"Wir spielen wieder Theater in Kronach" - Touristik- und Festspielchefin Kerstin Löw stand bei der Vorstellung des neuen Stücks der Kammertheatertage ebenso die Freude ins Gesicht geschrieben wie den Schauspielern Bernd Berleb und Andreas Gräbe, der Regisseurin Anja Dechant-Sundby sowie Bürgermeisterin Angela Hofmann. Nach vielen ausgefallenen Veranstaltungen und ohne Rosenberg-Festspiele wird im Oktober und November in neun Aufführungen "Der Kuss der Spinnenfrau" gezeigt.

"Mit weniger Plätzen, aber doppelter Intimität freuen wir uns darauf, eine sensible, kleine Geschichte über Freundschaft, Nähe und Verrat auf die Bühne zu bringen", bekundete Kerstin Löw, alle Besucher wieder Teil daran teilhaben lassen zu wollen, was Theater möglich machen könne: Ein kleines Stück Freiheit für die Sinne! Nach dem coronabedingten kompletten Stillstand sei es richtig und wichtig, den Menschen Theater zu präsentieren.

30 Besucher pro Aufführung

In enger Abstimmung mit dem Landratsamt habe man ein Hygiene-Konzept erarbeitet. Um die Maßgaben einhalten zu können, werde dieses Mal nicht in der Alten Markthalle, sondern im Historischen Rathaussaal gespielt. Ebenso ist die Besucheranzahl pro Aufführung auf 30 Personen begrenzt. Die Karten sind personalisiert; eine Weitergabe an Dritte nicht möglich.

"Trotz aller formaler Hindernisse; im Mittelpunkt steht das Theaterstück: Ein Stück mit Anspruch und Niveau zu den großen Themen, Liebe, Verrat und Mut, das so gut in die heutige Zeit passt", zeigte sie sich sicher. Geistige Nahrung sei zwar enorm wichtig; rein wirtschaftlich gesehen aber eine freiwillige Leistung, die es zu finanzieren gelte. Ihr Dank galt dem Kiwanis Club Kronach, der die Rosenberg-Festspiele seit 2016 kontinuierlich sponsere. Dankenswerterweise habe der Club die Sonder-Veranstaltung am 1. November gekauft, so dass man schon einmal ausverkauftes Haus habe. Präsentiert wird das Stück vom Autohaus Max Schultz.

"Kunst lebt noch und Kunst kann etwas bewirken", verdeutlichte Regisseurin Anja Dechant-Sundby, dass die Kammertheatertage hierfür ein wichtiges Zeichen setzten. Die Proben habe man während des Lockdowns gestartet; virtueller Art. Ziel sei es von Anfang an gewesen, das Theater dann stattfinden zu lassen, wenn es die Maßgaben ermöglichten.

Im Gefängnis

Das Stück von Manuel Puig habe auch mit Lockdown zu tun, weil es Nöte, Sorgen und Eingeschlossenheit widerspiegele. Die Arbeiten hätten den Schauspielern und ihr auch Perspektive in dieser schwierigen Zeit gegeben, als Kunst und Kultur von einem Tag auf den anderen an die Wand gefahren worden seien. Das Stück spielt in einem Gefängnis in Argentinien mit zwei Häftlingen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Einerseits sei da der zarte Homosexuelle (Andreas Gräbe); andererseits der revolutionäre Kämpfer (Bernd Berleb). Gespielt wird auf einem Podest in der Mitte des Raums. Die Zelle habe keine sichtbaren Wände; die Wände stellten quasi die Zuschauer dar, die im 360 Grad-Winkel um das Podest herum sitzen. "Dadurch entsteht ein sehr intimes Gefühl", so die Regisseurin. Untermalt wird die Aufführung live durch Cello-Musik.

