In der Studie "Made in Tettau" geht es unter anderem um Ausbau von Unternehmen und Ansiedlung von Arbeitern. Im Sommer waren Studenten des Lehrstuhls in Tettau, führten Gespräche mit Bürgern, Gemeindevertretern, machten sich ein Bild vor Ort. Und so entstand ein 84-seitiger Katalog, in dem die Studierenden ihre erarbeiteten Strategien und Entwürfe für die Zukunft "Made in Tettau" vorstellen.

Tettau stellt mehr Arbeitsplätze zur Verfügung als Arbeitnehmer im Markt wohnen, sagte Professor Mark Michaeli von der TU München. Er beschrieb die aktuelle Situation. Demnach verlor Tettau seit der Gebietsreform mehr als 1000 Einwohner. Der Markt kann Leerstände vorweisen, hat aber gleichzeitig einen Mangel an zeitgemäßem Wohnraum "auf Zeit". Vorhanden ist viel Holz ohne sinnvollen Gebrauch. Wegen des Erhalts von öffentlichen Einrichtungen, wie Festhalle, Schule etc. werde es auf Grund des Bevölkerungsschwundes immer schwieriger, diese zu halten. Vorhanden ist auch die Königlich Privilegierte Porzellanfabrik mit einer über 200 Jahre entwickelten kunsthandwerklichen Produktion, die aber in ihrer Ausrichtung mit dem Rückgang des Kaufhausvertriebs um ihr Überleben kämpft. Zudem haben die Unternehmen Fachkräftemangel.


Wohnraum schaffen

In der Studie geht es nun um Themen, wie beispielsweise um die Entwicklung von Wohnformen. Wie kann ich in die Jahre gekommene Einfamilienhäuser ohne Renditeaussichten reizvoll für Neuankömmlinge oder jüngere Ortsansässige nutzen? Wie können die Pendler besser in die Wertschöpfungskette eingebunden werden?

Die Studierenden befassten sich auch mit dem Areal zwischen Marktplatz und der Neuen Porzellanfabrik. Dieses Gebäude könnte beispielsweise für betreutes Wohnen barrierefrei umgebaut werden. Es ging um die Neugestaltung des Weihers, um die Schaffung von ausreichenden Parkmöglichkeiten etc. Es wurde noch weitere Anknüpfungspunkte aufgezeigt, die im Entwurflabor erarbeitet wurden. Mark Michaeli machte aber deutlich, dass die Bürger und die Gemeinde gefordert sind, die Entwicklung ihrer Heimatgemeinde in die Hand zu nehmen.

Regierungspräsident Wilhelm Wenning räumte ein, dass in Tettau soziale Infrastrukturen der Daseinsvorsorge fehlen. Die Regierung sei gerne bereit, die Umsetzung von Einzelprojekten mit zu unterstützen. Er sprach von der Chance, dass in Tettau ein Vorzeigeprojekt gelingen könnte. "Es könnte ein kräftiges Zugpferd für Wirtschaft und Wohnen werden."

Studie liegt im Rathaus aus

Bürgermeister Peter Ebertsch (Bündnis für Tettau) will nun dieses Projekt weiterführen. Die Schautafeln können ab dem kommenden Montag bis 20. Dezember im Sitzungssaal des Rathauses besichtigt werden. Geplant ist auch eine Zusammenkunft, an der Tettauer Bürger ihre Ideen mit einbringen können.

Peter Ebertsch hat die Hoffnung, dass es gelingen könnte, den einen oder anderen Eigentümer von leerstehenden Gebäuden überzeugen zu können, in sein Eigentum zu investieren statt es dem Verfall preiszugeben. Für ihn ist klar, die Tettauer Bürger können vieles, aber nicht alles, in Eigenregie bewältigen.

Der Prokurist der Königlichen, Uwe Motze, wies darauf hin, dass zur Weiterentwicklung der Königlichen Porzellanfabrik erst noch ein Konzept entwickelt werden müsste.

Die TU München beabsichtigt, auch weiterhin den Prozess in Tettau mit zu begleiten, wobei zunächst der Fokus auf das Thema Wohnen und Qualifikation des Wohnbestandes gelegt werden soll. Mark Michaeli hält es durchaus für möglich, dass in Tettau ein Demonstrationsprojekt umgesetzt werden könnte.