Seit Mai dieses Jahres hat die Stadtverwaltung Kronach eine neue Abteilung: die "Abteilung 5" für die Bereiche Bildung, Soziales und Ehrenamt. Ihre Mitarbeiter sind Hüter der städtischen Stiftungen mit einem Vermögen von rund zehn Millionen Euro sowie Berater und Ansprechpartner in vielfältigen sozialen Belangen für alle Bürger der Lucas-Cranach-Stadt.

Auf Nachfrage erörterte Bürgermeisterin Angela Hofmann, warum sie diese Abteilung 5 neu in der Verwaltung installierte. Weil neben Wohnungsbau, Straßenbau, Infrastruktur besonders auch die Bereiche "Bildung, Soziales und Ehrenamt" in den kommenden Jahren mit im Fokus stehen werden, habe sie diese Bereiche in eine Abteilung 5 zusammengestellt. Hier warte eine Fülle an Aufgaben auf die Stadt, die mit einer eigenen Abteilung besser bearbeitet werden können, begründet die Rathauschefin ihren Entschluss.

Allgemein kümmert sich die "A5", so die Kurzbezeichnung, um Serviceleistungen der Stadt Kronach und ist seit 1. August beispielsweise Ansprechpartner für die Schülerbeförderung und das Mobilitätskonzept und wird dabei als Bindemitglied unterstützend tätig, was den Stadtbereich anbelangt.

Die geplanten Hochschulangebote werden den Bildungsstandort Kronach erheblich aufwerten. Während die baulichen Maßnahmen vom Kommunalunternehmen finanziert werden, sieht sie die Aufgabe der Stadt Kronach darin, das Zusammenleben harmonisch zu gestalten und das soziale Miteinander zu fördern, zudem stehen etliche Investitionen bei den Schulen an (Digitalisierung). Das passt thematisch in einer Abteilung zusammen.

"Über das Jugendparlament erreichen wir die Teilhabe von Jugendlichen unter 18 Jahre an politischen Entscheidungen, damit will ich erreichen, dass U-18-Jährige etwas in Kronach bewirken können", so Hofmann. "Ehrenamtliche tragen mit zu unserem Lebensstandard bei, das wollen wir verstärkt anerkennen und honorieren. Dazu arbeiten wir an einer Förderrichtlinie, worüber in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Sozialausschusses auch der Stadtrat informiert wurde. Mittels der Stiftungen können wir vielen Bedürftigen mit Geldmitteln zu mehr Lebensqualität verhelfen, deswegen passen sie thematisch mit zu A5, genau wie die vielfältigen Beratungsangebote, die A5 leistet, wohlgemerkt kostenlos."

Was sind das für soziale Beratungsangebote? Abteilungsleiter Jörg Schnappauf und Verwaltungsfachangestellte Elke Ernst betonen, dass der Bereich "Soziales" nur einer von fünf großen Bereichen des Aufgabenspektrums sei. Dazu zählen zum Beispiel die Anträge für Rundfunkgebührenbefreiung, etwa 100 Anträge jährlich, ebenfalls circa 100 Anträge fallen an auf erstmalige Ausstellung oder Erhöhungen von Schwerbehindertenausweisen. Auch in der Rentenberatung werden durchschnittlich jährlich etwa 260 Rentenanträge gestellt.

Kindergärten und Benefizprojekte

Weitere Aufgaben kommen hinzu durch die Verantwortung für das Jugendzentrum, die Städtepartnerschaften mit Kiskunhalas, Hennebont und Rhodt unter Rietburg, die Ferienspieltage, Menschen mit Behinderung, die Betriebskostenförderung für die Kindergärten (Verantwortung für ein Budget für Kindertageseinrichtungen in Kronach von über vier Millionen Euro), die örtliche Bedarfsplanung der notwendigen Betreuungsplätze in den Kronacher Kindertageseinrichtungen, die Antragsannahme und Hilfestellung beim Ausfüllen der Anträge für Zuwendungen aus der Benefizaktion "1000 Herzen für Kronach" sowie Familienförderung, -beratung und mehr.

Ein weiteres Benefizprojekt ist die jährliche "Weihnachtsaktion". Hierbei erfolgt ein Spendenaufruf der Stadt Kronach an die Kronacher Firmen. Der Erlös aus den eingegangenen Spenden wird nach einer Bedürftigkeitsprüfung an Kronacher Bürger verteilt.

