Zwischen November 2011 und Februar 2012 sollen im südlichen Landkreis Kronach fünf Mal 500 Gramm Haschisch zu einem Verkaufspreis von jeweils 3500 Euro den Besitzer gewechselt haben. Zudem soll der Angeklagte polnischer Herkunft weitere Male im selben Zeitraum geringere Mengen Kokain oder Haschisch verkauft haben.

Der Kronacher, der von Rechtsanwalt Till Wagler vertreten wurde, machte bislang vor Gericht keine Angaben. Sein mutmaßlicher Kumpan, der demnächst selbst eine Haftstrafe antreten muss und ebenfalls wie der Angeklagte drogenabhängig ist, hatte ihn bei der Verhandlung im Dezember 2012 stark belastet. Er hatte im Vorfeld mit der Polizei zusammengearbeitet und konkrete Hinweise auf den Beschuldigten gegeben.
Ein Scheingeschäft, das der Bamberger im "Auftrag" der Polizei mit dem Angeklagten machen sollte, ließ er aber platzen, weil er "kalte Füße" bekam.

Den Aufpasser gespielt

"Ich habe bei den Drogengeschäften den Aufpasser gespielt. Die Drogen waren in Socken oder Stoff verpackt. Die Abnehmer waren immer zwei Männer in einem weißen Auto mit einem Coburger Kennzeichen", hatte er damals ausgesagt. Wagler hatte den Wahrheitsgehalt der Zeugenaussage in Frage gestellt. Er vermutete, dass sich der Belastungszeuge dadurch lediglich eine Strafminderung für sein eigenes Verfahren verschaffen wollte. Ein Mithäftling des Zeugen habe ausgesagt, dass dieser bereits im Gefängnis davon gesprochen habe, bei einer belastenden Aussage freigelassen zu werden. Die jüngste Verhandlung war wegen der Ladung weiterer Zeugen unterbrochen worden.

Darunter war auch der verantwortliche Beamte, der die Dateien-Auswertungen auf einem beim Angeklagten sichergestellten Laptop vorgenommen hatte. Diese hatte er nach deren Löschen wiederhergestellt. Da die Dateien vor Gericht nicht eindeutig zugeordnet werden konnten, wurde der Beamte angehalten, die Auswertungen auf seiner Dienststelle auszudrucken, entsprechend zu kennzeichnen und sie dem Amtsgericht Kronach zu schicken.

Einen Schlussstrich ziehen

Geladen war auch der Rechtsanwalt des Hauptbelastungszeugen, der diesen bereits wegen anderer Straftaten vertreten hatte. "Mein Mandant wollte gleich von Anfang an gegen den Angeklagten aussagen, aber nur, wenn sein eigener Haftbefehl wegen einer Diebstahl-Sache außer Verzug gesetzt wird", so der von seiner Schweigepflicht entbundene Verteidiger. Sein Mandant habe gemeint, er wolle seine Drogenvergangenheit abschließen und einen Schlussstrich ziehen.

Richterin Claudia Weilmünster setzte den Termin für den 20. Februar, 13.30 Uhr, neu an. Bei der neu angesetzten Verhandlung werden insbesondere die Auswertungen der Computer-Aufzeichnungen Thema sein. Dann soll auch das Urteil gesprochen werden.