Mit der Spezies Techniker hat er es besonders. Mit "seinem" am Mischpult spricht er noch, auch wenn der ihm eine grüne Tasche auf die Bühne gestellt hat. Das kann er nämlich auch nicht leiden. Vor allem wenn darin sein geklautes "Ausfahrt freihalten"-Schild steckt.

Aber das war auch wichtig: Womöglich hätte er sonst nicht mehr den Weg aus der "baufälligen" Nordwaldhalle gefunden, in der er sein neues dreieinhalbstündiges Soloprogramm gnadenlos durchzog - auch wenn den 900 Zuschauern längst der Hintern auf den Bierbänken brannte. Dabei hätte er Nordhalben nicht mal gefunden, wenn er sich auf sein Navi verlassen hätte! Denn auf dem Tourpropramm taucht der binnen weniger Tage ausverkaufte Auftritt im Frankenwald gleich gar nicht auf.
Aber informiert hat er sich, vom "Regenüberlaufbecken" hat er gehört, die Ködeltalsperre kennt er und kann sich sogar an seinen Auftritt in Dürrenwaid am Beginn seiner großen Karriere erinnern. Ein wenig Lokalkolorit hier, ein wenig Weltpolitik mit der unvermeidliche "Änschi" und der "Abwrack-Uschi" da, die korrupte Fifa samt Katar (Katarrh)-Kalauer, zwischenhäusliche Reizthemen wie "Gartencenter", "Romantikwochen ende", "Thermomix" oder "Hochbeet" und natürlich der Hoeneß samt seinen Steuermillionen - der Rhön-Franke schwadroniert, sabbelt und geifert sich in bester Stammtischmanier durch jedes sich bietende Thema.


Eine teure Deko

Ein Stichwort gibt das nächste, dazu Stegreif-Blödeleien und Comedy-Einlagen, eingebettet in klischeehafte Zwischenhandlungen. Da geht es im Freundeskreis in Urlaub auf La Gomera, verbunden mit iPad fehlgesteuerter Logistik, intimgepiercter Begleiterin und vollanimierter Ghetto-Hotelerie. Der dort gestrandete afrikanische Bootsflüchtling "Tom-Tom" im "Dreggsagg"-T-Shirt entpuppt sich später als wohlgebildeter Zeitgenosse, der als "CSU-Gründungsmitglied" in die heimische Dorfgemeinschaft integriert wird.


Immer witzig

Auf der mit neuer Deko ("die hat 10 000 Euro gekost!") ausgestatteten Bühne steht der Typ mit der großen Klappe aus der Nachbarschaft, der die Welt aus seiner (natürlich typisch fränkischen) Sicht zum Besten gibt und seinen Senf gleich dazu. Immer witzig, durchaus auch mal mit ernstem Hintergrund, aber das Lachen bleibt seinen Zuhörern garantiert nicht im Rachen stecken.

Das ist keine pseudopsychologische Kunstfigur mit hinterfotzigem Charme wie etwa der "Pelzig" (von dem er sich übrigens dessen Alter-Ego-Trio unter anderem als Urlaubsbegleiter ausgeborgt hat), sondern einfach der Michl Müller selber. Der auch gleich nach dem Auftritt im verschwitzen T-Shirt geduldig bis zum letzten Fan Autogramme schreibt. Diese Natürlichkeit macht ihn authentisch, so beliebt und erfolgreich.


Klamauk statt Kabarett

Ohne große Rhetorik, mit Grimassen statt schauspielerischer Mimik, die immer gleichen einstudierten Gesten, Klamauk statt Kabarett, vorhersehbare Pointen im besten Unterfränkisch - aber mit einem Riesentalent, die Leute zu unterhalten. Unbeschwertes Volks-Entertainment, einfach sich einen ganzen Abend lang vollquatschen lassen, von dem Typen da oben, der raushaut, was einem so stinkt. Vor allem wer. Und da gibt es ja wirklich genug.


Ohne Punkt und Komma

Beim Michl sind es noch die Brieftaubenzüchter, die renitenten Hilfssheriffs mit Rollator und Hörgerät, die besoffene Ärzteschaft samt ebensolchen Flugzeugkapitänen, die Vegetarier, die tiefergelegten BMW-Fahrer, die Golfer, die Googler ... Ohne Punkt und Komma quasselt er sich durchs Programm, steht kaum eine Sekunde still und dann singt er auch noch (zum Playback). Das kann er zwar nicht wirklich, seine Lieder (die eigentlich Protestsongs sein sollten, wie er erklärt), sind simple bis derbe Mitklatsch-, Mitschunkel- und Mitsingschlager - aber das Publikum ist voll dabei.

Der Auftritt in der Nordwaldhalle wurde von der Ortsgruppe des Frankenwaldvereins aus Anlass des 111-jährigen Gründungsjubiläums veranstaltet.