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Kleintettau
Trotz Corona-Krise

Heinz-Glas trotzt Corona-Krise: Unternehmen aus Oberfranken investiert 15 Millionen Euro

Trotz Corona-Krise investiert das Unternehmen in Kleintettau in die Zukunft: Die Firma steckt rund 15 Millionen Euro in eine neue Spezialglaswanne. Auch neue Arbeitsplätze könnten entstehen.
 
Die Heinz-Gruppe ist mit rund 1500 Mitarbeitern ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Die Geschäftsführung mit ihrem Präsidenten Carl-August Heinz ist zuversichtlich, dass es wieder aufwärts gehen wird. Fotos: Heinz-Glas
Die Heinz-Gruppe ist mit rund 1500 Mitarbeitern ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Die Geschäftsführung mit ihrem Präsidenten Carl-August Heinz ist zuversichtlich, dass es wieder aufwärts gehen wird. Fotos: Heinz-Glas
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Mittelfristig soll es bei der Heinz-Gruppe wieder aufwärts gehen. Trotz der Corona-Krise wird der schon vor Wochen begonnene Bau einer neuen Spezialglaswanne mit zwei Linien am Standort Kleintettau fortgeführt. Rund 15 Millionen Euro werden hierfür investiert.

Wie seitens der Unternehmensführung zu erfahren war, soll die Spezialglaswanne im Herbst dieses Jahres anlaufen. Drei Arten von Glas können auf dieser Wanne produziert werden. Es könnten auch neue Arbeitsplätze entstehen.

Auftragsrückgang und weitere Ausfälle: Schwierige Monate liegen zurück

Es war Mitte März, als die Heinz-Gruppe von starken Umsatzeinbußen getroffen wurde. Aufgrund der Corona-Krise hatte Heinz-Glas auf dem globalen Markt einen Auftragsrückgang beziehungsweise eine Verschiebung von Aufträgen im Parfüm- und Kosmetikbereich bis zu 80 Prozent zu verzeichnen. Durch die wochenlangen Schließungen des Fachhandels und der großen Kaufhäuser wurde ein drastischer Rückgang des Luxus-Güter-Marktes verzeichnet. Hinzu kam ein fast 100-prozentiger Ausfall des Travel-Retails (steuer- und zollfreier Verkauf an Parfüm- und Kosmetikprodukten).

International lag die Rückgangsquote bei 40 Prozent. Durch die Schließung vieler Geschäfte und aufgrund der Ausgangsbeschränkungen wurde von den Endkunden von Heinz-Glas, insbesondere im Hochpreissegment, viel weniger Parfüm und Kosmetik gekauft. Dadurch agierten die Parfüm- und Kosmetikhersteller sehr vorsichtig am Markt und fuhren ihre Bestellungen zurück. Entsprechend haben die Großkunden der Heinz-Gruppe, die Parfüm- und Kosmetikhersteller, reagiert und ihre Bestellungen seit Mitte März enorm zurückgefahren. Ein Glück war für Heinz-Glas, dass zumindest in den Onlineshops und Drogerien das Geschäft weiterlief.

Aufgrund der Situation musste Heinz-Glas Anfang April an seinen deutschen Standorten Kurzarbeit sowohl in der Verwaltung als auch in der Produktion anmelden. Viele der Mitarbeiter, an den Standorten in Kleintettau, Spechtsbrunn und Piesau sind immerhin rund 1500 Leute beschäftigt, sind davon betroffen. Glasflakons werden nur mit stark reduzierter Kapazität produziert und veredelt. Vom Band läuft nur, was sofort von den Kunden abgenommen wird.

Carl-August Heinz: "Die Welt nach Corona wird eine andere sein"

Die Folgen der Corona-Krise bei Heinz-Glas sind also lange noch nicht bewältigt. Vor wenigen Wochen brachte es der Präsident der Heinz-Gruppe, Carl-August Heinz, auf den Punkt: "Je mehr wir uns zu schützen versuchen, desto mehr fahren wir die Wirtschaft runter!" Erleichtert ist er über die von der Bundes- und Landesregierung sowie in den wichtigen Absatzmärkten eingeleiteten Lockerungen. Er hofft nun auf eine sukzessive Belebung der Wirtschaft und dass die Bevölkerung verantwortungsvoll mit den wiedergewonnenen Freiheiten umgeht.

Wie auch zu erfahren war, wurden wegen der Corona-Krise geplante Investitionen für dieses Jahr in Höhe von rund fünf Millionen Euro verschoben. Für Carl-August Heinz steht fest: "Die Welt nach Corona wird eine andere sein!"

Daher sucht und prüft das Unternehmen derzeit auch neue Möglichkeiten für ihr Produktportfolio. Man befasst sich mit Fragen wie die Verpackungen der Zukunft aussehen werden. Welche davon können mit der technischen Ausstattung von Heinz-Glas oder auch durch Investitionen in neue Techniken innerhalb der Heinz-Gruppe produziert werden?

Carl-August Heinz, der seit 44 Jahren das Familienunternehmen führt und es sukzessive am internationalen Markt etabliert hat, erlebte viele Veränderungen in seiner beruflichen Laufbahn. Aber dass ein Virus eine derartige Krise auslösen und den gesamten Erdball auf den Kopf stellen könnte, daran habe er - wie wohl viele andere - nicht gedacht. Auch der damit verbundene schnelle Einbruch der Wirtschaft war kaum vorstellbar. Und vor allem der blitzschnelle Nachfragewandel kam überraschend. Denn während vor der Corona-Krise Aktivitäten zu den Themen Umweltschutz, Recycling und Kreislaufwirtschaft im Vordergrund standen und erheblich negative Auswirkungen auf die Beschäftigungslage der Kunststoffindustrie hatte, so ist es jetzt die Sicherstellung der Versorgungssicherheit, die für diese Branche mit gut gefüllten Auftragsbüchern verbunden ist.

Parfumduft bald im Aufwind?

Auch die zur Heinz-Gruppe gehörende Heinz Plastics Böhm am Standort in Langenau profitiert davon. Die Mitarbeiter dort seien nicht nur von der Kurzarbeit ausgeschlossen, sondern machen teilweise auch Sonderschichten, um die Nachfrage nach Plastikbehältern und -verschlüssen bedienen zu können.

Kunststoffverpackungen seien derzeit gefragte Artikel gerade für die Bereiche Hygiene, Diagnostik und Kosmetik. Und wer weiß, vielleicht kommen wieder Zeiten, in denen die Nachfrage nach Parfüm- und Kosmetikflakons wieder stark zunimmt.