Die diesjährige Kirchweih in Nordhalben wird wegen der Corona-Pandemie völlig anders als in den Vorjahren. Aufgrund bestehender Auflagen musste der Festablauf geändert werden. Die 2015 gegründete Kerwagesellschaft mit ihren knapp 100 Mitgliedern muss von ihrem Ziel, gemeinsam den Weihetag des Gotteshauses St. Bartholomäus zünftig zu feiern, sprichwörtlich "etwas Abstand nehmen".

Beginnen wird man am Donnerstag im "kleinen Kreis der Kerwagesellschaft" mit dem Glockenläuten und Böllerschüssen durch die Soldaten- und Reservistenkameradschaft. Am Samstag ist dann Fußball auf dem Gelände des FC Nordhalben angesagt. Um 12.45 Uhr werden zunächst die neuen Trikots der Altherrenmannschaft und der SG II vorgestellt. Ein Treffen beider heimischen Mannschaften findet um 13.45 Uhr statt. Um 16 Uhr trifft dann die SG Nordhalben im Punktspiel auf den 1. FC Burggrub.

Marius Popp an der Orgel

Ebenfalls am Samstag findet um 17 Uhr in der Pfarrkirche ein von Ilona Ruf organisiertes Orgelkonzert statt. Marius Popp wird dabei alles aus der Rieger-Orgel herausholen. Anmeldungen sind bis zum 30. September möglich. Anmelden muss man sich ebenfalls für den Festgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr. Dem Hochamt mit Pfarrer Richard Reis geht in diesem Jahr keine Kirchenparade voraus. Als Ersatz für die abgesagten Kirchweihständla mit Rundgang durch die Gemeinde sowie das Wirtshaussingen gibt es am Sonntag von 16 bis 17 Uhr ein Standkonzert vom Musikverein auf am Lindenplatz.

André Wunder wird am Donnerstag, Freitag und Sonntag direkt am Lindenplatz Bratwürste und Steaks auf dem Grill zubereiten. Auch beim Ausklang am Kirchweihmontag wird man ohne Musik und Umzug lediglich mit Böllerschüssen zu Recht kommen müssen. Die örtliche Gastronomie bittet um rechtzeitige Anmeldungen.

Nach langer coronabedingter Pause ist ab dem Kirchweihfreitag, 2. Oktober, auch das Klöppelmuseum wieder geöffnet. Jeweils von Freitag bis Sonntag können Besucher die Stücke in der internationalen Spitzensammlung von 13 bis 16 Uhr bestaunen.

Erinnerung an Hermine Stutzig

Zum Auftakt präsentiert man unter der vorübergehenden Leitung von Elisabeth Gareis eine kleine Ausstellung zur Erinnerung an die langjährige Klöppellehrerin Hermine Stutzig. Sie wurde 1914 in Neudek (Sudetenland) geboren, besuchte in Prag die Handelsschule und war dort auch als Klöppellehrerin an mehreren Klöppelschulen tätig. Sie kam 1946 nach der Zwangsaussiedlung nach Grundheim und fand 1948 in der Klöppelschule in Nordhalben eine Anstellung. Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1974 leitete Hermine Stutzig die Klöppelschule mit großem Erfolg. Während dieser Zeit entwickelte sich das als "Nordhalbener Spitze" bekannte Klöppeln mit farbigen Garnen. Das bekannteste Beispiel für diese Art des Klöppelns ist das weit bekannte "Frankenwald-Muster" mit seinen grünen Bäumen.

Im Rahmen von "Museum zum Mitmachen" wird ab Samstag, 10. Oktober, jeweils im zweiwöchigen Rhythmus von 13 bis 16 Uhr die Möglichkeit gegeben, das Klöppeln auszuprobieren oder sich weiterzubilden. Dabei wird pro Nachmittag ein Unkostenbeitrag von zehn Euro erhoben. Neben den oben aufgeführten Öffnungszeiten wird es künftig auch möglich sein, das Museum in kleinen Gruppen zu besuchen, hier ist eine Anmeldung über die Klöppelschule, die Gemeinde oder Elisabeth Gareis notwendig.

Die Geschichte des Gotteshauses St. Bartholomäus, dessen Weihe am Wochenende gefeiert wird, ist lang. Der schlechte Zustand der Nordhalbener Pfarrkirche machte vor über 300 Jahren einen Neubau notwendig. Die Grundsteinlegung der ehemaligen barocken Kirche war am 4. Mai 1707, die Einweihung rund acht Jahre später am 25. Juli 1715.

Vor mehr als 150 Jahren wurde das Gotteshaus beim großen Brand von Nordhalben, bei dem die ganze Gemeinde bis auf wenige Häuser niederbrannte, zerstört. Sofort danach begann man mit dem Wiederaufbau, der Grundstein an der südwestlichen Ecke der Kirche trägt die Jahreszahl 1858 als Grundsteinlegung.

Bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts war die Seelenzahl der katholischen Pfarrgemeinde größer geworden, so dass die Kirche längst zu klein war, um die Gläubigen zu fassen. Im Sommer an den Sonn- und Feiertagen war dies nur möglich, wenn die Türen offen blieben. Im Winter hingegen bei eisiger Kälte war dies unmöglich.

In der schweren Zeit nach der Inflation setzte die ganze Pfarrgemeinde ihre Kräfte ein und erweiterte um 1928 das Gotteshaus. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gotteshaus immer wieder der Zeit angepasst, so veranlasste der ehemalige Pfarrer Hans Martin in den Jahren 1987/88 die Umgestaltung des Chorraumes. Anfang dieses Jahrtausends wurde das Gotteshaus von Grund auf renoviert.

Vor einigen Jahren nahm nach weiteren Sanierungsarbeiten die neue Rieger-Orgel ihren Dienst auf, seitdem finden regelmäßig auch Orgelkonzerte statt.