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Freizeit

Kronach ächzt: Urlaub gestrichen und Freibad zu?

Keiner weiß, ob oder wann die Badesaison im Landkreis beginnt. Anfang Mai bleiben die Kronacher wohl trocken.
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Mit rund einer Million Euro fährt Kronachs Freibad das Höchste Defizit ein. Doch Sommer ohne Urlaub und ohne Freibad? Schwierig ... Foto: Archiv
Mit rund einer Million Euro fährt Kronachs Freibad das Höchste Defizit ein. Doch Sommer ohne Urlaub und ohne Freibad? Schwierig ... Foto: Archiv

Die Freibäder bangen um die Sommersaison. Eigentlich soll sie am 1. Mai starten. Doch wegen des Coronavirus ist noch völlig unklar, wann es wirklich losgeht. Viele Menschen könnten im Freibad eine Art Ersatzurlaub machen, ist die Hoffnung. Manche Eigentümer haben die Saison schon abgehakt. Aus dem Gesundheitsministerium heißt es, dass die Eröffnung der Badesaison erst mit Experten abgestimmt werden müsse.

"Wir schweben vollkommen in der Luft", so der Pressiger Bürgermeister Hans Pietz. Seine Gemeinde ist Eigentümer des Naturerlebnisbads in Rothenkirchen mit dem angrenzenden Zelt- und Wohnmobilplatz. Er wüscht sich mehr Klarheit: Bleiben die Bäder nur im Mai geschlossen? Kann man im Juli öffnen oder ist die ganze Badesaison dahin?

Pietz weist darauf hin, dass in den letzten Jahren rund 4500 Übernachtungsgäste beim Zelt- beziehungsweise Wohnmobilplatz verzeichnet wurden. Darunter waren auch viele Stammgäste, Pfadfinder- und Schülergruppen. Dass die Frequentierung so erfreulich sei, bringt Pietz mit an der Lage mitten in der Natur, mit den Freizeitmöglichkeiten wie Tennisplatz und Trimm-Dich-Pfad und vor allem auch mit dem Naturerlebnisbad in Zusammenhang.

Auch in diesem Jahr gebe es Buchungen und Anfragen. Allerdings könne derzeit keiner sagen, ob die Erholungssuchenden ihre Ferientage dort verbringen können. Pietz spricht von einem stimmigen Konzept, erst im vergangenen Jahr sei beim Jugendzeltplatz in Sanitäranlagen und eine Feuerstelle investiert worden. Was die Arbeit rund um da Erlebnisbad betrifft, so weist er darauf hin, dass viele Tätigkeiten im Ehrenamt durch den Betreiber des Schwimm- und Sportvereins ausgeführt werden.

"Ich bin sehr skeptisch, ob wir in diesem Jahr eine Badesaison eröffnen", sagt der Marktrodacher Bürgermeister Norbert Gräbner. Derzeit werden Vorkehrungen getroffen, um das Rodach Beach - sobald es grünes Licht aus München geben sollte - auch binnen weniger Tage öffnen zu können. Beispielsweise werden Streich- und Reparaturarbeiten durchgeführt.

Schwierig sei die Situation für den Kioskbetreiber, denn dieihm fehle Planungssicherheit. Sollte die Badesaison ins Wasser fallen, könne die Gemeinde natürlich auch keine Pacht verlangen. Dass er wegen einer fehlender Badesaison Beschäftigte des Rodach Beach in Kurzarbeit schicken müsste, schließt Gräbner aus. Die würden dann eben im Bauhof eingesetzt, dort gebe es immer genügend zu tun. Viel eher bangt Gräbner darum, dass durch die Schließung der Freibäder die Schwimmfähigkeit der Kinder im Rodachtal nachlasse.

Derzeit werden kleinere Reparaturen und Verschönerungsarbeiten durchgeführt und das Umfeld rund um das Freibad gestaltet, ist aus dem Ludwigsstädter Rathaus zuhören. Die Stadt wolle vorbereitet sein, wenn aus München grünes Licht komme, so Bürgermeister Timo Ehrhardt. Aber dann gehe auch eine Eröffnung nicht von heute auf morgen. Er persönlich habe seine Zweifel, ob in diesem Jahr überhaupt das Freibad öffnen könne. In diesem Zusammenhang spricht Ehrhardt von ungeklärten Hygienevorschriften, von maximalen Besucherzahlen oder davon wie viele Badegäste in einer Zone liegen dürfen. Er meint, dass es sicher durch fehlende Eintrittspreise zu Einkommenseinbußen kommen werde.

Frage des Zeitpunkt

"Es liegt nicht in unserem Ermessen, ob wir das Crana Mare öffnen oder nicht", so der Werkleiter der Kronacher Stadtwerke Jochen Löffler. Sie warten auf ein Zeichen der Landesregierung. Wenn allerdings die Erlaubnis erst im Juli kommen sollte, dann würde eine Eröffnung der Badesaison keinen Sinn mehr machen.

Rund 14 Festangestellte seien im Crana Mare beschäftigt. Nun werde geprüft, ob man sie in Kurzarbeit schicke. Das Crana Mare sei der einzige Zweig der Stadtwerke, in dem das gesetzlich möglich sei.

Der Steinwiesener Bürgermeister Gerhard Wunder fürchtet zusätzliche touristische Ausfälle. Wie er erklärt, grenze diese Freizeiteinrichtung direkt ans Wagner-Hotel an. Mmit dem Wirt habe die Gemeinde im vergangenen Jahr in eine Erweiterung der Saunalandschaft investiert. In den letzten beiden Jahren wurden insgesamt etwa 22 000 Besucher verzeichnet.

Nicht nur um Gästen, sondern um auch Einheimischen eine Attraktion bieten zu können, wollen die Kommunen an ihren defizitären Freibädern festhalten. Fakt ist aber auch, dass nahezu alle Freibäder in die Jahre gekommen sind und Sanierungsbedarf - teilweise in siebenstelliger Höhe - zu verzeichnen haben.

Ob das vom Land Bayern beabsichtigte Schwimmbadprogramm trotz Coronakrise zum Tragen kommt, daran bestehen nun Zweifel. Zweifel kommen auch auf, ob der vom CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner beabsichtigte Zweckverband für Schwimmbäder im Landkreis realisiert werde.

Chlor tötet das Virus

Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sei eine Übertragung des Coronavirus nach aktuellem Wissenstand im Schwimmbecken nicht möglich, da Chlor die Viren abtöte. Bei Einhaltung des üblichen Abstands und der Hygieneregeln gebe es in Freibädern kein höheres Infektionsrisiko als in anderen öffentlichen Einrichtungen.