Bereits seit einem Jahr wird die bergmännische Rentei aus dem Jahre 1847 im Bereich der ehemaligen Katharinenzeche umfassend umgebaut und saniert. Im und am früheren Verwaltungsgebäude, das unter Denkmalschutz steht, sind mittlerweile beachtliche Fortschritte erzielt worden.

Die Betonarbeiten sowie die Einbringung von Stahlrahmenkonstruktionen sind bereits abgeschlossen. Außerdem erfolgte eine umfassende Sanierung im Dachbereich. Ebenfalls ist die Fernwärmeleitung zum Bauhof verlegt worden. Ziel ist es, die Rentei - Bauherr war der aus England stammende Joseph Freiherr von Swaine - zu einer Kultur- und Begegnungsstätte umzubauen.

Der Planer dieser Maßnahme, Diplom-Ingenieur Jörg Detsch, informierte im Beisein von Bauleiterin Kerstin Förtsch - beide vom Architekturbüro 3D Detsch aus Kronach - darüber, dass man mit insgesamt 2,7 Millionen Euro Gesamtkosten rechnen müsse. Darauf erhält die Gemeinde dank der Förderoffensive Nordostbayern des Freistaates Bayern laut Bürgermeister Rainer Detsch - er hat sich für eine Realisierung in Verbindung mit dem Gemeinderat stark engagiert - einen Zuschuss in Höhe von 90 Prozent, und zwar auf die förderfähigen Kosten. "Der hohe staatliche Fördersatz ist eine einmalige Chance, die man nutzen muss", so das Gemeindeoberhaupt voller Tatendrang.

Relikt der Bergbaugeschichte

Knappenverein, Bergmannskapelle, Förderverein Bergbaugeschichte Stockheim/Neuhaus mit den Vorständen Heiko Eisenbeiß, Thomas Neubauer und Gerwin Eidloth sowie Ortsheimatpfleger Gerd Fleischmann begrüßen die bauliche Initiative, denn neben der Lampenstube von 1920 ist die Rentei - auch Herrenhaus genannt - das einzige bauliche Relikt, das an die über 400-jährige bewegte Bergbaugeschichte im Haßlachtal erinnert. Letztendlich war der Abbau der 290 Millionen Jahre alten Steinkohle nicht nur für Stockheim, sondern auch für die ehemaligen Bezirksämter Kronach und Teuschnitz von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung. Immerhin rekrutierte sich die Belegschaft - um 1859 waren an die tausend Männer in Stockheim, Reitsch und Neuhaus beschäftigt - aus vierzig Gemeinden des Frankenwaldes. Der Steinkohle habe man - insbesondere in energiepolitisch problematischen Zeiten - viel zu verdanken. Deren Entdeckung habe in der Folgezeit eine bemerkenswerte wirtschaftliche Weiterentwicklung in Stockheim mit Eisenbahn und Champagnerflaschenfabrik Sigwart & Möhrle ausgelöst, so der Ortsheimatpfleger. Davon profitiere man heute noch.

Die Ausstellungen "Schwarzes Gold" 2004 und 2016 in der Neukenrother Zecherhalle mit rund 3 000 Besuchern hätten gezeigt, dass das Thema "Steinkohlenbergbau" in der Bevölkerung noch tief verankert ist. Erfreulicherweise sei das Thema auch in der Stockheimer Grundschule begeistert aufgenommen worden.

Schließlich ist auch das Stockheimer Rathaus nach der jüngsten Sanierung bergmännisch ausgerichtet worden. Ein Kohlenhunt vor dem Gebäude erinnert an die Verbindung zu den Knappen in Recklinghausen. Barbarafeier, Bergmannsfest sowie bergmännische Weihnacht sind im Jahresrhythmus feste Bestandteile örtlicher Aktivitäten. Geopfad, bergmännischer Rundwanderweg sowie das bergmännische Magazin mit umfangreicher Ausstellung sind weitere Pluspunkte in Sachen Bergbauhistorie. 2018 ist die örtliche Steinkohle mit der bayernweiten Auszeichnung "Gestein des Jahres" aufgewertet worden.

Barrierefreier Zugang

Architekt Jörg Detsch: "Im Zentrum einer möglichen Renteinutzung steht der Bergbau mit seinen Auswirkungen, aber auch mit seiner Geschichte und den lokalen Besonderheiten." Einen hohen Stellenwert nehme die Archivierung der lokalen Historie ein. Damit werde die Vergangenheit konserviert. Das gesamte Gebäude könne barrierefrei betreten werden. Schließlich sei auch ein Aufzug mit eingeplant. Außerdem wird eine Außentreppe am Gebäude angebracht, sie dient als Rettungsweg."

Bürgermeister Detsch: "Ergänzt werden sollen Ausstellungen durch Vorträge, Filme, Tagungen oder Aufführungen für ein breit gestreutes Publikum. Zusätzlich sind geplant ein Naturlehrpfad, ein Musikpavillon und ein Biergarten. Darüber hinaus soll die Wichtigkeit von Bodenschätzen unter den verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet werden. Das Gebäude ist Bestandteil unserer kulturellen Identität. Nur mit einem sinnvollen und von breiter Zustimmung getragenen Nutzungskonzept wird diese Sanierung erfolgreich sein!" Es entstehe ein Begegnungshaus für die gesamte Großgemeinde Stockheim, ist sich das Gemeindeoberhaupt sicher.