Die Diskussion an dem Nachmittag musste vertagt werden. Die 14 Schüler des Kaspar-Zeuß Gymnasiums, die im Rahmen ihres P-Seminar das Unternehmen "Wall2All" gegründet haben, sind zu keiner Einigung gekommen.
Grund für die Diskussion war eine neue Geschäftsidee: Schriftzüge, witzige Sprüche, vielleicht ein paar Motive wollen sie auf ihre Geschenktaschen aus Tapetenmaterial sprühen.

Das bedeutet nicht nur mehr Zeitaufwand in der Produktion, sonder auch mehr Kosten - in der Folge also auch einen höheren Preis. Momentan kostet eine Tasche 4,95 Euro. Wie hoch der Preis der neuen Produktlinie sein wird, darüber entbrannte die jüngste Diskussion der Schülerunternehmer. Jetzt liege es an der Finanzabteilung, einen Preis für die neuen Modelle zu kalkulieren, sagt Michael Förtsch. Förtsch ist 17 Jahre alt und als Pressesprecher der Schülerfirma "Wall2All" für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Im Rahmen ihres Projekt-Seminars (P-Seminar) gründeten die Schüler im Februar die Firma. Die Idee: Unter dem Motto "Tapete ist das neue Leder" Taschen herzustellen, die sich als Geschenkverpackung eignen. Und mit dem recycelten Tapeten material quasi noch nebenbei einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Das Ziel: Sich für ein Jahr am Markt behaupten können. Oder wie Michael Förtsch es ausdrückt: "Einige unserer Lehrer haben sich am Anfang als Aktionäre beteiligt. Es wäre schön, wenn wir ihnen die zehn Euro am Ende wieder auszahlen könnten - oder vielleicht sogar 10,50 Euro."

Der erste Schritt in Richtung Dividendenausschüttung - nach der Idee für die Taschen aus Tapete und der Optimierung des Produktionsprozesses - galt dem Vertrieb. "Wir haben überlegt, wo wäre es möglich, Geschenktaschen zu verkaufen? Zum Beispiel in Bücherein oder Parfümerien." Mit der Liste ist Förtsch dann die Unternehmen in der Kronacher Innenstadt abgelaufen und mittlerweile sind die Taschen in zwölf Betrieben zu finden.
Alle ein bis zwei Wochen läuft Förtsch nun durch die Fußgängerzone und schaut bei den Läden nach, was verkauft wurde und wo er nachfüllen kann. Und seit vergangener Woche kann er noch einen Laden mehr ablaufen: Das Kaufhaus "Weka" hat zwischen Taschen und Glückwunschkarten nun auch Tapeten-Taschen von "Wall2All" im Angebot.

"Ich war von der Idee sofort begeistert", sagt Jürgen Raddatz, Geschäftsleiter der "Weka", während er im Regal Platz für die Taschen schafft. "Ich finde es gut, wenn die jungen Leute etwas tun. Und der junge Mann hier hat es auch super erklärt und rübergebracht." Als Raddatz die letzte Tasche ins Regal gestellt hat, ist Förtsch zufrieden: "Direkt neben der Information - ein wirklich guter Platz", sagt er. Aber er wäre nicht Förtsch, würde er nicht schon wieder einen Schritt weiterdenken. In der Weihnachtszeit hat das Kaufhaus im ersten Stock immer eine Art Geschenkabteilung eingerichtet. "Da muss ich dann nochmal mit Herrn Raddatz reden, ob wir nicht dort dann auch einen Platz bekommen können."

Insgesamt 70 Euro haben die Schüler bislang mit ihren Taschen umgesetzt. Für eine Null in der Gewinn- und Verlust-Rechnung noch zu wenig. "Wir hoffen jetzt auf das Weihnachtsgeschäft", sagt Förtsch. Vor allem auf die Weihnachtsmärkte. Darum auch die Idee mit den Sprüchen auf den Taschen.

Auf dem Weihnachtsmarkt, sagt Michael Förtsch, würden sich die Taschen mit einem Tannenbaummotiv oder weihnachtlichen Grüßen und Wünschen sicher gut verkaufen lassen. Auf den Schulbasar und auf den Mitwitzer Weihnachtsmarkt wollen die Schüler auf jeden Fall - ob noch mehr geht, hänge am Ende von der Zeit und der Personalstruktur ab, meint Förtsch.

Überhaupt, das Personal. Wenn er eines in seiner Tätigkeit als Unternehmer in der Schülerfirma bislang gelernt habe, dann, dass Personalkosten den größten Posten in der Kalkulation ausmachen. "Auch wenn wir nur 50 Cent als Stundenlohn bekommen, es macht doch mehr aus, als man denkt."

Mit zwei Leuten in der Finanzabteilung, vier Leuten im Marketing, drei in der Verwaltung und fünf in der Personalabteilung arbeiten sie planmäßig eineinhalb Stunden pro Woche in der Schule an ihrem Projekt. Das reiche jedoch nicht und so würden auch die ein oder andere Überstunde quasi in Heimarbeit anfallen.

Trotz des vergleichsweise großen Arbeitsaufwandes für das P-Seminar haben Michael Förtsch und seine Kollegen Spaß daran. Im Gymnasium, sagt er, komme die Praxis oft zu kurz. "Ich weiß noch nicht genau, was ich studieren will", sagt Förtsch. Jetzt nach den Erfahrungen im Marketing kann er sich durchaus einen Job in dieser Richtung vorstellen.

Und was das momentane, weitere Geschäft angeht, da ist Förtsch optimistisch, dass er und seine Kollegen "am Ende keinen Verlust" haben werden. Denn: "Man muss eine Sache nur gut verkaufen können"