Wie kein anderer zeitgenössischer Künstler prägt der Akademische Bildhauer Heinrich Schreiber das Bild seiner Heimatstadt. Bei einem Spaziergang durch Kronach kann man ihm buchstäblich "auf Schritt und Tritt" begegnen. Seine Kunstwerke erzählen dabei verschiedene Geschichten: von der Stadt und ihrer Geschichte, von Heiligen und deren Bedeutung für die Zeit - oder von den Menschen, die Werke bei ihm in Auftrag gaben. Drei geführte Stadtspaziergänge laden Ende Oktober dazu ein, sich auf die Spur des Kronacher Ehrenbürgers zu begeben und dabei die Stadt und ihre Geschichte neu zu entdecken! Hinführend hierzu findet vom 24. Oktober bis 1. November eine Sonder-Ausstellung in der Kronacher Synagoge statt.

Kunst allgegenwärtig

"Die Kronacher haben die Kunst von Heinrich Schreiber tagtäglich vor Augen. Mit den Spaziergängen wollen wir auch die Geschichten dahinter erzählen", erklärt Johannes Schreiber. Der Sohn des im Jahre 2016 verstorbenen Akademischen Bildhauers wird selbst eine Führung halten; die beiden anderen übernehmen Matthias Simon und Eckhard "Joey" Schneider. Gemeinsam haben die drei auch das Jubiläumsprogramm anlässlich des 85. Geburtstags des Sandsteinkünstlers konzipiert; die Logistik steuert der Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt Kronach bei. Die Sonder-Ausstellung soll hinführenden Charakter zu den Spaziergängen haben. Gezeigt werden in der Synagoge beispielsweise Skizzen, Negative, Bilder, Modelle sowie beschreibende Texte zu Schreibers Arbeiten. Präsentiert werden aber auch Kunstwerke, die man schon lange nicht mehr gesehen hat - wie beispielsweise das "in einer Schublade verschwundene" "Jesuskind von Breitenloh". Mit der Ausstellung und den Spaziergängen wolle man - so Johannes Schreiber - einen neuen spannenden Einblick in das Schaffen seines Vaters geben; quasi eine Art Aufarbeitung seines künstlerischen Erbes.

Zum Nachdenken anregen

"Es geht durchaus darum, Fleisch an die Knochen zu bringen", bestätigt Eckhard "Joey" Schneider, der sich derzeit des "Breitenloher Jesuskindes" angenommen hat. Dieses war - ebenso wie der große Christus-Corpus, der nunmehr am Jugendbildungshaus "Am Knock" in Teuschnitz einen neuen Standort gefunden hat - nicht bei allen Kirchenbesuchern auf Zuspruch gestoßen. "Will man das Jesuskind nicht anschauen, weil es mit seinem properen Äußeren, seinen großen Augen und Elefantenfüßen nicht unserem Schönheitsideal entspricht?", fragt er. Was könne Kunst den Menschen "zumuten"? Was gebe uns Heinrich Schreiber an Inhalten mit? Die Ausstellung und die Spaziergänge wollten auch darüber zum Nachdenken anregen.

Dem pflichtete Matthias Simon bei. Man wolle ein verstärktes Bewusstsein für Kunst schaffen, die manchem vielleicht überflüssig erscheine. Beispiele gebe es im Landkreis hierfür genug. Was sei beispielsweise mit den künstlerischen Fenstern des Kreiskulturraums von Horst Böhm oder mit dem Bild in der alten Hesselbacher Schule von Hubert Weber? Zeitlebens fasziniert habe ihn an Heinrich Schreiber, wie er über die Brücke Kunst sehr zugänglich geworden sei und viele Geschichten erzählt habe. Bereits vor zehn Jahren hatten Schüler von Matthias Simon vom Frankenwald-Gymnasium im Rahmen eines P-Seminars ein Werkverzeichnis des Bildhauers - anlässlich dessen 75. Geburtstags - angefertigt. Die Frage sei, so Matthias Simon, wie man mit Kunst umgehe. "Was kann oder muss man vielleicht sogar zeigen?", wirft er in den Raum.

Sehr erfreut über die neue Führung zeigt sich Tourismus-Chefin Kerstin Löw. Die für Auswärtige wie Einheimische gleichermaßen interessanten Stadtspaziergänge sollen in das Führungsprogramm der Stadt aufgenommen und weiterhin zwei oder drei Mal im Jahr angeboten werden. Für Kronach stellten diese eine große Bereicherung dar; zumal man seitens der Stadt die Erschließung zeitgenössischer Kunst vorantreiben möchte. So soll ein eigenes Themenheft über Kunst im öffentlichen Raum konzipiert werden. "Aktuelle Kunst gehört ebenso zu Kronach wie Lucas Cranach", betont sie.

Die Stadtspaziergänge führen zu markanten Kunstwerken Schreibers, darunter künstlerisch gestaltete Fenster, Brunnen, Martern, sakrale Arbeiten, Denkmale usw. Erzählt werden an den insgesamt 13 Stationen die Geschichten "dahinter", wobei es insbesondere auch um die Person Heinrich Schreiber gehen wird. Eröffnet wird die Sonder-Ausstellung am 23. Oktober, dem Geburtstag des Bildhauers. Zur Eröffnung der Ausstellung sowie zu den Spaziergängen ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich. Diese ist ab sofort möglich.

Termine und Daten zu den Veranstaltungen

Sonder-Ausstellung: 24. Oktober - 1. November 2020, Synagoge Kronach, Geöffnet: Dienstag bis Sonntag: 14 Uhr bis 17 Uhr (ohne Anmeldung!), Eröffnung: 23. Oktober, 18 Uhr (Anmeldung erforderlich!).

Geführte Stadtspaziergänge: 25., 30., 31. Oktober 2020, jeweils um 14 Uhr (Anmeldung erforderlich!). Treffpunkt: Lucas-Cranach-Denkmal vor dem Kronacher Rathaus. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Anmeldung Eröffnung Sonder-Ausstellung/geführte Stadtspaziergänge: Tourist-Information Kronach, Marktplatz 5, 96317 Kronach, Tel.: 09261 / 97236, E-Mail: touristinfo@stadt-kronach.de. Es gelten die aktuellen Schutz- und Hygienebestimmungen bezüglich der Corona-Pandemie.