Gespannt stehen die Besucher des Nordwald-Spektakulums am Wegesrand und warten auf den Hochzeitszug von Matthias und Melanie Pöhnlein. Der Himmel hat aufgerissen und der starke Regen nachgelassen, als Pferdegetrampel und Dudelsackmusik die Hochzeitsgesellschaft ankündigt. Im festlichen Mittelaltergewand gekleidet, schreitet das Brautpaar hinter der Musikgruppe zum Altar auf dem Festhügel mitten im Avalon-Gelände. Dort werden sie bereits vom Druiden Heiko im grauen Kapuzenoutfit erwartet.

Ein Tor aus Birkenstämmen mit Blumen geschmückt dient als Altar. Es musste vom Bräutigam selbst gebaut werden. Nun beginnt der Druide, die Lebensgeschichte von Melanie und Matthias in blumigen Worten zu verlesen, wobei einige Lacher der Gäste nicht ausbleiben. Selbstgeschmiedete Hochzeitsringe werden gebracht, an einer Schnur aufgefädelt und gehen bei ausgewählten Hochzeitsgästen von Hand zu Hand.
"Jeder soll im Stillen einen Segensspruch für das Brautpaar sprechen und ihn mental senden", verkündete Druide Heiko vom Altar aus. Nun müssen Matthias und Melanie gemeinsam aus einem Becher trinken, Brot miteinander brechen und essen. Dann wird es ernst - der Druide spricht die Segensworte: "Gott und Göttin, die guten Geister seien unter euch, um euch, mit euch, über euch und mögen euch segnen, heute, morgen und allezeit." Mit dem Anstecken der Ringe ist die Zeremonie beendet und der Applaus der Hochzeitsgäste sowie aller Besucher des Nordwald-Spektakulums gilt als Gratulation an das Brautpaar.


Unvergessliche Momente

Wie kommt man aber auf die Idee, eine Druidenhochzeit zu feiern? Melanie und Matthias Pöhnlein sind bereits seit 22 Jahren ein Paar. "Eine Hochzeit haben wir einfach nicht auf die Reihe bekommen. Aber in diesem Jahr sollte es endlich so weit sein", sagt Matthias. Eigentlich wollten die zwei begeisterten "Corvus Corone Frankconia"-Anhänger, also die Mitglieder einer Lagergruppe von Avalon-Nord, ihre standesamtliche Trauung auf dem Gelände des Nordwald-Spektakulums feiern. "Das ging leider nicht, rechtlich gesehen. Deshalb haben wir die Idee mit der Druidenhochzeit gehabt", lacht Melanie. Man sieht den beiden die Begeisterung für ihr Hobby richtig an und auch mit welcher Würde sie ihre mittelalterliche Hochzeitskleidung tragen. "Es waren unvergessliche Momente, als wir den Hügel hinaufstiegen und uns der Druide erwartete", sagt Melanie noch einmal rückblickend.

Beim Einzug des Brautpaares auf das Gelände schlossen sich der Ratsherrenzug aus Reußen und der Zug aus Kronach zusammen. Ebenfalls dabei die "Historischen" aus Nordhalben. In einem kurzen Theaterstück wurde der "Friede von Nordhalben anno 1635" neu geschlossen. Unter der geschickten Verhandlungsführung des Vogtes von Nordhalben, Heinrich Förtsch (Norbert Neugebauer), wurden die drei Regresse des Vertrages ausgehandelt und mit Vertragsunterschrift und Handschlag besiegelt. "Ihr habt das Brot, wir brauchen das Brot. Ihr habt das Bier, aber das könnt ihr behalten", tönte der Stadtvogt aus Kronach, Gottfried von Morach (Hans Götz) über den Platz. Die Erklärung erntete viel Gelächter, das Reußenbier sei nicht zu genießen und werde daher "Lobensteiner Sterbehilfe" genannt. Man werde den Reußen Bier aus Kronach schicken und den "Pfaffen" edlen süßen Frankenwein. Anno 1635 wurde der Vertrag im alten Sandsteinhaus gegenüber der Pfarrkirche geschlossen, welches heute noch steht.