"Immer schö' lächeln", ruft ein Fußgänger Lydia Müller zu, als er sieht, dass sie fotografiert wird. Die Bürgermeisterkandidatin der SPD lacht herzhaft, deutet auf eines ihre Wahlplakate und antwortet: "Ich häng' doch schon überall und lach' mich zu tod'."

Lydia Müller ist gut gelaunt. In schwarzer Jeans, brauner Jacke und mit einem Schal um den Hals macht sie sich auf den Weg. Passend dazu zieht sie aus ihrer Jackentasche einen kleinen Spickzettel mit der Überschrift "Mein Weg". "Ich hab' mir ein bisschen was notiert", sagt die Frau mit dem braunen Kurzhaarschnitt und schickt ein Lachen hinterher.

Sie steckt den Zettel wieder ein. Den braucht sie nicht, wenn sie beim Spaziergang durch Tettau von sich, ihrer Familie oder davon erzählt, wie sie zur Politik gekommen ist und warum sie Bürgermeisterin werden will.



Mit Spielplatz fing alles an

Bodenständig wirkt sie. Lebenslustig. Voller Tatendrang. "Ich bin ein Mensch, der immer in Bewegung bleiben muss. Ich such' die Herausforderung. Das war schon immer so", sagt die 47-Jährige. Zum Beispiel damals, "1998 oder 99 war das. Da war hier noch ein Spielplatz", deutet sie auf das heutige Gebäude der Raiffeisenbank mitten im Ort. Der Spielplatz musste der Bank weichen. "Wir waren eine Gruppe Mütter und waren mit unseren Kindern eigentlich jeden Tag hier", erinnert sich Lydia Müller. Also ging die Mutter dreier Söhne damals einfach mal ins Rathaus, um zu fragen, ob ein neuer Spielplatz für die Kinder geplant sei. Einige Wochen später war sie dort erneut. "Das geht so nicht. Wir brauchen wieder einen Spielplatz", habe sie damals gesagt. Beeindruckt von ihrem Kampfgeist habe der damalige Bürgermeister Alfred Schaden geantwortet "Du musst in die Politik". Er habe ihr gleich ein Anmeldeformular für den SPD-Ortsverein hingelegt.

Seit 2002 ist Lydia Müller Gemeinderätin in Tettau und auch SPD-Ortsvereinsvorsitzende. Bereits bei der letzten Kommunalwahl hätte sie gerne kandidiert, hat aber die interne Abstimmung gegen Hans Kaufmann (SPD) verloren. "Da hatte ich schon etwas dran zu knabbern. Da ist einfach ein Traum zerplatzt", gibt Lydia Müller zu. Doch es ist nicht ihre Art, beim ersten Versuch aufzugeben, sagt sie später, als es darum geht, bei welchen Themen für Tettau sie nicht locker lassen will. Wohnraum schaffen lautet eines davon. "Wir haben 900 Einpendler, wenn nur die Hälfte davon sich auch in Tettau niederlassen würde, hätten wir schon gewonnen. Wir haben schon so viel verloren, weil wir keinen Wohnraum hatten", sagt sie. Auch für die älteren Menschen will sie vorsorgen, Wohngemeinschaften schaffen. Den Industriebetrieben möchte sie die Chance bieten, sich zu vergrößern. Und "hartnäckig" müsse man auch bei der Verkehrsanbindung bleiben - insbesondere bei der Verbindungsstraße zwischen Schauberg und Judenbach.

Für die kleineren Ortschaften wie Schauberg oder Langenau könne sie sich Modelle wie beispielsweise einen Hol- und Bringdienst oder Dorfläden vorstellen. "Vielleicht kann hier was entstehen. Man muss die Leute aber mit einbeziehen", weiß sie aus Erfahrung. Lydia Müller erzählt von der Dorferneuerung in Langenau, von der Bunten Nacht in Tettau, von einer Handwerksmesse, vom Fasching. "Das hat alles eine Dynamik entwickelt, das ist Wahnsinn", ist sie stolz, dass sich die Tettauer und auch die Bürger aus den Ortsteilen so einbringen. Und ein wenig ist sie es auch, dass es ihr bei diesen Projekten gelungen ist, eben die Bürger so mitzunehmen. Das kann sie, die Menschen mitnehmen. Davon ist sie überzeugt, oft genug sei es ihr schon gelungen.

Und genau das, die Gemeinschaft, ist es auch, warum sie gern in Tettau lebt, warum sie dort Bürgermeisterin werden will. "Die Tettauer haben eine offene Art, sind aber auch stur, weil sie schon immer für das kämpfen mussten, was sie wollten."

