Ein Wort beherrschte das Pressegespräch zur Neuausrichtung der Faust-Festspiele am Abend im Kronacher Rathaus: Chance.

Eine Chance bestehe beispielsweise beim Namen, sind sich Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein und Tourismuschefin Kerstin Löw einig. "Rosenberg-Festspiele", der Name, der vor drei Wochen - nach dem Stadtratsbeschluss, die Festspiele auf neue Füße zu stellen und mit dem bisherigen Intendanten Daniel Leistner nicht weiterzumachen - vorgestellt wurde, sei "nicht in Stein gemeißelt", so Beiergrößlein.

Der Designer Rolf Hering mache diesbezüglich noch Vorschläge, verriet Kerstin Löw. Drei Möglichkeiten stehen im Raum: Entweder es bleibt bei Rosenberg-Festspiele, der Name kippt oder es gibt einen Kompromiss, was beispielsweise die Farbgestaltung angeht. Das könnte so aussehen, dass die Festspiele künftig Rosenberg-Festspiele heißen, die Farben der Faust-Festspiele aber im Logo aufgegriffen werden.

Weil es für die Namensänderung auch Kritik gegeben hatte, erklärte Löw noch einmal das Zustandekommen des potenziellen Titels "Rosenberg-Festspiele": "Der Name Faust-Festspiele bindet uns an einen Autor, an ein Stück, an ein Konzept. Wir wollen aber das Repertoire erweitern und den Ort der Festspiele in der Kommunikation mitnehmen." Immerhin sei die Festung Rosenberg ja das touristisches Highlight Kronachs. "Und wenn nicht jetzt, wann dann?", hält Löw die Veränderungen auch für den passenden Zeitpunkt, den Namen zu ändern.
Am 9. November soll die Entscheidung bezüglich des Namens im Tourismusausschuss endgültig fallen. Schließlich soll der Kartenvorverkauf für die Festspiele wie gewohnt am Montag nach dem ersten Adventswochenende anlaufen.

Und nicht nur für den Namen, sondern auch "für uns, für Frau Wellmann, für die Festspiele" sei der Neubeginn eine Chance. Eine Chance, die Festspiele nicht komplett neu umzukrempeln. Kerstin Löw und Wolfgang Beiergrößlein sprechen lieber von "weiterentwickeln". Eine Chance, die der bisherige Intendant Daniel Leistner nicht habe "mitgehen wollen oder können", so der Bürgermeister.


Nur noch sechs Wochen Spielzeit

Und diese Weiterentwicklung sieht so aus, dass die bisherigen Familienvorstellungen sonntags derart ausgebaut werden sollen, dass es ein eigenes Kinderstück - 2016 soll das "Die kleine Hexe" sein - geben wird. Neben Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" soll als weiterer modernen Klassiker "Der Widerspenstigen Zähmung" von Shakespeare gespielt werden. Während für das Kinderstück ein Gastregisseur engagiert werden soll, übernimmt für die beiden letztgenannten Stücke Heidemarie Wellmann, die künftig als künstlerische Leiterin fungiert, die Regie.

Was genau, sie vor hat, war am Donnerstagabend nicht zu erfahren. Wellmann konnte wegen beruflicher Verpflichtungen, so der Bürgermeister, nicht am Pressegespräch teilnehmen. Sie arbeite bereits an der künstlerischen Ausgestaltung der Stücke und werde sie zu gegebener Zeit auch vorstellen, zeigte sich Kerstin Löw sicher. "Aber es sind erst drei Wochen seit der Entscheidung vergangen. Gebt uns ein bisschen Zeit" bat Löw um Verständnis.
Neben dem Unterhaltungsprogramm, das während der Festspielzeit durch Rainer Ludwig auf der Festung stattfindet, soll es auch ein direktes Rahmenprogramm, das in Zusammenhang mit den Festspielen steht, geben. Kerstin Löw sprach von Theaterpädagogik in Form von Workshops für Schüler, Stücke-Einführungen oder Lesungen - Veranstaltungen, von denen man sich erhofft, ein junges Publikum zu erreichen.

Weiter soll 2016 mit sechs bis sieben Profi-Schauspielern gespielt werden, wobei man nach wie vor auf die Kronacher Mitwirkenden setzen will. Beiergrößlein habe nach einer Besprechung mit den bisherigen Ensemblemitgliedern, auch "ein gutes Gefühl", dass ein Großteil wieder mitwirken wird. Auch in Kostüme und Technik soll investiert werden. All das klingt nach großen Schritten. Wenngleich man 6000 Euro Fixkosten für die Tribüne spart, indem man nur noch sechs statt acht Wochen spielen will.

Doch braucht es für dieses neue Konzept nicht doch mehr Budget als bisher? "Der Finanzplan ähnelt dem der vergangenen Jahre", so Löw. Es gehe lediglich um "ein paar tausend Euro rauf oder runter". Beiergrößlein sprach in diesem Zusammenhang von einer Budget-Umschichtung innerhalb des Gesamthaushaltes des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebs. Immerhin lägen die Schwerpunkte des Tourismusbetriebs im kommenden Jahr nur auf der "Pop up Cranach"- Ausstellung und eben auf den Festspielen. Das biete mehr Flexibilität beispielsweise in Sachen Werbebudget. Innerhalb des Festspiel-Finanzplans seien Schwerpunkte eben verlegt worden. Auf die Frage, warum eine solche Umverteilung bisher nicht möglich gewesen sei, antwortete Beiergrößlein, dass der bisherige Intendant diese "neuen Wege nicht mittragen wollte oder konnte. Wenn er das mitgegangen wäre, hätten wir das genauso gemacht."

Man dürfe die Erwartungen auch nicht zu hoch schrauben, immerhin könne man nicht plötzlich wesentlich mehr Geld ausgeben. "Wir sind gefordert, mit dem auszukommen, was wir haben. Ich muss einen genehmigungsfähigen Haushalt hinbekommen", so Beiergrößlein. Man wolle stattdessen mit Kleinigkeiten neue Akzente setzen, erklärte Kerstin Löw. Und irgendwann würde sie sich wünschen, dass Kronach in der Liste der deutschen Festspielorte zu finden und in der Freilichtszene besser vernetzt ist. Sie weiß, dass das ein schwieriger Weg wird. Aber auch eine Chance.