Hinter dem Hügel drehen einige Windkraftanlagen in der Abendsonne langsam ihre Kreise. Sie sorgen für "grünen Strom". Die nächste regenerative Energiequelle auf der Anhöhe zwischen Fischbach und Vogtendorf ist hingegen noch ein Gedankenspiel. Das könnte sich allerdings schon am Montag ändern.

Im ersten Anlauf konnte sich der Stadtrat nicht dazu durchringen, dem von IBC Solar beantragten 13-Hektar-Photovoltaikpark sofort den Weg zu ebnen. Fragen von Bürgern wie auch Räten waren offen. Ein Ortstermin sollte das Vorhaben greifbarer machen. Was bleibt nach diesem Treffen kurz vor der entscheidenden Sitzung, in der am 25. November ein Grundsatzbeschluss fallen soll?

"Im Großen und Ganzen sehe ich den Ortstermin positiv", freut sich Projektentwickler Matthias Körner. Dazu habe auch der faire Umgang zwischen den Fragestellern, Skeptikern und ihm beigetragen. Und zu besprechen gab es einiges. Bedarf: Der Vogtendorfer Alexander Wellach deutete auf die Windräder in Sichtweite. Ein Teil von ihnen drehte sich nicht. Ein solcher Teilbetrieb sei kein Ausnahmefall. "Besteht dann kein Bedarf?", fragte er. Wenn dem so sei, bräuchte es vielleicht gar keine weitere Anlage vor Ort, die noch mehr Strom auf Kosten landwirtschaftlicher Flächen erzeuge.

Im Norden Deutschlands komme es mitunter tatsächlich zu Abschaltungen solcher Windkraftanlagen wegen Überkapazitäten, im Süden sei so etwas aber eine Ausnahme, verneinte Körner diese These. Allerdings gebe es eine Reihe anderer Gründe, warum ein Windpark nur einen Teilbetrieb fahre. Beweidung: Die Fläche für die PV-Anlage wurde zuletzt noch einmal angepasst. Der Grund ist ein angestrebtes Zusammenwirken mit einem benachbarten Beweidungskonzept. Dieses soll sich auch auf die Fläche der Solaranlage erstrecken. Allerdings wies Körner auf Wellachs Frage darauf hin, dass kein Widerspruch zwischen der Pflanzung von Büschen als Sichtschutz und der Schafbeweidung gegen eine Verbuschung bestehe. Vielmehr stünden im Kern des Beweidungskonzeptes "Hangbereiche, in denen es historisch gewachsen diese Kulturlandschaft gab, diese Beweidungsflächen." Jagd: Bernd Korb (FW) erwartet "riesige Einschnitte" für die Jägerschaft. Hierfür machte er einerseits die PV-Fläche und auch ihr weiträumiges Umfeld ("Da schießt wegen möglicher Schäden an der Anlage keiner") verantwortlich, aber ebenso eine befürchtete Verlagerung des Wildes. Die Jäger könnten dadurch ihrem gesetzlichen Auftrag der Schwarzwild-Bejagung nicht mehr nachkommen. Körner gestand ein, dass es ein solches Spannungsfeld gebe. Allerdings wies er auf die Bedeutung solcher Anlagen für die Energiewende hin, welche die benötigte Flächengröße wieder relativiere. Derartige Anlagen lieferten zu dieser Wende einen substanziellen Beitrag. Letztlich sei die Situation auch nicht anders, als in Fällen, in denen etwa die Lebensmittel-Industrie große Flächen für den Maisanbau in Beschlag nehme. Öffentlichkeit: Klaus Simon (SPD) drängte darauf, die Bürger bei der Planung besser mitzunehmen. Für Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) kein Problem. Jeder Interessierte könne schließlich die Ratssitzungen besuchen. "Es ist ein öffentliches Verfahren", pflichtete ihm Körner bei, der auf unsere Nachfrage feststellt: "Es gibt natürlich Kritikpunkte, aber ich denke schon, dass die positiven Aspekte überwiegen." Ob dem so ist, wird sich am Montag zeigen.

Was IBC Solar bei Fischbach plant

Der Ortstermin hinterließ bei Projektentwickler Matthias Körner von IBC Solar aus Bad Staffelstein einen guten Eindruck. Der Umgang zwischen Kritikern und Befürwortern sei sehr sachlich gewesen und die Ratsmitglieder hätten sich offen für die Diskussion gezeigt. Deshalb ist er guten Mutes, dass es grünes Licht vom Gremium geben wird und der Bau der Photovoltaikanlage bei Fischbach nächstes Jahr in Angriff genommen werden kann. Sollte alles reibungslos verlaufen, hält Körner die Aufnahme des Betriebs Anfang 2021 für ein realistisches Ziel. Doch was ist bei Fischbach eigentlich konkret geplant, und wer ist überhaupt IBC Solar? Hier die wichtigsten Zahlen und Fakten im Überblick. Projekt: Die geplante Anlage auf einer Anhöhe in der Nähe von Höfles, Vogtendorf und Fischbach umfasst zwei Teilbereiche von insgesamt circa 12,7 Hektar PV-Nutzfläche. 2,4 Hektar an Ausgleichsfläche (Weide) sind vorgesehen, hinzu kommen zwei Weidekorridore (je 0,2 Hektar). Strom: Der Stromertrag pro Jahr wird mit 10 163 000 Kilowattstunden prognostiziert. Damit könnten laut IBC Solar 3566 Haushalte versorgt werden. Die Einsparung an Kohlendioxid wird mit 5933 Tonnen pro Jahr angegeben. Landschaftsbild: Eingrünungsmaßnahmen durch Büsche und Gehölze, die zur Region passen, sowie eine Beweidung durch Schafe sollen ebenfalls vorgenommen werden. Der Naturparkstatus soll nicht gefährdet werden, da es keine Eingriffe in Schutzgebiete geben wird. Kosten: Auf die Flächeneigentümer wie auch die Kommune sollen keine Kosten zukommen. Firma: IBC Solar wurde im Jahr 1982 gegründet. Der Hauptsitz des Unternehmens ist Bad Staffelstein. Weltweit hat IBC Solar 353 Mitarbeiter, davon 235 am Stammsitz. Der Umsatz des Unternehmens im Jahr 2018 betrug 294 Millionen Euro. Referenzen: IBC Solar hat in der Region schon mehrere PV-Anlagen installiert, so zum Beispiel in Küps, Birkig (beide 2017) oder Seßlach (2016).