Der Bereich Bildung wird zukünftig noch mehr Bedeutung erlangen, betont auch Schnappauf. "Wir sind Sachaufwandsträger für die Lucas- Cranach- Grundschule und für die Gottfried-Neukam-Mittelschule (im Rahmen der Geschäftsführung Schulverband Kronach III). Insgesamt werden an beiden Schulen über 1000 Schüler unterrichtet. Außerdem ist die Abteilung Bindeglied zwischen Stadt und dem Lucas-Cranach-Campus sowie Ansprechpartner zu den Hochschulangeboten in Kronach inklusive der Erwachsenenbildung."

Im Bereich Ehrenamt pflegt die A 5 Kontakte zu über 300 Vereinen und Verbänden und ist zuständig für Vereinsförderung, die wiederbelebt werden soll, und die Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement.

Weiter nennt Schnappauf als besondere Aufgabenschwerpunkte das Jugendparlament, hier ist die A5 Fachabteilung für das Jugendparlament, die vielfältigen Aufgaben als Fachabteilung für den Seniorenbeirat, für den ÖPNV als Bindeglied zwischen der Stadt Kronach und der Mobilitätszentrale, Stadtbus und Schülerverkehr sowie den Bundesfreiwilligendienst als Dienststelle für die Bundesfreiwilligen an den Schulen. Weiterhin plant und führt die A5 den jährlichen Neubürgerempfang der Stadt Kronach in Kooperation mit den weiteren Dienststellen der Stadtverwaltung Kronach durch.

Und wie sieht der Abteilungsleiter Jörg Schnappauf die neue Aufgabe? Die Verantwortung für fast 1000 Schüler im Bildungsbereich sei eine der großen Herausforderungen. "Meine Mitarbeiter und ich haben die uneingeschränkte Motivation, dass wir allen Schülern sowie deren Eltern, aber auch den Lehr- und Verwaltungskräften, die unmittelbar für die Kinder da sind, die besten Rahmenbedingungen für ein gutes Lern- und Arbeitsumfeld bieten können. Jeder Einzelne sei in diesem Gefüge wichtig. Ich denke gerade die soziale Verantwortung in Kronach hat einen sehr hohen Stellenwert. Bei den Kindergärten, dem Jugendparlament, dem Seniorenbeirat, den sozialen Hilfsangeboten und der Wertschätzung der Arbeit unserer Ehrenamtlichen kommt es darauf an, mit den Menschen auch Kontakt zu haben und jeden einzelnen bei seinem Anliegen zu unterstützen. Das muss unser Anspruch sein."

Stiftungen als Herkulesaufgabe

Geradezu eine Herkulesaufgabe sieht das Team von Jörg Schnappauf in der Verwaltung aller städtischen Stiftungen, etwas über zehn Millionen Euro, inklusive Mittelbeschaffung (Haushaltserstellung, Jahresabschlüsse etc.) und Mittelverwendung (Ausschüttung). Auf die vier bedeutenden Stiftungen geht Schnappauf näher ein.

Die Spitalstiftung fördert die Alten-, Behinderten- und Bedürftigenhilfe in Kronach und weist ein Vermögen von 4,68 Millionen Euro aus. Auch die Anny-und-Franz-Niebuhr-Stiftung fördert alte, bedürftige, insbesondere auch alleinstehende Personen, das Vermögen beläuft sich auf rund 1,16 Millionen Euro. Die Assessor Wagner'sche Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke durch Gewährung von Beihilfen an bedürftige schulentlassene Kronacher Jungen und Mädchen zur Erlernung eines Berufes. Waisenkinder erhalten den Vorzug. Als Vermögen stehen 100 000 Euro zur Verfügung. Die Direktor-Willi-Otto-Stiftung unterstützt Arme und Kranke, insbesondere soweit sie alleinstehen, und das Vermögen beträgt 0,66 Millionen Euro.

Die Zukunft des Bürgerspitals

Zur Spitalstiftung informiert die Abteilung, dass der Stadtrat im Jahr 2020 die zukünftige Nutzung des Bürgerspitals als bezahlbaren Wohnraum für Senioren beschlossen hat. Die Verwaltung arbeitet derzeit die Umsetzung von zwei Sanierungs- beziehungsweise Renovierungsalternativen aus. Einmal eine - sehr kostenintensive - Generalsanierung des gesamten Bürgerspitals, zum anderen die Ertüchtigung bestehender Gebäudestrukturen mit Nutzbarmachung als Wohnungen (preiswertere Alternative). An der Errichtung einer entsprechenden Arbeitsgruppe zur Ermittlung möglicher Förderungen und preiswerter Nutzbarmachung des Bürgerspitals wird weiterhin festgehalten und wird teilweise bereits umgesetzt.