer keine großen Sorgen um den Nachwuchs. "Es kommt darauf an, wie man die Kinder anspricht", sagt er. "Wir haben in Kronach aber eine recht offene Gemeinde", deshalb sei man bisweilen noch vergleichsweise gut aufgestellt.

Das merkt man auch an dem Geld, das gesammelt wird. Rund 22 500 Euro kamen im vergangenen Jahr zusammen. "Das ist schon sehr viel", meint Roderer. Die Spenden gehen an das Kindermissionswerk "Die Sternsinger". Es unterstützt Projekte auf der ganzen Welt. Diesmal mit Fokus auf Kenia in Afrika.


Wo ist Caspar?

Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass keines der drei Mädchen schwarz geschminkt ist und damit den Caspar mimt. So wird einer der drei Weisen aus dem Morgenland traditionell zumindest dargestellt.

Dies sorgte auch schon am 30. Dezember, bei der Aussegnung der Sternsinger in Bamberg für Diskussionen: Angeblich habe es dabei keinen einzigen schwarz geschminkten Sternsinger gegeben. Das Erzbistum Bamberg und dessenErzbischof Ludwig Schick wiesen die Vorwürfe vehement zurück und betonten, dass es kein Schmink-Verbot geben werde.

Auch Andreas Roderer hält diese Debatte für "Käse". In der Bibel kommt ein schwarzer König - beziehungsweise Weiser oder Magier - nicht vor. Erst später wurde er hinzugefügt, um auch den Kontinent Afrika zu repräsentieren. "Die Drei Könige sollen nur zeigen, dass die ganze Welt bei der Geburt Jesu anwesend war. Die Darstellung von Caspar als Dunkelhäutiger ist also das Gegenteil von Rassismus", betont Roderer.

Die drei Mädchen haben hingegen eine viel banalere Erklärung, warum sich keine von ihnen Schminken lassen wollte. Beim Essen verschmiere die Farbe und gehe zu leicht ab.

Obwohl die Sternsinger weniger mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, konnten sie für einen Teil der Kronacher Siedlung keine Gruppe finden, informiert die Pfarrei. Wer dennoch wünscht, dass die Sternsinger vorbei kommen und ihren Segen bringen, kann sich am heutigen Dreikönigstag bei den Verantwortlichen im Pfarrzentrum unter der Telefonnummer 09261/6106226 melden.