Die Arbeiten an der Ködeltalsperre verzögern sich. Aggregate werden benötigt - und die Zeit drängt. Außerdem muss das Wasserwirtschaftsamt wichtige Hausaufgaben erledigen.
Wasser und Elektrizität. Eine energiegeladene Beziehung, strotzend vor Kraft. Bei Unglücken toxisch, doch in der Regel wertvoll und profitabel. Wie untrennbar das als Grundlage des Lebens bezeichnete Element mit dem physikalischen Vorgang verbunden ist, zeigt sich in Mauthaus auf eindrucksvolle Weise.
Die Griechen machten sich bereits in der Antike die Kraft des Wassers in Form von Mühlen zunutze. Das erste Wasserkraftwerk zur Erzeugung von Strom ging 1880 im englischen Northumberland in Betrieb. Doch 125 Jahre später ist es genau andersherum: Das Wasser in Mauthaus benötigt zur Überbrückung eine elektrische Antriebshilfe. Aber wo in den vergangenen Monaten das Rattern von Notstromaggregaten zu hören war, die unermüdlich das Wasser aus der Talsperre pumpten, bleibt es still. "Das THW braucht seine Aggregate andernorts und musste sie deshalb abziehen", berichtet der Leiter des Kronacher Wasserwirtschaftsamts, Hans Hemmerlein.
Als eines der beiden Versorgungsrohre im Januar leckgeschlagen war, rückten verschiedene THW-Ortsverbände noch in der Nacht aus, um mit ihren Pumpen und Notstromaggregaten eine provisorische Wasserleitung zu legen. Dass das keine Dauerlösung sein kann, ist laut Hemmerlein von Anfang an klar gewesen. "Die Geräte sind für den Katastrophenfall gedacht." Darum steht das Wasserwirtschaftsamt nun vor der Herausforderung, sich zwei eigene Aggregate zu beschaffen.
Keine Technik von der Stange
Eine Herausforderung ist es deshalb, weil es Geräte dieser Größenordnung nicht an jeder Ecke zu kaufen gibt. "Die Stromaggregate haben jeweils eine Leistung von 200 Kilovoltampere - und jedes von ihnen hat die Größe eines VW-Busses." Dementsprechend beträgt auch die Lieferzeit zwischen sechs und acht Wochen.
Die Bestellung sei vorbereitet und soll in den kommenden Tagen aufgegeben werden. Und damit haben es die Verantwortlichen mehr als eilig: "Derzeit sollen die beiden Aggregate zusammen 110 000 Euro kosten", erklärt Hemmerlein. Doch im nächsten Monat würden die Geräte aufgrund einer verschärften Abgasnorm satte 50 000 Euro teurer werden.
Sind die fahrzeuggroßen Stromerzeuger dann eingetroffen, soll erst einmal nur eines in Betrieb gehen. "Theoretisch können wir sie gleichzeitig betreiben. Das zweite dient jedoch der Absicherung." Der Vorteil eigener Notstromaggregate ist, dass sie in Zukunft an anderen Hochwasser-Schöpfwerken des Kronacher Wasserwirtschaftsamts genutzt werden können.
Bei den moderneren Anlagen sind die Aggregate bereits vorgeschrieben, wie etwa in Michelau. Dort soll das Werk für rund zehn Millionen Euro modernisiert werden. "Aber wir haben auch Anlagen in Hallstadt, Kemmern und Lichtenfels, wo noch Nachrüstungsbedarf besteht", schildert Hemmerlein die Lage.