Das kennt sie auch aus eigener Erfahrung, erzählt sie, während sie Richtung Wald läuft. "Frauen müssen immer ein bisschen mehr strampeln." Schlimm findet sie das aber nicht: "Ich will vorwärts, hab' einen ständigen Antrieb." Und außerdem hat sie nicht nur beim Fußballspielen - vier Jahre lang hat sie in einer Damenmannschaft gespielt - gelernt, sich durchzusetzen, sondern auch in ihren zwölf Jahren als Kommunalpolitikerin.

Wo sie Tettau im Jahr 2020 sieht? Der Straßenbau ist für sie ein Muss, selbstverständlich. "Wir müssen die Einwohnerzahl steigern. Vor Jahren hatten wir in der Zukunftswerkstatt mal das Ziel ,Tettau plus 1000‘. Wenn wir uns nicht dort hin bewegen, können wir zuschließen. 2020 müssten wir - verteilt auf alle Ortschaften - plus 200 haben." Sie ist überzeugt, dass es sich in Tettau gut leben lässt: "Wir haben zwei Ärzte, einen Zahnarzt, eine Apotheke, Schule, Kindergarten, Krippe - alles, was man zum Leben braucht." Diejenigen, die dort arbeiten, hätten kurze Wege und günstigen Wohnraum zugleich.

Welche Resonanz sie bisher spürt? "Ich hab' gerade meine ersten Hausbesuche in Kleintettau hinter mir. Mir ist wichtig, dass mich die Leute persönlich sehen", sagt sie. Das Persönliche sei ihr lieber als Facebook & Co. "Und ich bin schwer beeindruckt", zieht sie Bilanz ihrer ersten Rückmeldungen auf die Hausbesuche.

An der Fensterscheibe der Gastwirtschaft im Ort wird geklopft und der Kandidatin angedeutet, doch hereinzukommen, schließlich ist Kirchweihmontag. "Gleich", sagt Lydia Müller, nickt kräftig und lacht den Tettauern in der Gastwirtschaft zu.

An diesem Montagabend hat sie sogar ausnahmsweise Zeit, denn die Probe des Singkreises entfällt. Der ist Lydia Müllers große Leidenschaft. "Da hängt mein Herz dran, das Singen ist mir viel wert", sagt sie. Schon als Kind habe sie auf der Schaukel gesessen und gesungen. "Dann haben die Leut' in der Siedlung immer gesagt: ,Aaaah, die klaa Heinlein singt wieder.‘" Vor 16 Jahren hat sie dann den Singkreis mitgegründet. Als sie die Abstimmung gegen Hans Kaufmann verloren hat, haben ihr ihre Freundinnen aus dem Singkreis viel Halt gegeben. Augenzwinkernd sagt sie: "Wenn ich nicht Bürgermeisterin werd', werd' ich Sängerin."

Spaß beiseite - "das Leben geht auch weiter", wenn sie die Wahl verlieren sollte, sagt sie. "Ich hab' schon mal verloren. Ich weiß, wie das ist, ich kann damit umgehen." Schließlich ist sie ein gläubiger Mensch: "Ich sag' immer, Gott hat mich hierher gestellt, dass ich gewisse Aufgaben erledige. Deshalb hab' ich das in Gottes Hand gelegt. Er wird es lenken und richten."

Sie steht vor der evangelischen Kirche in Tettau und wirkt zufrieden. Gelassen. Und vorfreudig. Schließlich geht es jetzt noch weiter - "zur Kirmesfeier". Sie ist "einfach kein Mensch, der Ruh' halten kann".


Zur Person

Privat Die SPD-Kandidatin ist 47 Jahre alt, evangelisch, seit 1987 verheiratet - "glücklich", wie sie hinzufügt, - und hat drei Söhne: Philipp (22), Hans (20) und Paul (16). Sie ist gebürtige Tettauerin, vor 17 Jahren haben sie und ihr Mann ein Haus dort gekauft.

Beruf Lydia Müller hat früher in der Fabrik gearbeitet, zwischen den Geburten ihrer beiden jüngsten Söhne hat sie nochmal eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Heute arbeitet sie bei der Firma KTR in Spechtsbrunn, ist dort für logistische Abläufe zuständig. Dienstags und donnerstags arbeitet sie zudem im Pfarramtsbüro.

Politik Lydia Müller ist Gemeinderätin in Tettau und sitzt für die SPD im Kreistag.

Termine Am 24. Oktober, 19 Uhr, ist eine Wahlveranstaltung von Lydia Müller im Gasthaus Ruppert in Kleintettau und am 31. Oktober findet eine Halloweenparty in der Festhalle in Tettau statt.