Auch im zweiten Band des Kinderlesebuchs "Kronacher G'schichten II von Büchern, Brunna und Lausbumm" drehen sich zehn neue Geschichten rund um unser kleines, altes und gemütliches Städtchen. Herausgeber ist erneut der Geschichts- und Kulturverein "1000 Jahre Kronach" unter Vorsitz von Manfred Raum.

Dieser hatte im Dezember 2012 der Vorstandschaft die Idee für ein Kinderlesebuch vorgestellt. Für die Umsetzung des 2013 erschienenen Erstlingswerks konnte er das Vereinsmitglied Kerstin Sperschneider gewinnen, die sich die Pädagogen Eva-Schreiber-Dümlein und Dirk Eilers sowie die Grafikerin Tina Vadász-Hain mit ins Boot holte. Für die Fortsetzung wurde das Team nun um die Gästeführerin Christa Franz und den Museologen Alexander Süß erweitert. "Immer wieder wurde an uns der Wunsch nach einem zweiten Teil herangetragen", freut sich Sperschneider über das große Interesse an einer Fortsetzung des Kinderlesebuchs. Seit rund einem Jahr arbeitet das Redaktionsteam unter ihrer Leitung intensiv an dem Folgeband. "Uns haben wieder viele tolle Geschichten erreicht", freut sich das Team, das daraus die zehn Beiträge auswählte, die die Intentionen des Kinderlesebuchs am besten treffen. Man möchte kein pädagogisch-belehrendes Buch, sondern Spaß am Lesen erzeugen und neugierig auf die Stadt machen. Insbesondere verfolgt man dabei einen authentischen - sprich einen historisch korrekten - Ansatz. "Wir wollen keine Fantasiegeschichten oder Geschichten, die die Historie verzerren", betont Kerstin Sperschneider, dass man Wert auf einen realen Bezug lege.

Heinrich Lieb und seine Kindheit

Hierfür sorgen insbesondere auch die beiden Beiträge von Heiner Lieb. Mit Freude erinnern sich die Redaktionsmitglieder an den Besuch des Kronacher Urgesteins, Jahrgang 1944, als er ihnen seine Beiträge vorstellte und dabei vieles aus seiner Kindheit erzählte. "Das war ein lustiger Abend. Wir haben herzlich gelacht", verrät Sperschneider. Gelacht werden darf auch in seinen Geschichten "Ferien, Ferien" und "Winterspaß um die Vorweihnachtszeit". Als einziger Beitrag ist "Ferien, Ferien" ganz in Mundart geschrieben, was für die "Zugezogenen" im Team nicht so einfach zu lesen war.

Ebenfalls aus seinen Kindheitstagen stammt "Winterspaß um die Vorweihnachtszeit", wobei es für ihn mit dem Schlitten durch das Bamberger Tor ging - ein damaliger Brauch, der Glück bringen sollte.

Erfreulicherweise hatte sich Heiner Lieb auf einen Aufruf des Vereins gemeldet, dass man Autoren für den Folgeband suche. Dieser umfasst dann auch eine große Auswahl an Themen, wobei die anderen Geschichten durchwegs aus der Feder des Redaktionsteams selbst stammen. Dabei geht es keineswegs immer so lustig zu wie in den Geschichten von Heiner Lieb; gehören doch zur Vergangenheit eben auch ernste Thematiken.

Hierzu zählt auch "Der Ansteher oder die Geschichte von Schorschs Kronacher Kinderbuchbibliothek". Protagonist ist der neunjährige Schorsch, der sich in der Kriegszeit durch das Lesen in seiner kleinen Dachboden-"Bibliothek" gewissermaßen Freiräume schafft. In "Die Grenze auf dem Pausenhof" beschreibt Dirk Eilers die konfessionelle Pausen-Trennung von Schulkindern der Lucas-Cranach-Schule, während es in seinen "Kreuzberger Kapellen-Gesprächen" um die aufgrund der Pest ausgefallene Erstkommunion des Jungen Frederik geht. "Man sieht, wie aktuell solche Geschichten noch heute sind", meint Tina Vadász-Hain. Von ihr stammt "Wieder nach Hause" - ein Tagebucheintrag eines Großonkels, der als junger Bursche und HJ-Mitglied für den Volkssturm in den letzten Kriegstagen eingesetzt werden sollte. "Das sind Geschichten, die man einfach erzählen muss", bekundet sie.

Fast eine Archiv-Geschichte ist "Wir fahren nach Kronach" von Alexander Süß über eine Schulklasse aus Berlin-Wilmersdorf wenige Monate vor dem Mauerbau. Auf den Erfahrungen eines echten Flößers beruht "Feuedunnekeil" von Christa Franz in Zusammenarbeit mit Fritz Schedel (Zabo) aus Neuses, in der man viel Interessantes über die Flößerei erfährt - auch sachliches Wissen; beispielweise wie man ein Floß baut. Tierisch wird es in der Geschichte "Matz und Maunz" von Eva Schreiber-Dümlein über ein Gespräch am Relief von Bildhauer Mathias Güthlein, während es in der von Dr. Sperschneider verfassten Begegnungsgeschichte "Engelsgeflüster" einer Fotografin und zweier Mädchen eher märchenhaft-magisch zugeht.

Für die grafische Gestaltung des 80-seitigen Buchs zeichnet erneut Vadász-Hain mit Kronacher Motiven verantwortlich. Das Buch enthält keine abgezeichneten Fotos, sondern aquarellierte Zeichnungen, um die Vorstellung der Kinder anzuregen. Auch das - an das Format des ersten Bandes erinnerte - Cover stammt von ihr.

Ab November erhältlich

Begeistert vom guten Gelingen zeigte sich Manfred Raum. Eine gute Entwicklung sei es, dass die Fortsetzung nunmehr viele selbst erlebte Geschichten enthalte. Die "Kronacher G´schichten II" gehen noch für den "letzten Schliff" an eine Lektorin. Erscheinen sollen sie im November, rechtzeitig zur Weihnachtszeit.