Der Markt Küps hat es sich zum Ziel gesetzt, auch künftig die Attraktivität der Gesamtgemeinde als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum zu erhalten und zu erhöhen. Mit dem übergreifenden Entwicklungskonzept KEK³ werden hierzu Strategien entwickelt - so auch zum Handlungsfeld Tourismus und Naherholung, das im Fokus des Workshops am Dienstagabend in der Küpser Schul-Aula stand. Gut zwei Stunden lang nahm die Teilnehmerschar, Verbesserungsmöglichkeiten bereits bestehender Angebote in den Blick und entwickelte zudem auch gänzlich neue Ideen und Anregungen.

"Wir wollen das Gemeindegebiet unter die Lupe nehmen, um daraus einen Fahrplan für die nächsten 20 Jahre zu erarbeiten und Schwerpunkte zu fixieren. Hierzu gehört auch der Tourismus", betonte Bürgermeister Bernd Rebhan und räumte damit ein, dass es in der Hotellerie bzw. Gastronomie im Markt noch "Luft nach oben" gebe. Gleiches gelte auch für die Wanderwege, die zwar reichlich vorhanden, aber nicht ausgeschildert seien. "Wir haben Potenzial und dieses Potenzial müssen wir heben", appellierte er und verwies dabei auf das Alleinstellungsmerkmal des Marktes, sprich die acht Schlösser, die allesamt in Privatbesitz sind und mit hohem Aufwand von den Eigentümern erhalten werden.

Das derzeit erarbeitete, in Oberfranken einmalige Entwicklungskonzept KEK³ stellte Tobias Preising vom Büro Planwerk aus Nürnberg vor, der - ebenso wie Max Wehner vom Büro Team 4 aus Nürnberg, Nicola Völkel ebenfalls von Planwerk sowie Christiane Werthmann vom Büro für Städtebau aus Bamberg - den Abend methodisch begleitete. Parallel zueinander laufend, beinhaltet KEK³ das Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), die vorbereitenden Untersuchungen (VU) und das Gemeindeentwicklungskonzept (GEK). Es geht dabei um die Weiterentwicklung der Kerngemeinde, der Ortsteile sowie Sanierungen historischer Gebäude. Neben einer Analyse der Stärken und Schwächen der Kommune sollen künftige städtebauliche Leitvorstellungen und Ziele für Maßnahmen und Projekte zusammengefasst werden. KEK³ wird mit Fördermitteln vom Amt für Ländliche Entwicklung Bamberg und der Städtebauförderung erstellt. Die drei gemeinsam erstellten Konzepte bilden hierfür die Grundlage.

Markus Franz vom Frankenwald-Tourismus-Service-Center zeigte sich von den zahlreichen positiven Effekten eines konsequenten Tourismusausbaus überzeugt. Erfreulicherweise stiegen die Tourismuszahlen für den Frankenwald in den letzten Jahren an, wobei sie heuer Corona-bedingt leider deutlich gefallen seien. Die alle zwei Jahre ausgewerteten Zahlen - aktuell von 2019 - zeigten die Bedeutung auch als Wirtschaftsfaktor auf - mit Einnahmen von rund 200 Millionen Euro in Hotellerie und Gastronomie sowie Einzelhandel und Dienstleistung. Nicht zu vernachlässigen seien auch die Steuereinnahmen von 18,5 Millionen Euro, die als Mehrwert- bzw. Einkommensteuer zurück an den Fiskus fließen.

Erfolgsfaktor "Steigla"

Tourismus-Erfolgsfaktoren seien unter anderem die Erarbeitung eines eigenen Leitbilds, das Setzen von Schwerpunkten, das Schaffen von Highlights und die Qualität des Angebotes. Erfolgsgaranten im Frankenwald seien die "wie die Weltmeister bewanderten" Steigla sowie der innerhalb von zehn Sekunden ausverkaufte "Frankenwald-Wandermarathon". Wichtig sei bei alledem die Vernetzung und Kooperationsbereitschaft. "Nicht ein Wanderweg alleine macht den Erfolg aus, sondern das abgestimmte und aufeinander ausgerichtete Zusammenwirken vieler Bereiche und Kriterien", betonte er.

In den drei Workshops wurden die Themenblöcken Image, Infrastruktur und Veranstaltungen behandelt. Bei "Image" ging es um das Image von Küps innerhalb der Tourismusregion Frankenwald, die Rolle von Küps nach außen und innen sowie darum, was Küps für die Tourismusregion tun kann bzw. im Umkehrschluss die Tourismusregion für Küps. Genannt wurde hier beispielsweise Küps als Durchgangs-Ort sowie "Speckgürtel" von Kronach, Hof, und Bayreuth, Küps als attraktiver Wohnort mit viel Grün sowie guter Bahnanbindung sowie auch die Aussage von Walter Näher "Eine Palme macht keine Toskana".

Der Infrastruktur-Workshop nahm insbesondere die Verbesserung des Wegenetzes für Radfahrer und Wanderer in den Blick sowie den Bedarf an neuen bzw. die Optimierung bestehender Freizeiteinrichtungen. Angeregt wurden unter anderem Parkplätze für Wanderer, eine Beschilderung der Wege/Hinweise auf Highlights und Schlösser, neue "Steigla" für Küps, neue Radwege Schmölz-Johannisthal und Theisenort-Markt Küps, ein Freizeitsee, die Ertüchtigung des Flößerwegs sowie Übernachtungsmöglichkeiten am Golfplatz - Stichpunkte Chalets oder Tinyhouses.

Ein Bauernmarkt

Bei "Veranstaltungen" wurden Bedarfe für Jugendliche, Erwachsene, Familien und Senioren definiert. Festgehalten wurden themen- und personenbezogene Wanderungen, ein Schlösser-Tag beispielsweise als Rundwanderung, ein monatlicher Bauernmarkt am Plan, ein Museum, Räumlichkeiten/Orte für Jugendliche sowie ein besserer Ausbau des Markt-Themas.

Bei der Ideenvorstellung gab Markus Franz zu bedenken, dass es hierfür auch entsprechender Manpower bedürfe, sprich Kümmerer. Einig war man sich, weg vom einst politisch geprägten Schlagwort von Küps als "Toskana des Frankenwalds" zu wollen, das in der Öffentlichkeit, so Ralf Pohl, eher "spöttisch" verwendet werde.

Ein "gewaltiges Projekt"

Laut Ursula Eberle-Berlips habe man sich in der Marktgemeinde umfassend mit dem Aufbau einer Corporate Identity beschäftigt. Dabei soll vor allem das Schlösser-Thema eine übergeordnete Rolle einnehmen.

Die Schlösser sollen, ergänzte der Bürgermeister, mit einem Museumskonzept auch für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden. "Damit haben wir ein gewaltiges Projekt vor der Brust", konstatierte er. Womöglich könne bald wieder ein Küpser Schloss zum Drehort - dieses Mal eines Netflix-Films - werden, gebe es doch Interessenten für einen Sissi-Film.

Preising zeigte sich sehr angetan von der Vielgestaltigkeit der Ideensammlung als gute Grundlage für die folgenden Verfahrensschritte.

Bereits am heutigen Donnerstag findet ein weiterer Workshop statt. Um 19 Uhr wird es dabei erneut in der Küpser Schule um den Schwerpunkt "Nahversorgung und Daseinsvorsorge" gehen, wozu alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Im Frühjahr soll das erarbeitete Entwicklungskonzept im Gemeinderat von Küps vorgestellt werden und dann in die Umsetzung gehen - und die "Toskana" dorthin verschoben werden, wo sie hingehört - nach Italien!