900 000 Euro würde man durch eine gemeinsame Lösung von Atemschutzzentrum und Gerätehaus Kronach einsparen. Das kam am Montag bei der Kronacher Stadtratssitzung heraus. In der Zusammenkunft des Kreistages am Vormittag wurde der Punkt noch abgesetzt, weil erneut eine Variante geprüft werden soll. Denn eine integrierte Lösung ist wohl nicht der Favorit aller.

Im Stadtrat kam deshalb der Vorwurf auf, dass Steuergelder verschwendet würden, baue man getrennt. Und Stadträtin Cilly Volk (Frauenliste) wollte wissen, was konkret gegen eine gemeinsame Lösung spricht. Das haben wir nun Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger gefragt. Der betonte zunächst, dass nicht die Kreisbrandinspektion gegen eine gemeinsame Lösung sei, wie dies behauptet werde. Vielmehr sei ein eigenes Atemschutzzentrum das Anliegen der Feuerwehren im Landkreis. "Ich habe von Anfang an gesagt, ran ja, rein nein‘", betont Ranzenberger.
Trotzdem sei dieser Wunsch in den Planungen bisher nicht berücksichtigt, die Atemschutzübungsanlage vielmehr in das geplante Feuerwehrhaus integriert worden.

"Nichts gegen Synergien"

"Ich habe nichts gegen Synergieeffekte", sagt Ranzenberger. Nachdem das Atemschutzzentrum aber für alle Wehren im Landkreis sein soll, sollte es einfach vom Kronacher Feuerwehrhaus getrennt sein. Es sollte sich in einem eigenen Gebäude befinden, das durchaus an das neue Kronacher Gerätehaus "angedockt" sein könne. "Wir möchten gleich von vorne herein Probleme möglichst vermeiden", begründet der Kreisbrandrat.

Natürlich würde die Stadt Kronach von einer gemeinsamen Lösung profitieren, könne sie sich dann doch eine eigene Atemschutzwerkstatt sparen und die des Landkreises mitnutzen. Das müsse aber auch den anderen Wehren im Kreis zugestanden werden. Zudem hätten die Kronacher diese Möglichkeit ja auch bei einer getrennten Lösung, sagt der Kreisbrandrat. Damit bräuchte die Stadt Kronach keine eigene Atemschutzwerkstatt bauen und könnte somit einige Hunderttausend Euro sparen. Denn "von mir aus" könne das Atemschutzzentrum durchaus in Kronach stehen, sagt Ranzenberger. Weitere Grundstücke - auch im Stadtgebiet - seien ja angeboten worden.

Zudem habe die bisher vorgelegte gemeinsame Lösung den Nachteil, dass man mit dem Bau des Atemschutzzentrums warten müsse, bis das Kronacher Feuerwehrgerätehaus gebaut wird, also 2015 bis 2017. Bei einer separaten Lösung könne man schneller beginnen.

"Keine Notlösung"

Ein weiterer wichtiger Grund für eine separate Lösung, egal auf welchem Gelände, ist aus Sicht des Kreisbrandrates die Zukunftsfähigkeit des Atemschutzzentrums: "Wir brauchen keine Notlösung, sondern eine zukunftsfähige Dauerlösung für die nächsten 30, 40 oder 50 Jahre", sagt er. Schließlich habe man nach den momentanen Planungen durch den beengten Platz in der Rodacher Straße, wo das Kronacher Feuerwehrgerätehaus entstehen soll, keinen Platz, um zu erweitern, falls das irgendwann einmal nötig sein sollte.

Ranzenbergers Fazit: "Ich habe, wie ich das bereits seit Jahren vertrete - und meine Meinung hat sich da nicht gedreht - nichts gegen ein gemeinsames Projekt in der Rodacher Straße, wenn es dort möglich ist, für das Atemschutzzentrum ein eigenes Gebäude zu errichten. So können alle möglichen Synergien gern genutzt werden. Wenn das nicht geht, muss die Anlage des Landkreises woanders gebaut werden. Ob an einem anderen Standort im Bereich der Stadt Kronach oder außerhalb, ist für mich sekundär. Wichtig ist für die Feuerwehren, dass das Atemschutzzentrum zukunftsfähig und schnell realisiert wird. Dass die Atemschutzwerkstatt dort auch durch alle Feuerwehren des Landkreises, natürlich auch durch die Feuerwehr Kronach, genutzt werden kann, um zu sparen, steht für mich außer Frage."

Zukunft und Finanzen im Blick

Auch für Landrat Oswald Marr (SPD) hat ein zukunftsfähiger Bau erste Priorität, wie er auf Anfrage erklärt. Gleich danach kommen aber die Finanzen, betont er. "Das Atemschutzzentrum soll die nächsten 30 Jahre genutzt werden." Deshalb sei es wert, hier alle Möglichkeiten auszuloten. Man brauche schließlich eine Lösung für den gesamten Landkreis, weshalb man auch eine "erkennbare Landkreislösung" wolle. Und diese "muss funktionieren und auch vom Betrieb her günstig sein", so Marr. So habe die Feuerwehr Kronach "durchblicken lassen", die Hausmeistertätigkeiten, die sie bisher für Atemschutzübungsanlage und
-werkstatt mit übernimmt, bei einer Lösung, die nicht auf dem Gelände des neuen Kronacher Feuerwehrhauses ist, wohl nicht mehr durchzuführen.

Entscheidung im Herbst?

Wann eine Entscheidung gefällt wird? "Wir stehen in Verbindung mit dem Planungsbüro", sagt Landrat Marr. Es gebe mehrere Vorstellungen, wie ein Atemschutzzentrum an dem Gebäude der Feuerwehr Kronach verwirklicht werden könne. Der Landrat hat als Ziel, bei der nächsten Kreistagssitzung im September oder Oktober einen Beschluss vorzulegen.