Wer in den vergangenen Wochen behauptet hat, dass sich in Sachen Lucas-Cranach-Campus nichts tut, weiß es spätestens heute besser. In weniger als einem Jahr, im März 2021, sollen die ersten Studiengänge starten und 30 junge Menschen in Kronach leben und lernen.

Dafür sind nun die Weichen gestellt: Das Kommunalunternehmen "Lucas-Cranach-Campus" (LCC) hat Grundstücke und Gebäude mit einer Gesamtfläche von 12 000 Quadratmetern gekauft - und so auf einen Schlag 8000 Quadratmeter Leerstand beseitigt. Das sind 50 Prozent des gesamten innerstädtischen Leerstands. "Hier beginnt das Areal der Hochschule." Freudestrahlend steht Jürgen Baumgärtner vom Verwaltungsrat des LCC vor dem Bäder-Paradies und zeigt die Güterstraße nach unten.

Das Gesamtprojekt hat ein Investitionsvolumen von 200 Millionen Euro. Die einzelnen Komponenten können mit bis zu 90 Prozent gefördert werden. "Ich bin davon überzeugt, dass uns hier etwas richtig Tolles gelingen wird", freut sich Landrat Klaus Löffler. "Worüber wir immer diskutiert haben, dass wir unsere Heimat in eine neue Zukunft führen wollen, das ist uns jetzt gelungen."

1 Vorhandene Mieter auf dem Güterbahnhof-Areal, wie das Bäder-Paradies oder das Architektenbüro im zweiten Stock des Nachbargebäudes, dürfen so lange bleiben, wie sie möchten. Rundherum wird jedoch jeder Quadratmeter für den Campus genutzt. So werden in der ersten Etage die Lehrsäle der Hochschule Coburg gebaut. Über der angrenzenden Zoom-Spielothek entsteht auf fast 620 Quadratmetern eine "Hanging-Around-Lounge" - ein Ort, an dem die Studenten zusammenkommen.

Der Güterbahnhof gegenüber wird eine Laborhalle für autonomes Fahren - mit 200 öffentlichen Parkplätzen auf dem Dach. Geplant ist eine direkte Verbindung zwischen Lehrsälen und Testlabor. Möglich ist laut Landrat Klaus Löffler eine gläserne Brücke, die über die Straße führt. Nur einen Steinwurf entfernt, entstehen im Carl-Link-Haus 30 Studentenwohnungen.

2  Der Hussitenplatz  wird sein Erscheinungsbild komplett verändern. Das LCC hat die Kühnlenz-Passage samt der Fläche darum herum (5500 Quadratmeter) gekauft. Weite Teile des derzeit leerstehenden Erdgeschosses sind für Cafés und Läden mit erschwinglichen Mieten vorgesehen, die oberen Etagen für Mietwohnungen. Das "Crown Royal" bleibt, die Fassade wird aufgehübscht. Darüber entsteht ein Club. Das Dachgeschoss wird für Räume der Hochschule Hof ausgebaut.

Die Veranstaltungshalle erhält zusätzliche Ebenen, kann aber weiterhin für die Advents- und Frühlingsmärkte genutzt werden. Das ehemalige Autohaus Endres dagegen hat seine besten Tage hinter sich: Es wird abgerissen. Dafür plant das LCC ein Gebäude mit Wohnungen für Studenten, Singles und Paare. Insgesamt 500 Einheiten sind am Hussitenplatz vorgesehen, der insgesamt offener und grüner wird.

3  Auch in der Oberen  Stadt soll es erschwinglichen Wohnraum geben. Damit der Umbau gefördert wird, bräuchte es jedoch einen barrierefreien Zugang in die Obere Stadt. Das LCC ist bald im Besitz des alten Feuerwehrgerätehauses - wie es künftig genutzt wird und ob die Fahrzeuge der Kronacher Feuerwehr dort bleiben, ist noch unklar.

4  Etwas versteckt im  Hinterhof auf dem vom LCC erworbenen Areal Güter-Bahnhofs befindet sich ein leerstehendes Haus mit blauer Fassade. Auf der weitläufigen Fläche im Erdgeschoss sollen die kommunale Jugendarbeit und das staatliche Schulamt eine neue Heimat finden.