Zahlreiche Freunde guter Musik haben den Weg in die Michaeliskirche gefunden. Dort hören sie zum Auftakt "Nun freut euch lieben Christen g'mein" . Das von Martin Luther geschriebene Lied ist Eröffnungsstück und zugleich Mittelpunkt eines gewaltigen Chorwerks. 50 Sänger aus Franken und Thüringen treten dabei an, um den Durchbruch des jungen Augustinermönchs zur Gewissheit zu schildern. Dies geschieht in einer Kombination aus Originalworten sowie Chorälen Luthers und neuen Liedern.

Schon mehrmals demonstrierten die Mitwirkenden des SMS-Chors Ludwigsstadt, dass sie große Werke der Chorliteratur mit sicherem Stilbewusstsein und großer Geschlossenheit wiederzugeben verstehen. Hintergrund ihres neuesten Projekts ist die Luther-Dekade, die die evangelisch-lutherische Kirche noch bis zum Jahr 2017 begeht. Aus diesem Anlass hat der Projektchor das Luther-Oratorium von Siegfried Fietz einstudiert. Mit klassischer Musik und modernen Melodien versteht es Fietz, ein ganz eigenes musikalisches Denkmal für Luther zu setzen - wobei Denkmal im Sinne von "Denk mal" zu verstehen ist. Neben vielen Kompositionen von Fietz erklingt auch Musik von Johann Hermann Schein, Helmut Weidt und Sigurd Knopp. Ein echter Prüfstein. Und dem wussten die Mitwirkenden trefflich zu begegnen. Herausgekommen ist eine Aufführung aus einem Guss.

Sigurd Knopp, Dirigent des Abends, meisterte seine große Aufgabe feinsinnig, konzentriert und mit viel Engagement. Das Oratorium klang frisch und mitreißend. Als Sprecher agierten Anette Spindler und Thomas Rebhan. Die Soli wurden vorgetragen von Stefan Heyder, am Piano begleitet von Christoph Methfessel. Der Chor, der überwiegend a cappella sang, agierte mit so viel Hingabe und Einfühlungsvermögen, dass die begeisterten Gäste vollends in die Musik eintauchen konnten. Viele von ihnen verfolgten das Chorwerk mit geschlossenen, andere wiederum mit Tränen der Rührung in den Augen. Wohltuende Schauer liefen einem über den Rücken. Diese Stimmen. Absoluter Gänsehaut-Faktor.

Wunderschöner Gesamtklang


Jeder Mitwirkende ist für sich ein guter Sänger. Doch gemeinsam erblühte aus den einzelnen Stimmen ein wunderschöner Gesamtklang, der einen neuen Freiraum für Empfindungen schaffte. Die Sänger fesselten die Zuhörer vom ersten Ton mit einem Gesang, der mit spiritueller Kraft ins Innere, in die Seele ging. Die Michaeliskirche lieferte zudem eine wunderbare Akustik.

Da von den Titeln eine unglaublich meditative Wirkung ausging, war das Publikum geradezu "gezwungen", in sich zu gehen und Gottes Nähe zu suchen. Zurück hinterließ der Chor einen tiefen spirituellen und nachhaltigen Eindruck sowie Gäste in inniger Ergriffenheit, die sich mit lang anhaltendem Beifall und Standing Ovations bedankten.

Begeistert zeigten sich auch Pfarrer Albrecht Bischoff sowie Ludwigsstadts Zweite Bürgermeisterin Eva Jahn. Laut Dekanin Dorothea Richter sei es ihr ein Herzenswunsch, dass Kronach und Ludwigsstadt im Dekanat gleichermaßen präsent sind. "Ihr habt Luther in die Herzen Eurer Zuhörer gesungen", lobte sie den Chor. Klaus Methfessel bedankte sich für das Leitungsteam bei allen Mitwirkenden, insbesondere aber bei Sigurd Knopp, der seit November letzten Jahres mit den Sängern das Chorwerk einstudiert hatte.