Laut Andreas Gräbe, dem Kronacher Publikum bereits von den Rosenberg-Festspielen bekannt, gehe man in dieser Saison völlig neue Wege. Surreale Zeiten wie diese erforderten, Bestehendes zu überdenken und sich anders zu positionieren. Er und sein Schauspiel-Kollege könnten deshalb so eng zusammenarbeiten, da sie in einem Haushalt leben. Er dankte allen, diese neuen Wege mitzugehen. Dem konnte sich Bernd Berleb nur anschließen. Anja Dechant-Sundby habe die Arbeiten Schritt für Schritt vorangebracht und sich von den Umständen nicht unterkriegen lassen.

Für den Bestuhlungsplan zeichnet Philip Kober vom Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt verantwortlich. Das Bühnenpodest werde, wie er erklärte, schräg gestellt. Der Bestuhlungskreis bestehe auch zwei Reihen mit 40 Sitzplätzen für 30 Personen, da manche ohne Begleitung seien. Im Historischen Rathaussaal gebe es eine Belüftungsanlage. Unterstützung erhalte man an den Abenden von Ida Ricupero (geborene Engelhardt) und Rosi Ross.

"Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit" - dieses Zitat von Friedrich Schiller, auch im Internet auf der Seite der Kammertheatertage zu finden, treffe, so Bürgermeisterin Angela Hofmann, die aktuelle Situation derzeit sehr gut. Zu dieser Freiheit im Kopf trage insbesondere auch die Kunst bei, nachdem unser Leben derzeit immer noch mit vielen Einschränkungen verbunden sei. Ihr Dank galt insbesondere den Sponsoren des Kiwanis Clubs Kronach, an dem Tag vertreten durch Vize-Präsident Thomas Luger sowie Schatzmeister Stefan Weckwerth.

Zur Aufführung

Inhalt Der hartgesottene Revolutionär Valentin und der sensible homosexuelle Molina teilen sich eine Gefängniszelle während der Militärdiktatur in Argentinien. In der Haft nur aufeinander gestellt, entwickelt sich bald eine untypische Verbindung zwischen den beiden grundverschiedenen Männern - angespornt durch Molinas lebhafte Erzählungen nostalgischer Filme. Auch wenn sie im Laufe ihrer Gefangenschaft immer mehr über den anderen erfahren und nicht geahnte Gemeinsamkeiten entdecken, wissen sie nicht genau, mit wem sie es zu tun haben und was ihr Gegenüber wirklich will. Als Valentins Wille durch vergiftetes Essen gebrochen wird, entspinnt sich ein Netz aus Ungewissheit, Zweifel, Mut, Verrat und Liebe. Sie stellen sich die Frage: Wie viel Wert hat Nächstenliebe und Freundschaft in einem System, das nur Verrat belohnt?

Erfolg Der erfolgreiche Roman aus dem Jahr 1976 von Manuel Puig wurde von der argentinischen Militärregierung verboten und trieb den Autor ins lebenslange Exil. Was dem weiteren Durchbruch des Stoffes nicht schadete: die filmische Umsetzung aus dem Jahr 1985 erhielt viele Auszeichnungen von Cannes über Hollywood bis Tokyo, das spannende Theaterstück ist seit 1981 auf weltweitem Erfolgskurs und mit dem Musical erobert sich die Geschichte seit der Uraufführung von 1992 im Londoner Westend, ständig neues Publikum.

Termine Samstag, 24. Oktober, 19.30 Uhr (Premiere); Sonntag, 25. Oktober, 18 Uhr; Montag, 28.Oktober, 19.30 Uhr; Donnerstag, 29. Oktober, 19.30 Uhr; Freitag, 30. Oktober, 19.30 Uhr; Samstag, 31. Oktober, 19.30 Uhr; Sonntag, 1. November, 18 Uhr (Sonder-Aufführung des Kiwanis Club Kronach), Samstag, 7. November, 19.30 Uhr; Sonntag, 8. November, 18 Uhr;

Ort Historischer Rathaussaal, Eingang: Lucas-Cranach-Str. 19,

Preise Vorverkauf: 17 Euro/ermäßigt 15 Euro; Abendkasse: 19 Euro /ermäßigt: 17 Euro; Vorverkaufsstelle: Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt Kronach, Marktplatz 5, telefonische Bestellung: 09261 97236.