Seit dem Jahre 2007 ist Peter Borchardt bei der Heinz-Glas-Gruppe als Verpacker und Sortierer beschäftigt. Nun hat er das Angebot einer Weiterqualifizierungsmaßnahme angenommen und wird Anfang Dezember seine Prüfung als "Maschinen- und Anlagenführer" bei der IHK in Kronach absolvieren.

Peter Borchardt ist einer von vier Teilnehmern der Heinz-Glas-Gruppe, der sich mit Unterstützung der "Taskforce FKS+" weiterbildet. Mit dieser Einrichtung unterstützt der Verband Bayerischer Wirtschaft (vbw) zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie branchenübergreifend bayerische Unternehmen bei allen Fragen der Fachkräftesicherung.

Im Rahmen einer Videokonferenz am Donnerstagmorgen berichtete Peter Borchardt über seine bisherigen Erfahrungen. Anfang März startete die Weiterqualifizierungsmaßnahme. Am Anfang sei es ungewohnt gewesen, sich mit Themen wie Qualitätsmanagement, Mathematik, Maschinenbedienung, Wirtschaft und Soziales auseinanderzusetzen. "Aber es macht Spaß, seinen Horizont erweitern zu können", sagt Borchardt.

Lehrgang während der Arbeitszeit

Ein großer Vorteil sei, dass der Dozent direkt zu Heinz-Glas komme und der Lehrgang berufsbegleitend und während der Arbeitszeit durchgeführt wird. Während des Lockdowns fanden die Schulungen im Homeoffice statt, erklärt er. Peter Borchardt bereut seine Teilnahme an dieser Qualifizierungsmaßnahme nicht. "Ich möchte beruflich weiterkommen und mein Wissen erweitern!"

"Es ist ein Hammer", freut sich die Personalleiterin Melanie Fiedler. Seit 2019 sei sie mit Christiane Alter von der Taskforce FKS+ - sie ist für Oberfranken zuständig - in Kontakt. Informationen über die Heinz-Gruppe wurden gesammelt und gebündelt. Die Zusammenarbeit sei hervorragend gewesen, so Fiedler.

Das Zuhören sei eine der wichtigsten Aufgaben, erklärte die Taskforce-Koordinatorin Tabea Hoffmann. "Wir müssen genau verstehen, was ein Unternehmen benötigt." Nur dann könne man die richtigen Maßnahmen ergreifen.

Denn, so sagt Hoffmann, auch wenn alle Firmen das Ziel haben, Fachkräfte zu finden, der Weg dahin sei bei jeder Firma sehr individuell. Für jeden Weg, für jedes Unternehmen, die jeweils passenden Lösungen vorzuschlagen sowie bei der Umsetzung der Qualifizierungsmaßnahmen zu helfen, sei die Aufgabe ihres Teams. Bei manchen Betrieben, so erklärt Hoffmann, gehe es darum, genügend Mitarbeiter zu finden, andere haben diese zwar, aber deren Qualifikation passe nicht mehr auf die neuen, oft durch Digitalisierung veränderten Anforderungen.

Ein Beratungsschwerpunkt sei auch das "Qualifizierungschancengesetz". Dieses regelt, wie ein Betrieb seine Mitarbeiter weiterbilden könne. Die Taskforce FKS+ berät, welche Fördermöglichkeiten es gibt, und unterstützt dabei, die Anträge zu stellen.

Das "Qualifizierungschancengesetz" ist den Worten von Frank Martin - er ist bei der Heinz-Glas-Gruppe für Personal und Finanzen zuständig - zufolge, auch ausschlaggebend gewesen, an diesem Projekt mit teilzunehmen. Denn mit diesem Gesetz werden Weiterbildungsmaßnahmen im Betrieb gefördert, die finanziellen Belastungen für Unternehmen reduziert und Freiräume für die Beschäftigten geschaffen, sich weiterzubilden. Für ihn gelte es, die Heinz-Gruppe trotz Coronazeiten fit für die Zukunft zu machen, "damit wir auch für die nächsten 400 Jahre Glas produzieren können."

Durchstarten nach der Krise

Der Hauptgeschäftsführer der vbw, Bertram Brossardt, sprach unter anderem davon, neue Beschäftigungsperspektiven für diejenigen zu schaffen, deren Arbeitsplätze wegfallen werden. Er räumte ein, dass es derzeit mitunter schwierig sei, der Bevölkerung klarzumachen, dass, obwohl mehr Arbeitsplätze gefährdet seien, man sich gleichzeitig mit einem Fachkräftemangel auseinandersetze müsse. "Wir müssen aber die Erwerbstätigen von heute fit machen für die Herausforderungen der Arbeitswelt von morgen."

Dabei wies Brossardt darauf hin, dass es nicht nur darum gehe, Hilfskräfte zu qualifizieren, sondern auch Fach- und Führungskräfte für den Strukturwandel und die damit verbundenen Veränderungen am Arbeitsmarkt zu schulen. Wichtig sei auch, dass Unternehmen nach Ende der Corona-Krise schnell wieder durchstarten können. Und dafür seien eben entsprechend qualifizierte Mitarbeiter notwendig.

Klaus Beier von der Bundesagentur für Arbeit ergänzte, dass im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes nicht nur die berufliche Aus- und Weiterbildung von Beschäftigten gefördert werden. Auch in Zeiten der Kurzarbeit seien Qualifizierungsmaßnahmen möglich.

Frank Martin und Melanie Fieder denken daran, weitere Mitarbeiter mit Unterstützung von Taskforce FKS+ und dem Qualifizierungschancengesetz in 2021 weiterzubilden. Denn: "Als Familienunternehmen sehen wir unsere Mitarbeiter als größtes Kapital. Wir brauchen diese, damit wir Glas herstellen können!"