Natürlich regnet es. Warum sollte es am vierten Adventswochenende auch anders sein, als an den drei vorangegangenen? "Das ist jetzt schon das dritte Jahr in Folge, in dem wir nicht sonderlich viel Glück mit dem Wetter hatten", sagt Daniel Ivascenko, der mit seinem "Wintertraum" bereits seit sechs Jahren als Fierant auf dem Kronacher Weihnachtsmarkt vertreten ist. Fürs kommende Jahr hat er daher einen großen Wunsch: "Mehr weiß!"

Doch so trüb wie das Wetter ist die Stimmung bei den Händlern nicht. "Die verregneten Wochenenden haben uns gezeigt, dass Kronach trotzdem einen Weihnachtsmarkt will", ist Ivascenko überzeugt. Mit Einbußen von etwa 30 Prozent habe sich der viele Regen zwar auf den Umsatz ausgewirkt, nicht aber auf die Stimmung der Besucher. "Die Leute kommen zwar, trinken dann aber nicht vier oder fünf Getränke, sondern nur ein oder zwei - und gehen wieder nach Hause", hat auch Sebastian Simmler, den die meisten Besucher wohl eher als "Chippi" kennen, beobachtet.

Mit Wow-Effekt

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Über mangelnden Zuspruch wollen sich die Fieranten daher nicht beschweren. Das erste Adventswochenende löst bei Steffen Mahr sogar noch immer ähnliche Glücksgefühle aus, wie sie auch kleine Kinder am Montag beim Anblick ihrer Weihnachtsgeschenke erleben dürften. "Das war der Wahnsinn", sagt der 41-Jährige, der einer von drei Vorsitzenden des ausrichtenden Vereins Kronacherleben ist. "Obwohl gleichzeitig der Weihnachtsmarkt in Mitwitz war, war hier die Hölle los. Das hatten wir in der Form noch nie!"

Und dennoch wird der Kronacher Weihnachtsmarkt im kommenden Jahr ein neues Gesicht erhalten. Eines, das auch zum Verweilen einlädt, wenn der Dezember nur mit tristem Novemberwetter aufwarten kann. Kuschelig, heimelig, gemütlich. Oder wie Mahr es ausdrückt: "Wenn die Leute unseren Markt wieder verlassen, sollen Sie sagen: ,Wow, was haben die denn hier in Kronach auf die Beine gestellt?‘"

Um das zu schaffen, hat sich Mahr auf den unterschiedlichsten fränkischen Weihnachtsmärkten umgesehen. Fündig geworden ist er unter anderem beim Größten: dem Nürnberger Christkindlmarkt. "Dort gibt es Ecken, die in etwa mit Lounges vergleichbar sind", erzählt der 41-Jährige, zückt sein Smartphone und wischt mit dem Finger von einem Bild zum nächsten. Zu sehen sind auf dem Bildschirm kleine Sofalandschaften, die auf einer grünen Matte stehen und von Lichtern, die an Feuerstellen erinnern, in ein warmes Licht getaucht werden. "So in der Art könnte ich mir das auch bei uns vorstellen", sagt Mahr. "Wahrscheinlich werden wir aber eher Hackschnitzel als Untergrund ausstreuen."

Auch die Unterstellmöglichkeiten sollen für die Besucher mehr Komfort bieten. Teilweise mit Platz für bis zu zwölf Personen und mit größeren Dächern, sodass auch der heftigste Regenschauer nicht in den Glühwein tropfen kann. "Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und jetzt ist der passende Zeitpunkt gekommen, den nächsten Schritt zu nehmen."

Der erste wurde vor fünf Jahren genommen, als Mitglieder des Vereins neue Holzbuden und Stehtische zimmerten. Schritt Nummer zwei soll nun ein verbessertes Ambiente sein. Ein Mittel könnte laut Mahr sein, einen in sich geschlossenen Markt mit Ein- und Ausgang anzustreben. Ein anderes, am Lichtkonzept zu schrauben und auch dadurch zu einem längeren Aufenthalt anzuregen. "Außerdem wollen wir weiter Kinderattraktionen anbieten", erzählt Mahr und verweist auf die Krippe.

Denn die habe sich nach ihrem Umzug von der Zwischenebene am Rosenturm in den vorderen Bereich des Marienplatzes zu einem wahren Highlight entwickelt. "Mir haben Eltern erzählt, dass sie mit ihren Kindern dafür extra nach Kronach gekommen sind." Solche Angebote solle es daher zukünftig verstärkt geben.

Alle Hütten belegt

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In Angriff nehmen möchte Mahr, der im Vorsitz-Triumvirat für Events und Veranstaltungen zuständig ist, eine Idee, die bereits in diesem Jahr geplant war. Ein Wochenende, an dem in der Kühnlenzpassage Fieranten ihr Kunsthandwerk aus den unterschiedlichsten Materialen anbieten können. Heuer scheiterte der Plan noch wegen zu weniger Rückmeldungen.

Doch er ist optimistisch, dass es im zweiten Anlauf gelingen könnte: "Da kamen diesmal noch einige Anfragen von Fieranten, die in Mitwitz waren, aber noch nicht alles verkauft hatten. Daher habe ich alle 24 Hütten belegt." Doch obwohl zwischen diesen mitunter starkes Gedränge herrschte, blieb die Stimmung friedlich. "In diesem Jahr hatten wir auf dem Kronacher Weihnachtsmarkt tatsächlich keinen einzigen Einsatz", teilt die Polizei auf FT-Anfrage mit.

Sachbeschädigungen gab es dennoch. Gleich am ersten Wochenende randalierten Unbekannte auf dem Marienplatz und beschädigten zwei der Stehtische. Auch der Elch, der unter dem Aufgang zur Oberen Stadt vor den Schlitten gespannt ist, hat in der Vorweihnachtszeit schon einiges mitgemacht. "Den hat man uns jetzt schon zum dritten Mal umgerissen", ärgert sich Mahr. "Sogar Erwachsene setzen sich da trotz Verbotsschildern immer wieder drauf." Die Folge: Das vierte Adventswochenende wird der Elch nicht erleben. Es ist eben nicht immer der Regen, der einen Strich durch die Rechnung macht.