Die Sparkassen haben's gemacht, und die beiden großen Genossenschaftsbanken der Nachbarlandkreise Kulmbach und Kronach tun's jetzt auch: Die Kulmbacher Bank und die Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt wollen fusionieren. "Wir sind die übernehmende Bank", erklärt Vorstand Stephan Ringwald von der Kulmbacher Bank, die größer ist als das Geldinstitut aus dem Frankenwald.


Mitglieder müssen zustimmen

Derzeit laufen die Verhandlungen, aber das letzte Wort haben Mitte 2017 die Mitglieder: Die beiden Vertreterversammlungen müssen dem Zusammenschluss mit 75 Prozent zustimmen. Wie die neue Bank heißen wird, steht noch nicht fest.
In einer von den Vorständen Dieter Bordihn und Stephan Ringwald (beide Kulmbach) sowie Georg Feder und Jürgen Möhrle (Kronach-Ludwigsstadt) unterzeichneten Erklärung heißt es: "Die einvernehmlich geführten Beratungen von Vorstand und Aufsichtsrat beider Genossenschaftsbanken haben ergeben, dass sich die Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt der Kulmbacher Bank anschließen möchte. Übernehmendes Institut ist somit die Kulmbacher Bank."


Probleme wegen EZB-Politik

Was sind die Gründe für die angestrebte Fusion? Hier wird vor allem die Politik der Europäischen Zentralbank genannt. Deren Politik der Niedrigzinsen und deren Regulierungswut mit enormer Bürokratie machen gerade mittelständisch geprägte Banken zu schaffen. Hinzu kommen das veränderte Kundenverhalten - Stichwort Onlinebanking - und nicht zuletzt die demographische Entwicklung im Raum Kulmbach-Kronach. Gemeinsames Ziel beider Häuser ist es, als leistungs- und zukunftsfähige Bank die schwierigen Rahmenbedingungen zu meistern.
Durch den Zusammenschluss, der im nächsten Jahr erfolgen soll, entsteht eine Bank mit einer Bilanzsumme von rund 1,1 Milliarden Euro. Die beiden Kreditgenossenschaften beschäf tigen aktuell an 31 Standorten 261 Mitarbeiter, davon 13 Auszubildende. Sie haben zusammen 29 000 Mitglieder und betreuen 66 000 Kunden.
Laut Ringwald habe zuletzt in Oberfranken "jeder mit jedem Gespräche geführt". Mit Kronach seien die Überlegungen dann "irgendwann" konkreter geworden. Bei der Fusion gehe es um strategische Weichenstellungen: "Wir kommen die nächsten Jahre noch zurecht. Aber man weiß nicht, wie es weitergeht, wie die Politik der EZB aussehen wird. Denn hier wird das Geschäftsmodell der Banken angegriffen, bei denen das Zinsgeschäft die Haupterträge ausmacht."
Mit den anderen im Landkreis Kulmbach vertretenen Genossenschaftsbanken - die Raiffeisenbanken Oberland, Thurnauer Land und Obermain Nord - werden Ringwald zufolge "gegenwärtig keine konkreten Gespräche" geführt.


Personal und Filialen?

Müssen die Mitarbeiter Angst um ihre Arbeitsplätze haben? Von einem Personalabbau, so Ringwald, könne keine Rede sein. "Im Gegenteil, wir wollen die Beratungsqualität weiter verbessern", betont er. Da es keine Überschneidungen gibt, seien auch keine Filialschließungen geplant. Wobei über das Geschäftsstellennetz sowieso ständig nachgedacht werde. Ferner sei noch nicht entschieden, ob vier Vorstände an der Spitze der neuen Bank stehen werden.


Lange Verbindungen

Vorstandsmitglied Jürgen Möhrle von der Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt verwies darauf, dass die Verbindungen der Genossenschaftsbanken aus den Landkreisen Kulmbach und Kronach durch den Kreisverband schon seit vielen Jahren bestehen. Der langjährige Kreisvorsitzende Helmut Wölfel habe bereits vor etlichen Jahren über einen Zusammenschluss der Raiffeisen- und Volksbanken in den Landkreisen Kronach und Kulmbach nachgedacht und sich diesen gewünscht.
Möhrle verwies darauf, dass man erst ganz am Anfang der Fusionsgespräche stehe. Was dabei herauskomme, wisse man noch nicht. Über Einzelheiten könne man deshalb noch nicht reden, weil es viele Unwägbarkeiten gebe. Eine Fusion komme erst nach der Vertreterversammlung im kommenden Jahr rückwirkend zum 1. Januar 2017 infrage. Die Basis werde der Jahresabschluss 2016 bilden.
In ganz Oberfranken und weit darüber hinaus gebe es im Genossenschaftsbereich Gespräche über Fusionen. "Aber wenn man so etwas macht, dann macht man das im eigenen Kreisverband." Die Raiffeisenbank Küps-Mitwitz-Stockheim nehme an den Fusionsverhandlungen nicht teil.


Andere Kredithöchstgrenzen

Möhrle ging auf die Zwänge der Banken bei der seit langer Zeit andauernden Niedrigzinsphase ein. "Schön wäre es, wenn das ganze Geld unserer Kundeneinlagen als Kredite rausginge", sagte er. Das, was man nicht verleihen könne, müsse man bei der Bundesbank anlegen und dafür auch noch 0,4 Prozent Zinsen zahlen. In einem größeren Haus könne man mit der bürokratischen Regulatorik der Europäischen Zentralbank besser umgehen. Spezialpositionen wie die des Datenschutzbeauftragten, des Anti-Geldwäsche-Beauftragten oder des Compliance-Beauftragten, der das Wertpapiergeschäft beobachte und verbotene Insider-Geschäfte verhindere, könnten in einer kleineren Bank nicht Vollzeit besetzt werden. In einem größeren Bankhaus gebe es ganz andere Kredithöchstgrenzen.


Hoher Altersdurchschnitt

Beim Personal der Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt habe man einen hohen Altersdurchschnitt. Etliche Beschäftigte gingen in den nächsten Jahren in den Ruhestand.
Zum künftigen Namen der Bank gebe es verschiedene Ideen, die aber noch nicht spruchreif seien, ließ Möhrle wissen. Er wollte nicht ausschließen, dass im Namen der künftigen Fusionsbank gar kein Ortsname vorkomme.