Beide Gemeinden hegten schon länger den Wunsch nach einer engeren Kooperation. Dies teilte Bürgermeister Hans Pietz (FW) bei der Gemeinderatssitzung am Montag mit, bevor der Beschluss, sich mit Stockheim zusammenzutun, einstimmig fiel.

Die Verwaltung hatte eine Vereinbarung zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft "Haßlachtal" zwischen dem Markt Pressig und der Gemeinde Stockheim vorgelegt. Diese Interkommunale Kooperation soll nach den Vorgaben des Amts für ländliche Entwicklung (AlE) im Rahmen eines Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts (Ilek) geschehen. Es wird dabei kein eigenständiges Förderprogramm aufgelegt, sondern es werden Maßnahmen, beispielsweise der Dorferneuerung mit einer zusätzlichen Förderung von fünf Prozent versehen.
Die Agrarstruktur soll verbessert und die Wirtschaftskraft der ländlichen Gemeinden gestärkt werden.

In dem von Pressiger und Stockheimer Vertretern gemeinsam besuchten Seminar in Klosterlangheim wurden folgende Prioritäten für ein Konzept erarbeitet: Hervorgehoben werden sollen Freizeit, Tourismus und Naherholung, wobei sich die beiden Kommunen gemeinsam vermarkten wollen, die technische Infrastruktur, die Verkehrswege und der Öffentlichen Personennahverkehr. Die Kosten für ein solches Konzept werden auf circa 30 000 bis 50 000 Euro geschätzt. Dies wird seitens des AlE mit 75 Prozent gefördert, was pro Gemeinde eine Kostenbelastung von 3750 Euro bis 6250 Euro bedeuten würde. Für die Umsetzung wird eine Ausschreibung erfolgen. Das Amt für ländliche Entwicklung Oberfranken steht den Gemeinden in beratender Funktion zur Seite. Das Konzept soll binnen eines Jahres ausgearbeitet werden.

Vergabe verläuft schwierig

Viel diskutiert wurde dagegen bei der Vergabe von Baumeisterarbeiten für das Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrhaus in Friedersdorf. Reinhold Heinlein (CSU) zeigte sich erbost darüber, dass seinem Vorschlag nicht gefolgt wurde, die Arbeiten gänzlich auszuschreiben und zu vergeben.

Die jetzige Auftragsvergabe beinhalte lediglich Arbeiten des Baukörpers ohne Einbezug der Dacharbeiten. Diese gehörten zur Baumaßnahme, meinte Heinlein. Er fürchtet durch diese Zersplitterung einen enormen Preisanstieg, wie schon verschiedentlich gehabt. "Wenn das wieder so wird, müssen Konsequenzen gefordert werden", kündigte er an. Klaus Dressel (CSU) schloss sich dem an und zeigte kein Verständnis für diese Vorgehensweise seitens des Architekturbüros. Werner Löffler (CSU) sprach gar von einer Verschleierungstaktik, eine Verteuerung sah er durch diese Vorgehensweise als unvermeidlich, weshalb er nicht verstehen konnte, warum nicht das komplette Gebäude ausgeschrieben wurde.

Mit 12:5 Stimmen erfolgte schließlich Zustimmung zur Vergabe der Baumeisterarbeiten an die Firma Franz Hofmann, Sonnefeld, zum Preis von rund 147 909 Euro. Damit habe man rund 30 762 Euro gegenüber einer schon einmal erfolgten Ausschreibung gespart, hob der Bürgermeister hervor.

Mit 16:1 Stimmen (Gegenstimme Reinhold Heinlein, CSU) wurde einer Gebührenanpassung für die Nutzung des Wohnmobilstellplatzes am Naturerlebnisbad zugestimmt. Diese kostet nun fünf Euro. Die letzte Anpassung erfolgte im Jahr 2006 auf damals vier Euro. Im Jahr 2014 waren 533 Buchungen zu verzeichnen, also bringt die Erhöhung um einen Euro rund 500 Euro in die Gemeindekasse. In die Gebühr sind die Nutzung der Duschen und Toiletten des Naturerlebnisbades sowie die Stromkosten eingeschlossen.

Reinhold Heinlein war diese Erhöhung zu moderat. Er sah eine Anhebung auf 7,50 Euro für angemessen und gerechtfertigt. Bürgermeister Pietz sagte, dass die Betriebskosten bei fünf Euro Gebühr gedeckt seien. Man sollte in Betracht ziehen, dass die Wohnmobilcamper aus ganz Deutschland kämen und Geld im Ort ließen und ja auch Werbeträger für den Fremdenverkehrsort Rothenkirchen seien.

Unter "Sonstiges" informierte Kämmerer Heinrich Grebner auf Nachfrage von Dieter Kohlmann (CSU), dass die Kindertagesstätte Herz-Jesu Pressig zu Beginn des neuen Kindergartenjahres ab 1. September wieder in den Kindergarten zurückziehen könne. Bisher wurden die Kinder wegen der Generalsanierung des Kindergartens in einer Ausweicheinrichtung in einem ehemaligen Gasthaus betreut.

Der Bahnhof macht Sorgen

"Am Bahnhof in Pressig muss was geschehen", forderte Reinhold Heinlein. Da die Schülerbeförderung auch Aufgabe des Landkreises sei, werde er sich persönlich als Kreisrat auch im Kreistag dafür stark machen, dass endlich Unterstellmöglichkeiten für Schüler und Fahrgäste geschaffen werden. Werner Löffler erinnerte daran, dass er schon seit 2011 moniere, dass ein Buswartehäuschen am Pressiger Bahnhof vonnöten sei.

Bürgermeister Hans Pietz lenkte ein und sagte, er werde sich gerne mit dem Landratsamt in Verbindung setzen, und fügte hinzu: "Das ganze Umfeld im Bahnhofsbereich ist nicht schön, aber solange noch keine Entscheidung über den künftigen Verkehrsverlauf der Staatsstraße 2201 gefallen ist, ist es nicht zweckmäßig, Lösungen herbeizuführen." Heinlein setzte nach: "Die Ruhebänke, die die Gemeinde aufstellt, sind Schrott." Sie seien beileibe keine Einladung für den Fremdenverkehr.