Zum neunten Mal lobte Ingo Cesaro für die Stadt Kronach den Internationalen Lucas-Cranach-Preis aus. Seit 1993 messen sich zeitgenössische Künstler mit ihren Einsendungen in nahezu allen künstlerischen Techniken, von Malerei über Bildhauerei bis hin zu Installationen und Videokunst. Dieses Jahr stehen mit Holzschnitt, Holzriss und Holzstich grafische Techniken im Fokus, in denen auch der in Kronach geborene Renaissancekünstler Lucas Cranach d. Ä. experimentiert und großartige Werke geschaffen hat.

Am Wettbewerb beteiligten sich circa 100 Künstler aus neun Nationen mit 300 Arbeiten. Die Jury - Sven Hauschke (Kunstsammlungen Coburg), Stephanie Marx (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig), Marlies Schmidt (Cranach- Stiftung Wittenberg), Ingo Cesaro (Regionale Kunstförderung Kronach) und Alexander Süß (Stadt Kronach) - hat vier Preisträger ausgewählt und eine spannende Ergebnis-Ausstellung zusammengestellt.

Ein Meister der Druckgrafik

"Die Intention des diesjährigen Wettbewerbs war ein verstärktes Augenmerk auf Cranachs druckgrafisches Werk", bekundete Kronachs Erste Bürgermeisterin Angela Hofmann. Mit dem Medium rücke man Techniken in den Vordergrund, die von Lucas Cranach d. Ä. meisterhaft beherrscht worden seien, in der Wahrnehmung aber leider oftmals hinter seinen Malereien zurückständen. Ihr Dank galt der Oberfrankenstiftung für die Finanzierung der Ausstellung, den Hauptsponsoren der Preise, der Jury, Tourismus-Chefin Kerstin Löw mit ihrem Team sowie insbesondere dem unermüdlichen Kulturvermittler Ingo Cesaro, Vorsitzender des Vereins Regionale Kunstförderung Kronach, dem auch dieses Mal die Ausschreibung oblag. Willkommen hieß sie auch den langjährigen Kunst- und Kulturförderer Joachim Wiegand.

Fast 600 Einladungen verschickt

Ingo Cesaro erinnerte sich zurück an das Jahr 1991, als er das Konzept eines Internationalen Lucas-Cranach-Preises formuliert habe. "Die erste kritische Frage war, warum international", verriet der Schriftsteller, Herausgeber, Galerist und Handpressendrucker, dass nicht wenige damals mit dem Kopf geschüttelt hätten. Dabei sei Lucas Cranach kein regionaler Künstler gewesen, sondern habe sich seit jeher internationaler Wertschätzung erfreut. Dies bestätige auch die Tatsache, dass er 2019/2020 den Wettbewerb noch immer mit dem gleichen unveränderten Konzept ausschreiben könne. Insgesamt habe er fast 600 Einladungen an Künstler, Galerien, Kunstvereine und -Akademien im In- und Ausland verschickt sowie zusätzlich noch viele weitere an Buchkünstler.

Die Vorstellung der Preisträger und ihrer Arbeiten oblag dem Museologen Alexander Süß. Den 1. Preis erhielt Franca Bartholomäi (Jg. 1975), den 2. Preis Tobias Gellscheid (Jg. 1983). Beide wohnen in Halle/Saale und studierten dort an der Kunsthochschule in Burg Giebichenstein, wo Bartholomäi seit 2010 selbst einen Lehrauftrag hat. Der erste Preis wurde ihr für ihren Holzschnitt auf Chinapapier "Irrlichter" (Die Versuchung) zugesprochen. Die freischaffende Künstlerin zählt zu den profilierten zeitgenössischen Druckgrafikerinnen Deutschlands. "In ihren Bildwelten verschmilzt sie - scheinbar spielerisch - traumhafte Narrative mit harten Schwarz-Weiß-Kontrasten zu spannungsvoll-assoziativen Stimmungsbildern", so die Jury.

Mit dem zweiten Preis wurde Gellscheids Holzschnitt auf Papier "Dusk I" bedacht. Der gelernte Holzbildhauer ist ebenfalls freischaffender Künstler und als künstlerischer Mitarbeiter am Landesamt für Denkmalpflege Halle und dem Landestheater Neustrelitz tätig. Er arbeitet virtuos in der Technik des Holzstichs. In seiner Landschaft "Dusk I" (2017) - dt. Abenddämmerung - lotet er, so die Jury, das Potenzial des Mediums voll aus. Die raumgreifende Komposition entfaltet im raffinierten Spiel aus Kontrastierungen, Verfremdungen und Geschwindigkeiten eine starke Sogwirkung. Der erste Preis wurde von der Sparkasse Kulmbach-Kronach gestiftet und von den Vorständen Harry Weiß und Steffen Potstada übergeben, der zweite - von der VR Bank Oberfranken Mitte gestiftete - Preis vom stellvertretenden Bereichsdirektor Thomas Kolb.

Über den dritten Preis darf sich Roman Klonek (Jg. 1969, geb. in Kattowitz/Polen) freuen: Der freie Künstler und Grafiker studierte visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Düsseldorf und erhielt ein Stipendium für Holzdruck an der Europäischen Kunstakademie Trier. Er arbeitet auch als Galerist und Gastprofessor an der Hochschule Mainz.

Surreale Standbilder

Im Zentrum seines auch international beachteten künstlerischen Schaffens steht der mehrfarbige Holzdruck. Inspiration für seine ausgefallene Bildsprache sind der osteuropäische und japanische Trickfilm sowie Comics seiner Kindheit. In seinem Preisträger-Holzschnitt auf Papier "Last day of a summer" verdichtet er anspruchsvoll figurative Versatzstücke mit (kyrillischen) Wortfetzen zu surrealen Standbildern einer fiktiven Erzählung.

Mit einem Sonderpreis wurde der Kronacher Michael Huth, Jahrgang 1959, bedacht. Er studierte an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste - Städelschule in Frankfurt am Main. Nach und neben seiner Lehrtätigkeit an der Gesamthochschule Kassel und der Städelschule arbeitete er als freier Künstler mit Druckwerkstatt und Maleratelier bei Bamberg. 2017 kehrte er nach Kronach zurück. Für ihn ist die sinnliche Komponente des Druckens und Schneidens, der Materialität mindestens so bedeutsam wie die sich im Prozess fortentwickelte Bildidee. Auch bei seinem Preisträger-Holzschnitt auf Aquarellpapier "Martin Luther" (2020) zeigt sich dies beispielhaft. Durch die tief in das dicke Bütten eingedruckten scharfen Schwarz-Weiß-Kontraste der Kompositionen in ihrer Härte, radikalen Strenge und Abstraktion wandelt sich der Druck zum Relief.

Der dritte Preis wurde vom Rotary Club Kronach gestiftet und von Präsidentin Kerstin Sperschneider übergeben; der vom Landkreis Kronach gestiftete Sonderpreis durch stellvertretenden Landrat Gerhard Wunder.