Ein Radiospot, der nicht von der Schützengesellschaft, sondern vom Lokalradiosender Radio Eins selbst initiiert wurde, musste am Mittwochnachmittag geändert werden. Erfreulicherweise aus Sicht der Freischießen-Fans. "425 Jahre Kronacher Freischießen. Seit 300 Jahren das Volksfest des Frankenwaldes. Ein Familienerlebnis der besonderen Art für alle Generationen - mit Vergnügungspark, breitem Musikprogramm und XXL-Nächten. Für Alt und für Jung. Das sehen alle so - nur einer nicht. Tja, schade. Drücken Sie alle die Daumen für unser Freischießen." So lautete der Spot am Vormittag.

Doch dann kam folgende Nachricht: Für das Freischießen 2013 wird es beim genehmigten Umfang des Festes bleiben. Das teilte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein am Mittwochnachmittag mit.

"Gerade im Hinblick auf den Schutz der Anwohner wurden die XXL-Nächte bereits in den Jahren 2011 und 2012 um eine Stunde auf 2 Uhr reduziert, wobei das Musikende in den Bierhallen auf 1 Uhr festgesetzt wurde." 2010 gingen die XXL-Nächte nämlich sogar bis 3 Uhr.

Wenige Tage vor dem heutigen Beginn des Kronacher Freischießens hatte sich ein Anwohner der Alten Ludwigsstädter Straße nämlich gegen Veranstaltungen auf dem Kronacher Schützenplatz ausgesprochen, "da er die dadurch entstehende Geräuschbelastung für sein Anwesen als zu hoch empfindet", wie es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung heißt. In diesem Zusammenhang forderte der Anwohner mittels anwaltlichem Schreiben auch Einschränkungen beim Betrieb des Kronacher Freischießens - hier insbesondere bei den so genannten XXL-Nächten und bei einer Ü-30-Party in einer Bierhalle.

Vermittler

Beiergrößlein habe dem Anwohner und dessen Anwalt am Mittwoch mitgeteilt, dass die Schützengesellschaft zu einem Gespräch mit dem Anwohner bereit sei und "großes Interesse an einer außergerichtlichen Einigung" habe. Der Bürgermeister habe sich in diesem Zusammenhang als Vermittler angeboten.
Die Schützengesellschaft selbst habe angekündigt, so Beiergrößlein, "dass die bisher baurechtlich nicht eindeutigen Gegebenheiten im Bereich der Hofwiese überprüft werden sollen". Im Rahmen dieser Überprüfung und gegebenenfalls erforderlicher Baugenehmigungsverfahren sollen dann auch nochmals die Interessen der Anwohner mit geprüft werden.

Worum es sich bei den baurechtlich nicht eindeutigen Gegebenheiten handelt? "Der Festbetrieb und die Bebauung sind hier über Jahrhunderte gewachsen", sagt Beiergrößlein. Zu klären sei zum Beispiel die Frage, wie eine Bierhalle ausgestattet sein muss, etc. Beiergrößlein bezeichnet diese baurechtlichen Fragen als Dinge, "die so schnell nicht zu lösen sind".

Diskutieren müsse man bei dem gemeinsamen Gespräch, das nach dem Freischießen stattfinden soll, vor allem die sonstigen Veranstaltungen auf dem Platz, so Beiergrößlein. Für 2013 habe man bereits weniger Veranstaltungen zugelassen, einige stünden für September noch aus, darunter unter anderem die Jubiläums-Veranstaltung des Jugendorchesters.

Kompromiss gesucht

Auch wenn man nun an den Genehmigungen, die für das Freischießen bereits getroffen wurden (XXL-Nächte bis 2 Uhr und Ü-30-Party in einer Bierhalle) nichts mehr ändern wird, hat der Bürgermeister doch "teilweise Verständnis" für den Ärger des Anwohners. Immerhin sei es beim Holi-Fest, das vor wenigen Wochen auf dem Schützenplatz stattgefunden hat, "zu einer Lärmbelastung gekommen, die so zukünftig sicher nicht mehr möglich sein wird", so Beiergrößlein. "Wenn es bei der sonstigen Nutzung des Platzes zu einem Kompromiss kommt, wird das Freischießen sicher nicht in Frage gestellt", ist sich der Bürgermeister sicher.

Er hoffe daher, dass "eine für alle Seiten zufrieden stellende Lösung" gefunden werden kann. Seitens des Anwohners sei bereits eine verbindliche Zahl an Veranstaltungen auf dem Platz genannt worden. Dies könne man als Diskussionsgrundlage für weitere Gespräche heranziehen, meint Beiergrößlein.

Er appelliert an alle Beteiligten, "sich an einen Tisch zu setzen mit dem Ziel, in Kronach auch weiter Events anbieten zu können, aber auch die Anwohner nicht über Gebühr zu strapazieren". Er hofft auf eine friedliche Freischießenzeit, "die Organisatoren, Nachbarn und alle Besucher genießen können".

Die Schützengesellschaft will den Anwohner unmittelbar nach dem Freischießen um einen Gesprächstermin bitten, bestätigte Erster Schützenmeister Frank Jungkunz. Mit der Positionierung der Stadt sei er zufrieden. Nun hoffe er nur noch, "dass alles glatt läuft".

Heute um 19 Uhr ist jedenfalls Anstich und damit Eröffnung des Festes der Feste im Kronacher Jahreskalender - Prost!