Radfahren in der Stadt Kronach? Dem aktuellen Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nach ist das in der Kreisstadt kein Vergnügen. Note 4,1 lautete das Urteil der 144 Befragten. Damit liegt Kronach auf Platz 145 von insgesamt 186 Städten in der Größenklasse unter 20 000 Einwohnern. Im Vergleich zum Fahrradklima-Test aus dem Jahr 2016 hat sich die Kreisstadt zudem um 0,4 Punkte verschlechtert. Bemängelt wurden vor allem die schlechte Erreichbarkeit des Stadtzentrums sowie der Umstand, dass häufig Umwege nötig und nur wenige Einbahnstraßen für die Radfahrer geöffnet seien. Positiv bewertet wurde hingegen unter anderem die geringe Anzahl der Fahrraddiebstähle in der Stadt.

"Die Studie gibt genau das wieder, was zu erwarten war", sagt Michael Kestel, ADFC-Sprecher und ehemaliger Vorsitzender des inzwischen aufgelösten ADFC-Kreisverbands Kronach. "Es wäre dringend notwendig, dass ein vorausschauendes, zukunftsweisendes Radwegekonzept erstellt wird", betont er. Die "publikumsintensiven Stätten", wie zum Beispiel Stadtmitte und Markt, aber etwa auch Schulen, Schwimmbad oder Sportstätten seien momentan "schlecht bedienbar". Ziel sollte es Kestel zufolge sein, dass alle Hauptstätten innerhalb von rund 15 Minuten erreichbar sind. "Das wäre eine Qualität, die Sie in keiner Großstadt schaffen." Außerdem fehlten Unterstellmöglichkeiten für die Räder.

Kestel nimmt die Stadt in die Pflicht. Deren Radwegekonzept sei 30 Jahre alt. "Es hat kleine Verbesserungen gegeben, aber auch ziemliche Verschlechterungen", sagt er. Zwar hätten mehrfach Gespräche mit Bürgermeister und Verwaltung stattgefunden, ein klares Konzept fehle bislang. "Wenn nichts gemacht wird, schneidet Kronach beim nächsten Mal wahrscheinlich noch schlechter ab."

Bauliche Hindernisse

Das schlechte Abschneiden beim Fahrradklima-Test nimmt man auch bei der Stadtverwaltung zur Kenntnis. "Ich habe den Eindruck, dass die Bewertungen sehr auf die Kernstadt bezogen sind", sagt Johannes Meitner von den Kronacher Stadtwerken, der selbst oft mit dem Rad unterwegs ist. Dort sei man natürlich allein aufgrund der topographischen Begebenheiten und der engen Bebauung beschränkt. "Wir wissen aber, dass es durchaus Verbesserungspotenziale gibt." Diese sollen in Zukunft verstärkt angegangen werden, wie Meitner erklärt.

Bereits im vergangenen Jahr hat der Stadtrat den Beschluss gefasst, dass ein Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommune (AGFK) Bayern angestrebt werden soll. Meitner ist gerade dabei, die dafür nötigen Bewerbungsunterlagen zu erstellen. Im Mai erfolgt dann eine sogenannte Vorbereisung, bei der unter anderem Mitglieder der Verwaltung und des ADFC zwei bis zweieinhalb Stunden lang im Stadtgebiet unterwegs sein werden.

Dann erhält die Stadt vier bis fünf Jahre Zeit, entsprechende Verbesserungen vorzunehmen. Ehe dann eine Hauptbereisung erfolgt und Kronach im Idealfall den Titel "Fahrradfreundliche Kommune" erhält. "Das ist aber noch ein langer Weg", räumt Meitner ein. Zunächst einmal könne man aber auch schon von den in der Arbeitsgemeinschaft vorhandenen Kompetenzen profitieren.

Ziel des Stadtrats ist es, den Anteil der Fahrräder am Gesamtverkehr in den nächsten fünf Jahren von derzeit circa vier auf elf Prozent zu steigern. Um die Fahrradfreundlichkeit zu verbessern, soll, wie Meitner berichtet, auch der dafür zur Verfügung stehende Haushalt deutlich erhöht werden.

Fragt man die Fahrradfahrer in der Stadt, fällt das Gesamturteil gar nicht so schlecht aus. Michael Schnelle fährt täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit. "Im Großen und Ganzen geht es eigentlich", sagt er. Das Kopfsteinpflaster sei natürlich nicht so schön zu befahren wie glatte Strecken. Dem stimmt auch Sandra Kotschenreuther zu, die mit ihrem Fahrrad jeden Tag die Post ausfährt. Was das Thema Umwege betrifft, wurden zwei Einbahnstraßen in Kronach bereits für den Radverkehr geöffnet. Eine dritte ist im Moment in der Diskussion, wie Meitner berichtet. Hierbei müsse aber natürlich die Verkehrssicherheit berücksichtigt werden.

Radwegekonzept des Landkreises

"Es ist sicherlich zutreffend, dass man in Sachen Fahrrad einiges aufholen kann", sagt auch Markus Franz, Geschäftsführer des Frankenwald Tourismus Service Centers. Er weist daraufhin, dass andere Städte aus der Region im Vergleich noch schlechter abgeschnitten haben. Kulmbach wurde im Test beispielsweise mit der Note 4,7 bewertet.

Der Landkreis ist, was das Thema Fahrradfreundlichkeit betrifft, indes schon einen Schritt weiter. Wie der zuständige Sachgebietsleiter, Gunther Dressel, erklärt, wurde dem Kreistag auf einer Klausurtagung vor Kurzem das Radwegekonzept vorgestellt. Mit diesem sollen auf den Landkreisstraßen unter anderem verschiedene Lücken im Radwegenetz geschlossen werden - etwa zwischen den Kreiseln auf der Strecke zwischen Gundelsdorf und Friesen.