Initiativ, dominant. Das sind die beiden Wörter, mit denen sich Peter Ebertsch selbst beschreibt. Zumindest, wenn er von seiner Zusatzausbildung zum Experten für Persönlichkeit erzählt und verrät, was das bedeutet: "Ich kann Leute einschätzen." Ebertsch trägt anthrazitfarbenen Anzug und fliederfarbene Krawatte. Er führt durch das Tropenhaus in Kleintettau. Mit dabei ist seine Frau Sandra. Während ihr Mann zwei- bis dreimal in der Woche hier ist, ist es für sie die Premiere.

Ebertsch zeigt Pflanzenblätter, die einige Löcher haben. "Wegen der Forschung", erklärt er, dass im Tropenhaus ein Forschungsprojekt der Uni Bayreuth läuft. Chilis gibt es auch, Ebertsch geht in die Knie und deutet auf die kleinen, roten Chilischoten, die an den Pflanzen hängen. Er ist beeindruckt, lobt den Unternehmer Carl-August Heinz für die Umsetzung dieses Projekts Tropenhaus - eine Stammtischidee.
"Hier bei uns werden die Stammtischideen in die Realität umgesetzt", sagt er.

Das zeigt sich nicht nur am Tropenhaus: Dass er als Bürgermeister für Tettau kandidiert - diese Idee wurde in der Frankenwaldhütte am Rennsteig geboren, erinnert er sich und schmunzelt. "Das wär doch was für Dich", habe man dort zu ihm gesagt. Und dann habe sich alles wie von selbst ergeben. "Mich haben immer mehr Leute angesprochen und gesagt: ,Mensch, wir haben da was gehört. Mach das doch!‘" Ermutigt davon, will er nun am 3. November also ins Tettauer Rathaus einziehen. Und zwar als freier Kandidat - obwohl er CSU-Mitglied ist.
"Gemeindepolitik statt Parteipolitik", steht auf seinem Wahl-Flyer. "Für mich zählt der Bürger", erklärt Ebertsch. Und deshalb habe auf kommunaler Ebene die Partei eine untergeordnete Rolle zu spielen. Für seine Kandidatur hat er mindestens 60 Unterschriften gebraucht. Am zweiten Tag, an dem die Liste im Rathaus ausgelegen habe, habe er die beisammen gehabt. "Dafür möchte ich mich bedanken, immerhin war die Liste öffentlich einsehbar", hält er es nicht für selbstverständlich, dass über 130 Tettauer darauf unterschrieben haben.

Ein Bürgermeister müsse nicht nur repräsentieren können. Wichtig ist für Ebertsch vor allem Kompetenz. Und die hat er, ist er sich sicher. Immerhin ist er Führungskraft. "Nicht Vorgesetzter", betont er. Schließlich sei sein Führungsstil nicht stringent, sondern eher "kameradschaftlich, kollegial".

Er trifft auf Ralf Schmitt, Geschäftsführer des Tropenhauses. Der ist ganz Ebertschs Meinung: "Ein Bürgermeister muss auch Ahnung von Finanzen haben." Und die habe Ebertsch als stellvertretender Leiter des Vermögensmanagements bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach.

Für Ebertsch zähle das Tun, deshalb gefalle es ihm auch im Tropenhaus, weil hier Carl-August Heinz etwas getan habe. Vom Forschungsbereich geht es in den Besucherbereich. Ob auch er einen grünen Daumen hat? "Ja", ist seine Frau überzeugt und ergänzt: "Den haben wir beide."

Er sei lieber bescheiden, sagt er. Trotzdem sei er "keiner, der um den heißen Brei herumredet. Ich sag' mein Zeug, wie ich es denk'", erklärt Ebertsch.


