Karin Wachter ist zufrieden - zumindest "zu 90 Prozent". Das sagt sie kurz vor 19 Uhr. Da ist Ministerpräsident Horst Seehofer schon im "Feststoudl". Doch um da hinein zu kommen, musste er zuvor eben erst einmal an gut 30 Loewe-Mitarbeitern und Gewerkschafts-Vertretern vorbei.

"Ich will, dass er verkündet, dass die Staatsregierung eine Landesbürgschaft übernimmt", sagt Karin Wachter bevor Seehofer überhaupt in Neufang ist. Die Loewe-Betriebsratsvorsitzende hat zusammen mit Jürgen Apfel von der IG Metall, DGB- Regionsvorsitzendem Matthias Eckardt und Betriebsseelsorger Eckhard Schneider zahlreiche Loewe-Mitarbeiter akquiriert, den Ministerpräsidenten in Neufang "in die Mangel zu nehmen".

"Seehofer kommt. Loewe-Mitarbeiter kommen auch", steht auf einem der Plakate, die sie mitgebracht haben.
Dazu gehört auch Jennifer Koch. Sie hat heuer ihre Ausbildung zur Industriekauffrau beendet, will nun studieren. "Aber danach will ich zu Loewe zurück", sagt sie. Schließlich sei das dort wie in einer Familie. Gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit hielten alle zusammen. Deshalb war für die Steinwiesenerin klar: "Wenn Loewe da hin geht, geh ich mit!" Das war auch für Sebastian Kotschenreuther selbstverständlich. Nicht nur weil er in Neufang wohnt, sondern weil auch er bei Loewe arbeitet. Hoffnung hat er - "auf jeden Fall". Genau wie Thomas Bisani, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, und Peter Birke, Sachbearbeiter in der Entwicklung. Gerade die neueste Meldung, dass man einen strategischen Partner aus China gefunden hat, mache Mut. "Er soll sein Gewicht bei den Banken in die Waagschale werfen", fordert Peter Birke von Horst Seehofer.

Das sieht auch Matthias Eckardt so: "Das Wichtigste ist, dass die Banken den Hahn nicht zudrehen und die Finanzierung sicher ist, damit man mit dem neuen Partner überhaupt in die Produktion reinkommen kann. Und darauf hat er Einfluss."

Unterstützung erfahren die Loewe-Mitarbeiter auch von Betriebsratsvorsitzenden anderer Firmen. Manuela Walther von der Firma Lear und Gerhard Gold von Johnson Matthey sind mit in Neufang. "Wir stammen ja von Loewe raus. Deshalb hängen uns die Kollegen am Herzen", begründet Manuela Walther. Und Gerhard Gold kennt solche Situationen, wie sie die Loewe-Mitarbeiter gerade durchleben: "Wir haben bei Siemens früher ja auch harte Zeiten durchgemacht. Loewe ist ein wichtiger Betrieb für die Region. Und die darf man nicht einfach verhungern lassen."

Das will Seehofer auch nicht, versichert Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach in vielen Gesprächen bis der Ministerpräsident eintrifft. "Er hat das Thema selbst an sich gezogen. Das hat er noch nie gemacht", wertet er diese Tatsache als gutes Zeichen. Man müsse nun eben schauen, "inwieweit der Instrumentenkasten der Staatsregierung greifen kann".

Kurz nach 18 Uhr kommt der Mann, wegen dem die Loewe-Mitarbeiter in Neufang sind, wegen dem sie Plakate gemalt haben. Horst Seehofer rollt in seiner schwarzen Limousine ein. Händeschütteln mit den Lokalpolitikern, ein Lächeln für die kleinen Mädchen, die in Dirndl auf den hohen Besuch warteten.

Dann trifft er auf die Loewe-Mitarbeiter. Er verschränkt die Arme und hört zu - Karin Wachter, Jürgen Apfel und auch Christian Alber, Projektmanager bei Loewe. Und dann sagt er, dass es hier "um eine erstklassige, zukunftsfähige Technologie" gehe. Christian Alber nickt. Er ist überzeugt von den Ideen und der Strategie bei Loewe.

"Wir helfen mit, wo wir können - verlassen Sie sich drauf", verspricht Seehofer. Und er schickt hinterher: "Das hat auch nichts mit Wahlkampf zu tun." Er habe die Loewe-Vorstände, Vertreter der Banken und den Sachwalter in die Staatskanzlei eingeladen. Gemeinsam müsse man nun eine Lösung für eine finanzielle Basis finden. "Wir werden alles tun", sagt Seehofer, räumt aber ein, "was innerhalb der rechtlichen Möglichkeiten gegeben ist". Im "Stoudl" erklärt er hinterher noch, dass er eine Art Heimatminister einführen will, der sich um den ländlichen Raum kümmern soll. Ziel sei eine gleiche Entwicklung in allen Regierungsbezirken. "Ich möchte nicht, dass der ländliche Raum ausblutet", begründet er. Vielmehr wolle er die Beschäftigung zu den Menschen bringen - "nach Oberfranken". Deshalb setze er sich auch für Loewe ein.

Christian Alber ist mit diesen Aussagen "sehr zufrieden. Dass er uns einen Koffer voll Geld mitbringt, haben wir ja auch nicht erwartet." Aber, dass der Ministerpräsident weitere Unterstützung zusagt. Und das hat er getan. Auch Jürgen Apfel findet, dass "die Art und Weise, wie er gesprochen hat, darauf schließen lässt, dass er es ernst meint". Jetzt müssten eben die Banken mitspielen - "klar".

Glaubwürdig habe er gewirkt, sagt auch Karin Wachter, schränkt aber ein: "Heute zumindest." Dennoch hat sie eines vermisst, um zu 100 Prozent zufrieden zu sein: Die Zusage einer Landesbürgschaft.