Die Eingangspforte des Reichenbacher Friedhofs sagt es bereits: Der Ort ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, am Tod kommt keiner vorbei. Nur stellt der Spruch der Welt kein gutes Zeugnis aus, wenn man sich die Ereignisse des Wochenendes vor Augen führt.

Uwe Schnappauf pflegt das Grab seiner Familie, nimmt sich aber die Zeit, um den FT-Reporter kurz über den Friedhof zu führen. Sein Grab blieb verschont, sagt er. Was in der anderen Ecke des Friedhofs unterhalb der Aussegnungshalle passiert, lässt ihn aber auch an der Gesellschaft zweifeln. Als letzter Zeuge der Ereignisse von Freitagnacht liegt noch ein massiver Grabstein neben dem Ein-Personen-Grab. In dieser Ecke stehen die etwas kleineren Gräber, im Vergleich zu den wuchtigen Familiengrabsteinen. Eigentlich sollten sie stehen. Doch einer muss wohl von Fachleuten wieder gerichtet werden.

Uwe Schnappauf hat keine Lösung auf die entscheidende Frage: Wer in aller Welt randaliert auf einem Friedhof? Halbstarke? Betrunkene? Der Friedhof liegt etwas abseits der Gemeinde, auf halbem Weg zwischen Sportheim und Kirche. Er packt sein Handy aus und zeigt ein paar Aufnahmen, die derzeit in Reichenbach die Runde machen: Abgerissene Blumen, Dreck, wo er nicht hingehört, kaputte Weihwasserschalen und Grablichter bis hin zu dem umgestoßenen Grabstein.

Am Wochenende hat die sonst nüchtern formulierten Pressemitteilungen der Polizei einen drastischeren Ton. Von "pietätlosen Vandalen" spricht die Polizeiinspektion in Ludwigsstadt. Und tatsächlich: Reichenbach kommt gerade nicht zur Ruhe.

Stein wird sicherheitshalber umgelegt

Bürgermeisterin Karin Ritter (SPD) erzählt die Geschichte vom umgeworfenen Grabstein zu Ende. Tatsächlich war er noch halb gestanden. Doch das sei gefährlich gewesen, sagt die Bürgermeisterin. Denn nur ein falscher Druck mit dem Finger hätte den Stein umgeworfen. Deshalb sind die Helfer dem zuvor gekommen, um die Gefahr zu beseitigen. Sie haben den Stein umgelegt und ein Schild daran befestigt, dass er liegen bleiben soll. Bis das Bestattungsinstitut den Schaden beseitigt, bleibt er an der Stelle.

"Ich weiß nicht, wie man sowas schaffen kann", sagt Bürgermeisterin Ritter. Einerseits meint sie das Gewicht, andererseits ist es ihre Fassungslosigkeit überhaupt einmal mit einem Fall von Randalierern auf dem Friedhof konfrontiert zu werden. Nach ersten Erkenntnissen bleiben die Grabbesitzer auch auf den Kosten sitzen. So lange der oder die Täter nicht gefunden werden, kommt wahrscheinlich keine Versicherung für den entstandenen Schaden auf. Die von der Polizei geschätzten 2200 Euro Schaden reichen nach Ansicht der Bürgermeisterin nicht aus. Obwohl die Polizei nach Zeugen sucht, macht sich Karin Ritter nicht allzu große Hoffnungen, dass sie fündig werden: "Ich wüsste nicht, wie man so jemand erwischen kann."

Auch Pfarrer Thomas Hauth kann sich den Vorfall nicht erklären. "Ich weiß nur, was ich von den Leuten gehört habe", sagt er. Er hat sich selbst noch kein Bild vom entstandenen Schaden auf dem Friedhof gemach, der zu zwei Dritteln der Gemeinde Reichenbach und zu einem Drittel Haßlach in der Gemeinde Teuschnitz gehört.

Etwa 20 beschädigte Gräber

Von den Spuren des Vorfalls ist mittlerweile nicht mehr viel zu sehen. Die etwa 20 beschädigten Gräber sind wieder bepflanzt und gereinigt. Doch die Frage nach den Tätern bleibt wohl noch länger unbeantwortet.