Tropenhaus ist einmalig

Und so sagt er auch, dass ihm die Tettauer vor den Einpendlern gingen, und, was ihm an Tettau gefällt: "Das sehen wir hier." Er breitet seine Arme aus. So etwas wie das Tropenhaus gebe es sonst nirgendwo. Es sei ein Beispiel dafür, dass man in Tettau Träume in die Tat umsetze. Er selbst hat mit 30 Jahren seinen Beamtenstatus beim Zoll aufgegeben, um in seiner Heimat zu leben, dort ein Haus zu bauen. "Ich bin einfach heimatverbunden. Außerdem hab' ich hier einen Bruder, der im Rollstuhl sitzt", erklärt er. Und so hat er noch einmal eine Ausbildung gemacht zum Sparkassenkaufmann und -fachwirt. Mittlerweile bildet er dort selbst aus, als Dozent, Trainer und Prüfer an der Sparkassenakademie.

Sichere Arbeitsplätze, günstiger Wohnraum und eine natürliche Umgebung - diese Kombination mache die Marktgemeinde Tettau aus. Und 2020 sollen die Arbeitsplätze weiter vorgehalten werden, weshalb er vor allem die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft anpassen will. Und die Unternehmer bräuchten eben einen Bürgermeister, mit dem sie auf Augenhöhe sprechen könnten.

Außerdem nennt Ebertsch als seine Ziele den Erhalt der Grundschule, ein lebenslanges Wohnen in der Heimat, verbunden mit verbesserten Angeboten zur Mobilität der älteren Bürger, eine weiterführende Schule am Rennsteig sowie die Sanierung der Straßen. Darunter vor allem die Verbindung zwischen Schauberg und Judenbach. "Obwohl dort Verbotsschilder stehen, fahren die Lastwagen über den Wildberg nach Tettau, weil es eine Abkürzung ist. Das ist gefährlich. Muss denn erst etwas passieren?", fragt er mit ernster Miene. Mit dem Ausbau der Straße zwischen Schauberg und Judenbach könne man diese Gefahr entschärfen.

Bei den weiteren Zielen verweist er auf seine Flyer. Eigentlich hätte er sich diese und die Plakate lieber gespart, das Geld für einen caritativen Zweck gespendet. "Aber ohne geht es eben nicht", sagt er. Dass er die Plakate kürzlich bei einem Leichenschmaus verteilt hat, ist manchen Tettauern sauer aufgestoßen. Das weiß Ebertsch, verstehen kann er es aber nicht, sagt er. Die Plakate seien gerade aus der Druckerei gekommen, er habe sie im Auto gehabt. Einige hätten ihn auf seine Wahlveranstaltungstermine angesprochen, da habe er die Plakate mit den Terminen eben geholt. Außerdem sei der Verstorbene einer seiner Unterstützer gewesen. "Das war in seinem Sinn", ist Ebertsch überzeugt.

Was, wenn er die Wahl verliert? "Dann wird trotzdem gefeiert, allein, weil wir für die Demokratie etwas bewegt haben, dem Wähler eine Alternative geboten haben", erklärt er bei Kaffee und einem Stück Kuchen im Glascafé in Kleintettau.

Danach geht es weiter zur nächsten Wahlveranstaltung. Peter Ebertsch geht gestärkt dort hin. Nicht etwa wegen des Kuchens, sondern weil die am Tag vorher auf gute Resonanz gestoßen sei.


Zur Person

Privat Peter Ebertsch ist 52 Jahre alt, katholisch und seit 2001 verheiratet mit seiner Frau Sandra. Ebertsch wohnt seit seiner Geburt im Markt Tettau, hat in Kleintettau ein Haus gebaut.

Beruf Peter Ebertsch ist Sparkassenfachwirt und derzeit stellvertretender Leiter im Vermögensmanagement der Sparkasse Kulmbach-Kronach. Außerdem ist er seit 2001 als Dozent, Trainer und Prüfer an der Sparkassenakademie Bayern in Landshut tätig.
Politik Peter Ebertsch ist seit Anfang der 80er Jahre CSU-Mitglied, kandidiert für das Bürgermeisteramt aber auf einer freien Liste mit dem Titel "Bündnis für Tettau".

Termine Peter Ebertsch hält Wahlveranstaltungen in allen Ortsteilen Tettaus ab. Am 21. Oktober ist er in Kleintettau in der Gastwirtschaft Ruppert, am 22. Oktober in Alexanderhütte in der Spielplatzhütte und am 25. Oktober in der Festhalle in Tettau, Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.