Es ist gerade mal gut ein halbes Jahr her, dass der FC Kronach an der Hammermühle als Aufsteiger den Klassenerhalt in der Bayernliga feiern konnte. Im Mai 1988 war die Euphorie bei den "Rothosen" noch grenzenlos, doch wenige Monate später ist Ernüchterung eingekehrt. Mit 7:31 Punkten und sieben Zählern Rückstand zum "rettenden Ufer" liegt der FC Kronach zur Winterpause am Tabellenende.

"Spieler wie Hansi Barnickel, Heiner Föhrweiser und Horst Pinzer waren damals Garanten für den Klassenerhalt", erinnert sich Klaus Uwira. "Als sie den Verein verlassen haben, konnten wir sie nicht gleichwertig ersetzen. Die haben wir schon schmerzlich vermisst."

Das ist in den Augen Uwiras aber nicht der einzige Grund für die missliche Situation und für den später folgenden Abstieg.
"Wir waren damals nicht in der Bayernliga, weil wir so gute Einzelspieler waren, sondern weil wir über unsere Kameradschaft einiges wettgemacht haben und weil unser Spielverständnis über Jahre gewachsen war. Wenn dann wichtige Spieler gehen oder sich wie Joachim Kröckel schwer verletzen, funktioniert das nicht mehr."

Niedriger Etat

Dass der FC Kronach in der dritthöchsten deutschen Liga im ersten Jahr überhaupt so gut mitspielen kann, ist alles andere als selbstverständlich, weil finanziell Grenzen gesetzt sind. Und auch der Etat für die Saison 88/89 beträgt lediglich 180 000 Mark; nur beim FC Amberg ist er noch geringer. Zum Vergleich: Spitzenclubs wie 1860 München kalkulieren mit rund 500 000 Mark, der Nachbarrivale VfL Frohnlach mit 350.000 Mark.

Die Abgänge im Sommer sollen durch einige Neuzugänge kompensiert werden. So wechselt Hannes Lehnhardt vom VfL Frohnlach an die Hammermühle (quasi im Tausch mit Hans-Joachim Barnickel), und die Mannschaft erhält erstmals internationales Flair. Ein polnischer Junioren-Nationaltorwart wird geholt (Christof Pietrowski), ein englischer Nachwuchsstürmer (Christopher Rooney) und mit Sasa Mirjanic ein jugoslawischer Angreifer.
Die Entscheidung der Vereinsführung, sich auch über Spielerberater zu verstärken, erweist sich aber nicht nur in den Augen von Klaus Uwira als Fehlschlag. Die Hoffnung, von einem möglichen Weiterverkauf einzelner Spieler in die 2. Liga finanziell profitieren zu können, erfüllt sich nämlich nicht. "Es war ein wirtschaftliches Risiko, das nicht zu Ende gedacht war. Der FC Kronach war aber nicht der erste Verein, der das versucht hat und gescheitert ist."

Das Aufgebot

Spielertrainer zu Beginn der Saison 1988/89 ist Ex-Profi Norbert Runge, der ein halbes Jahr zuvor Josef Eiser abgelöst und auch auf dem Feld zum Klassenerhalt beigetragen hat, der aber nun kaum noch spielt. Im Kader stehen nach wie vor überwiegend Fußballer aus dem Landkreis Kronach oder aus der Region. Dem Aufgebot gehören die Torhüter Christian Tremel, Christof Pietrowski und Bruno Overmann an sowie die Feldspieler Stephan Dippold, Hans-Jürgen Rebhan, Karl-Heinz Regel, Rainer Trinkwalter, Volker Bernert, Gerd Schaible, Johannes Lehnhardt, Thomas Ramming, Stefan Braungardt, Dieter Gehring, Joachim Kröckel, Christopher Rooney, Sasa Mirjanic, Klaus Uwira, Ralf Rademacher (der im Winter nach Rothenkirchen wechselt), Uli Doppel und Bernd Renger.

An Norbert Runge hat Klaus Uwira noch sehr positive Erinnerungen. "Er war nie abgehoben, sondern immer einer von uns. Er hat neue Trainingsmethoden angewandt und im ersten halben Jahr für einen positiven Schub gesorgt. Diese fünf Prozent, die er rausgekitzelt hat, haben dann aber in der zweiten Bayernliga-Saison aus unterschiedlichen Gründen gefehlt." Da habe es nicht zuletzt Probleme mit der Kommunikation und auch ein bisschen Neid gegeben. Auch der Funke sei von den Zuschauern nicht mehr so auf die Mannschaft übergesprungen wie dies noch in der Serie zuvor der Fall gewesen sei.

Die Auswirkungen zeigen sich schnell. Bis zur Winterpause holt der FC Kronach nur sieben Punkte und weitere sieben bis zum Schluss. Die Saison wird mit 14:50 Punkten abgeschlossen, allerdings ohne Norbert Runge, von dem sich der FCK wegen Erfolglosigkeit trennt. Der Abstieg in die Landesliga ist die logische Folge.
Rückblickend bedauert Klaus Uwira vor allem, dass durch dieses verkorkste Bayernliga-Jahr die Erfolge und die Verdienste der Vereinsführung in den Jahren zuvor in den Hintergrund getreten seien. "Lorenz Mayer, Peter Brünnich und Willy Baderschneider, um nur einige Beispiele zu nennen, haben sich lange Zeit über alle Maßen engagiert. Es ist schade, dass die Sache damals dann so lange nachgewirkt hat."

Spirit lebt noch heute

Diese Phase beim FC Kronach mit ihren Höhen und Tiefen möchte Klaus Uwira nicht missen. "Aufbauend auf eine gute Jugendarbeit haben wir in dieser Zeit viel bewegt und unwahrscheinlich viele Zuschauer in die Hammermühle gelockt. Der Spirit von damals lebt noch heute", sagt er angesichts der sehr guten Kameradschaft und der vielen Kontakte, die zum Teil nach wie vor gepflegt werden.
Klaus Uwira, ein Eigengewächs des FCK, musste etwa ein Jahr nach dem Abstieg nach einer schweren Knieverletzung lange Zeit pausieren, wechselte dann zum FC Seibelsdorf und kehrte über die weiteren Stationen TSV Mönchröden und VfL Frohnlach wieder nach Kronach zurück. Seit September 2013 ist er Trainer der ersten Mannschaft in der Bezirksliga.