Der demografische Wandel beschäftigt die Politik mittlerweile seit Jahren. Doch auch Vereine und Verbände hat das Thema längst erreicht. Wie kann man für junge Leute so attraktiv bleiben, dass die Mitgliederzahlen nicht zu schmelzen beginnen? Die Turnerschaft Kronach hat für sich eine Antwort gefunden. "Wir wollen nicht nur auf dem alten Stand bleiben und bloß auf etablierte Abteilungen setzen, sondern auf den Wandel eingehen", sagt Vorsitzender Jörg Schnappauf.


Weichen für Verjüngung stellen

Nach seiner Auffassung muss sich ein Verein neuen Gegebenheiten anpassen, um für Mitglieder wie auch Ehrenamtliche interessant zu bleiben. Diese Einstellung lebten die "alten" Turnerschaftler vor; sie hätten in der Führungsriege rechtzeitig die Weichen für eine Verjüngung gestellt, seien offen für frische Ideen und brächten dennoch weiterhin ihre langjährige Erfahrung ins Vereinsgeschehen ein.

Was für die Leitung des größten Sportvereins (circa 1250 Mitglieder) im Landkreis gut ist, soll auch für den Sportbetrieb billig sein. Gleich drei neue Abteilungen will Schnappauf in der Hauptversammlung am Freitagabend vorstellen. Die werden dem Verein einen sehr jugendlichen Anstrich verleihen.

Die traditionellste der drei neuen Disziplinen ist der Handball-Sport. Mit dem WM-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft 2007 hat auch die fränkische Region ein Boom erfasst. "Handball wird übers Jahr häufig nachgefragt", berichtet der TS-Vorsitzende. Nun hat sich für die Turnerschaft eine günstige Gelegenheit ergeben, den seit dem Aus der HG Kronach 2006 verwaisten Platz der Cranach-Stadt in dieser Sportart neu zu besetzen. Die Berufsschullehrerin Marina Rexin war in Nürnberg in der ersten Liga aktiv. Nun möchte sie den Handball nach Kronach zurückbringen. Eine Gruppe Interessierter hat sich schon um sie geschart. Wer noch mitmachen möchte, ist laut Schnappauf jedoch gerne willkommen.

In eine ganz andere Richtung zielt das Cheerleading. Es wird von der aus dem Oberallgäu stammenden Marla Brutscher betreut werden. Was viele aus dem Fernsehen kennen, zum Beispiel von Football-Übertragungen aus Amerika, ist wesentlich mehr als ein Pausenfüller für die Zuschauer. Es ist eine eigenständige Disziplin, bei der es auch Meisterschaften gibt. "Und es ist eine Sportart, die in Oberfranken nur sehr selten vorkommt", hebt Schnappauf das Alleinstellungsmerkmal für die TS Kronach hervor. Vermutlich spreche das Cheerleading mit seinen tänzerischen Grundlagen in erster Linie die jüngere Generation an, aber so lange man fit sei, könne man am Training teilnehmen, so Schnappauf.


Skater organisieren sich

Ein besonderer Status kommt der dritten neuen Abteilung zu, der "NASA". Die hat nichts mit Raumfahrt zu tun, auch wenn es beim Training extrem flott zugehen wird. NASA steht bei der Turnerschaft für "Neue Action-Sports-Abteilung".

Diese ist aus einem Projekt erwachsen, in das neben dem Sportverein auch der Kreisjugendring, der Jugend- und Kulturtreff "Struwwelpeter", der Arbeitskreis Demografie-Pilotregion Oberfranken mit Zweiter Bürgermeisterin Angela Hofmann sowie das Kronacher Jugendforum involviert waren. Das Projekt drehte sich um die Skater und Scooter, die auf der Anlage auf dem Landesgartenschau-Gelände ihrem Hobby nachgehen. "Die Skater wollen die Anlage aufwerten, eventuell erneuern", erklärt Schnappauf. Aus finanzieller Sicht ist das für die nicht organisierten Hobbysportler jedoch nicht so einfach. Nun rücken sie unters Dach der Turnerschaft, was neue Wege ebnen könnte. "Wir sind stark auf der Suche nach Spendern und Sponsoren", erklärt Schnappauf. Und da die jungen Sportler jetzt im Verein organisiert sind, können auch Spendenquittungen ausgestellt werden.

Die ersten Überlegungen für das Areal nahe dem Real-Markt gibt es bereits. Dort soll weit mehr als "nur" eine Skaterbahn entstehen. "Vorgesehen ist, die Anlage zu erneuern, einen kleinen Bolzplatz anzulegen und eine Work-Out-Area zu schaffen, also einen Trimm-Dich-Bereich", führt der Vorsitzende aus. Er bezeichnet das Vorhaben als "Aktiv-Park". Der Verein und die neue Abteilung möchten so nicht nur etwas für junge Leute auf die Beine stellen, sondern auch Ältere einbeziehen.

Für die Skater und Scooter ergibt sich noch der Vorteil, ihr Hobby viel stärker als bisher unter dem sportlichen Aspekt betreiben zu können. Sie wollen sich in den Reihen des Vereins besser strukturieren. Gleichzeitig wird es ihnen neben dem Training auf der harten Bahn ermöglicht, spezielle Übungseinheiten in der Halle durchzuführen. "Außerdem bekommen sie durch die Zusammenarbeit eine offizielle Anlaufstelle für Interessierte", betont der Vorsitzende.


Mut zur Veränderung

Schnappauf ist überzeugt, mit den neuen Abteilungen den richtigen Weg einzuschlagen. Skeptiker weist er darauf hin, dass auch die älteren Funktionäre bei der TS Kronach solchen jungen Themen offen gegenüberstehen, sie mittragen und vorantreiben. Denn in den Reihen des TS-Vorstands sei man, unabhängig vom Alter, überzeugt: "Die Jüngeren machen es nicht schlechter - nur anders."