Wie andere Nervenschmerzen spricht auch der Phantomschmerz auf Medikamente an, die die Funktion des Zentralnervensystems beeinflussen. Jedoch sind die Erfolge der medikamentösen Behandlung begrenzt. Positive Berichte gibt es zu Antidepressiva, Opioiden und Medikamenten, die die Erregbarkeit des Gehirns verändern. Gibt es Veränderungen am Stumpf, können Injektionen oder lokale Reizverfahren erfolgreich sein. Auch Beeinflussung von Temperatur und Durchblutung im Stumpfbereich kann hilfreich sein.
Was gibt es darüber hinaus für Möglichkeiten?
Ein Verfahren ist die myoelektrischen Prothese. Durch Tragen der Prothese wird die Hirnregion, die aufgrund der Amputation verändert wurde, wieder aktiviert. Die Funktion der verlorenen Gliedmaße wird zum Teil wiederhergestellt, das Gehirn erhält Reize, die negativen Prozesse werden rückgängig gemacht.
Ein anderer Weg ist das sensorische Wahrnehmungstraining. Dabei wird die Reizung des Stumpfes mit bewusster Wahrnehmung der Reize kombiniert, was sowohl den Schmerz als auch die Umbauprozesse günstig beeinflusst.
Ein weiterer Ansatz ist das Spiegeltraining. Wenn der Patient die noch vorhandene Gliedmaße vor dem Spiegel bewegt, wird dies durch die Reflexion als Bewegung der amputierten Gliedmaße wahrgenommen. Der Phantomschmerz verringert sich.Vorstellungsübungen zu Bewegungen der Phantomgliedmaße durch Visualisierung führen zu ähnlichen Erfolgen.
Wie bewerten Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung heraus die verschiedenen Therapien?
Ich empfinde die sogenannte Spiegeltherapie als sehr effektiv. Sie ist leicht erlernbar und vom Patienten auch gut in seiner häuslichen Umgebung anwendbar. Der größte Teil der Patienten ist und wird jedoch weiterhin auf eine medikamentöse Begleittherapie angewiesen sein. Letztendlich sollten sich Patienten mit einem Phantomschmerz durch einen ausgebildeten ärztlichen Schmerztherapeuten behandelt werden.
Die Fragen stellte Anna-Lena Deuerling.