"Einfach, immer, überall" steht auf den Lieferwagen der DHL-Paketboten. Es könnte auch "Schnell, schnell, schnell!" darauf gepinselt sein. Denn das sagt Stefan Eber öfter zu sich selbst, beim Einladen, Ausladen, wenn er zum Auto zurücksprintet. Der Gehülzer ist Paketbote bei der Deutschen Post. Sein Job ist so schon alles andere als gemütlich. Aber in der Vorweihnachtszeit wird es noch stressiger.

Um 9 Uhr morgens herrscht in der Zustellzentrale im Kronacher Industriegebiet Hochbetrieb. Das gelbe Autogeschwader füllt den ganzen Parkplatz. Ringsherum viel Gewusel und Hektik. 38 Zusteller arbeiten hier. Sie fahren Rollcontainer hin und her zu ihren Wagen. Einer ist randvoll mit Paketen. Die wackeln schon etwas auf dem Schotteruntergrund. Und tatsächlich fällt doch eins zu Boden. Drinnen sortieren andere fleißig Pakete nach Zustellbezirk. Laut ist es in der Halle, obwohl dort kaum Maschinen stehen.

60 Pakete liefert ein Zusteller im Schnitt hier aus, sagt Wolfgang Beyer, zuständig für die Qualitätssicherung. In der Vorweihnachtszeit werden es doppelt so viele. "Starkverkehr" heißt das bei der Post und der fängt Anfang November an. Er dauert bis Mitte Januar - da kommen dann die Retouren. Beyer ist zuversichtlich, dass die Geschenke rechtzeitig ankommen: "Wir können das bewältigen. Wir sind so gut aufgestellt." Bis 15 Uhr liefern die Zusteller am Heiligabend aus.

Am Hintereingang steht Stefan Eber (47). Seit halb neun ist er da. "Einer unserer erfahrensten Männer", sagt Beyer. Er kennt sich in seinem Bezirk aus, schafft es, fast jedes Paket auszuliefern. Er kennt die Orte, wo er sie sicher abstellen kann und weiß, wer mit wem in der Nachbarschaft befreundet ist. Und wo er es besser nicht abgibt, weil es gerade Streit gibt.


Fast doppelt so viele Pakete

Ein paar Falten zieren Ebers Gesicht, aber wenn er spricht, setzt er immer erst ein Lächeln auf. Er holt sich die Pakete aus dem Rollcontainer, scannt sie ein, stapelt sie auf dem Boden. Bei jedem Paket, das er sich anschaut, murmelt er hörbar die Adresse. Schon jetzt plant er seine Route. Dann schlichtet er sie in den Lieferraum seines Wagens, sortiert sie gemäß der Route in Fächer ein. Flott ist er dabei unterwegs, aber man merkt, dass die Päckchen bei ihm in sicheren Händen sind. Am Ende des Vormittags wird das Auto randvoll sein. 150 liefert er normalerweise aus - heute sind es 287. Schafft er das alles? Er lächelt nur süffisant.

Die meisten sind private Zustellungen, erklärt er. Die Lieferungen für Firmen haben nachgelassen. Aber dafür gibt es jetzt Zalando und Amazon: "Das hat in den letzten Monaten stark zugenommen", sagt Eber. Vor allem die Amazon-Prime Sendungen. "Prio" steht auf jedem Päckchen groß darauf, denn sie werden bevorzugt, erklärt Eber. Dieser Service vom Online-Versandhändler garantiert die Lieferung schon am nächsten Tag. Und gerade jetzt, zwei Tage vor Heiligabend, liegen immer mehr davon bei ihm im Wagen.

Wolfgang Bayer schaut nochmal vorbei. Stolz verkündet er den "Rekordtag". 8,4 Millionen Sendungen verschickt die Deutsche Post heute. So viel wie noch nie. Dafür hat sie 10 000 Leute mehr eingestellt. Auch in Kronach gibt es drei, vier Helfer mehr im Starkverkehr, sagt Beyer. Mindestens sechs Wochen sollen sie bleiben, gerne aber auch eine Ausbildung machen.


Manche besucht er täglich

Währenddessen packt Eber weiter ein. Auf einem Paket fehlt die Hausnummer. Eber schreibt sie drauf. "Eine Aushilfe weiß das natürlich nicht, aber ich kenne ja meinen Bezirk", sagt er und lächelt wieder. Rund 400 Haushalte beliefert er insgesamt. Es gibt auch Leute, die jeden Tag etwas bekommen, sagt er.

Er kennt auch den Inhalt der Pakete. Eines kommt von Dallmayr. Er schüttelt es leicht und schlussfolgert: "Ein Weihnachtsgeschenk. Da ist Wein drin." In einem ist sogar ein Blumenstrauß verpackt. "Frische Blumen" steht darauf. Von Aldi. Im Paket. "Was glaubst du wie viele Blumen am Muttertag oder Valentinstag hier ankommen?", kommentiert Eber.

"Schaffst du's heute?", fragt ihn ein Kollege. "Bis jetzt hab ich's immer geschafft, also schaff ich's auch heute", antwortet er. Seit 25 Jahren arbeitet der gelernte Metzger bei der Deutschen Post. Beides "Knochenjobs", wie er sagt. Deshalb ist er froh, dass er und sein Rücken noch fit sind. Bis zu 30 Kilo schwer darf ein Paket sein. Damals war es noch Staatsdienst, als er angefangen hat, "aber heute hat sich ja alles geändert", sagt Eber.

Er wird etwas hektischer beim Einräumen. Die Zeit wird knapp, seine Schritte eilig. "Schnell, schnell, schnell", sagt er. Um kurz vor elf hat sich die Zustellzentrale geleert. Eber ist immer einer der Letzten, die losfahren. Er packt noch ein Gebäck und einen Saft hinten rechts in seinen Lieferwagen. Viel Zeit zum Pause machen bleibt ihm immer nicht während seiner Fahrt, erklärt er.


Pünktlich, wie versprochen

Lichter aus, Garagentore zu - jetzt beginnt Eber seine Tour durch Kronach. "Du bist ja pünktlich. Genauso wie es im Internet steht", sagt einer seiner Kunden. Er spricht die Funktion an, mit der man im Internet sein Paket auf Schritt und Tritt verfolgen kann. Das geht, weil die Sendungen ständig eingescannt werden. Zweimal macht Eber das pro Päckchen. Könnte ihn sein Arbeitgeber dadurch nicht auch beobachten? Er zieht die Mundwinkel nach unten. "Er könnte es schon machen. Aber er darf das System dafür nicht benutzen. Das gibt der Betriebsrat vor", antwortet er.

Beim nächsten Stopp kommt ihm ein Kollege entgegengefahren. Er grüßt ihn. Dann steigt er aus. "Schnell, schnell, schnell", sagt er wieder. Nachdem er seine Lieferung beendet hat, sprintet er zurück zum Wagen. Gerade jetzt kann er viele Pakete für Firmen nicht ausliefern, weil die oft schon geschlossen sind, erklärt er. Das ärgert ihn, denn es verzögert alles. Ein Kunde schenkt ihm heute immerhin einen Sekt als Weihnachtsgeschenk. Bis 17 Uhr wird er heute noch unterwegs sein. "Mindestens. Wenn alles gut geht", sagt er.