Aufregung im Schweinestall von Klaus Siegelin in Tiefenklein. "Die Tiere merken, dass heute etwas anders ist. Wäre ich alleine hier rein gekommen, wären sie einfach liegen geblieben", erzählt der Landwirt. Doch heute ist Besuch dabei. Familie Siegelin und der Kreisverband Kronach des Bayerischen Bauernverbands (BBV) haben die Redaktion des Fränkischen Tag zu einem Stallbesuch eingeladen. "Wir sind bemüht die Leute zu informieren, wie es in unserem Betrieb aussieht. Doch aus hygienischen Vorschriften ist das gar nicht so einfach", erklärt der Ferkelerzeuger. Bevor es also in die Ställe gehen kann, heißt es: Raus aus den Jacken, rein in die weißen Schutzanzüge und die blauen Überziehschuhe und die Kopfbedeckung nicht vergessen.

Komplett neu eingekleidet, kann es endlich los gehen. Als Erstes zeigt Klaus Siegelin den Stall neben dem Wohnhaus der Familie. Hier hält er 200 Muttersauen. Mit einem halben Jahr kommen die Schweine auf den Hof nach Tiefenklein. Nach einer sechswöchigen Eingliederungszeit werden sie das erste mal besamt. "Nach dem Belegen sind die Sauen drei Wochen in diesen Boxen, damit sie nicht herum rangeln", erklärt der Landwirt. Erst wenn der Tierarzt mit einer Ultraschalluntersuchung festgestellt hat, dass das Tier wirklich trächtig ist, darf es in den hinteren Bereich des Stalles. Dort laufen die Sauen frei herum und werden über einen Computer gefüttert. "Das macht meist mein Vater", erklärt der Landwirt. Der 75-jährige Senior Gerhard Siegelin unterstützt seinen Sohn bei der Arbeit auf dem Hof. Auch seine Frau und die drei Töchter helfen tatkräftig mit. Ein reiner Familienbetrieb.

Eine Woche vor der Geburt kommen die Muttersauen in desinfizierte Abferkel-Boxen. Doch der Besuch passt den werdenden Müttern überhaupt nicht. Lautstark wird solange protestiert, bis alle den Raum wieder verlassen haben. "In dieser Phase wollen die Sauen einfach nur ihre Ruhe haben", erklärt Siegelin. Einen Raum weiter haben die Muttersauen es schon geschafft. Ihre Ferkel laufen quietschfidel in den Boxen herum und sind bei ihrer Mutter ständig auf der Suche nach Milch. "Wenn die Mütter mal ihre Ruhe haben wollen, legen sie sich einfach auf den Bauch, dann kommt keines mehr hin", erklärt Erwin Schwarz, Kreisobmann des BBV. Bei Klaus Siegelin liegen die Muttersauen in einer Ferkelschutz-Vorrichtung, die verhindern soll, dass die Mutter ihre Ferkel beim Hinlegen erdrückt. "Nach dem neuesten Trend sollen diese bald frei gehalten werden. Da werden wir uns irgendwann mit anfreunden müssen. Doch der Anwenderschutz ist dabei nicht bedacht", meint Siegelin.


Familie und Landwirtschaft?!

Nach vier Wochen Säugezeit haben die Muttersauen noch fünf Tage Zeit, sich zu erholen. Dann werden sie wieder besamt und der Zyklus geht von vorne los. Klaus Siegelin nennt das den Drei-Wochen-Rhythmus. "Dadurch schafft man sich eine Woche, in der im Stall nicht allzu viel los ist." Diese Zeit nutzt der Landwirt intensiv mit seiner Frau und seinen drei Töchtern. Dabei sei es problemlos möglich, in den Urlaub zu fahren.

Nach der Besichtigung im Stall, der direkt neben dem Wohnhaus der Familie steht, geht es zum neuen Stall der Siegelins. Ein paar hundert Meter den Berg nach oben. Schon ist man angekommen. Gleiches Spiel mit der Schutzkleidung und rein in den warmen Stall. Doch zuerst kommt man an etlicher Technik vorbei. "Wir haben hier Tröge mit Sensoren. Der Computer erkennt, wenn die Tröge leer sind und mischt speziell dafür das Futter neu an", erklärt der Landwirt. Technik, die die Arbeit enorm erleichtert. In einer der Boxen sind momentan noch 400 Ferkel untergebracht. Doch die werden von Siegelin jetzt sortiert, damit kleinere Ferkel in der Gruppe nicht untergehen.

Nach zwölf Wochen und erreichten 30 Kilo werden die Ferkel zum Mäster gebracht, der sie innerhalb von 100 Tagen auf 120 Kilo bringt. Auch Klaus Siegelin hat eine kleine Mast. Er verkauft seine Schweine an eine Erzeugergemeinschaft. Das Problem daran: Je weniger Schweine er habe, desto teurer seien die Transportkosten. "Ein Mastbetrieb hätte am liebsten große Partien. Am Besten einen ganzen Stall von einem Ferkelerzeuger. Das sind dann oft Stalleinheiten von 1500 und mehr",meint Siegelin. "Diese Menge auf einmal zu liefern, schafft kein Betrieb in Franken." Das Resultat: Die kleinen Mastbetriebe müssen nach und nach schließen.


Erwin Schwarz: "Bei den Bauern kommt nichts an"


26 Cent für ein 200 Gramm schweres Kotelett und 20 Cent für eine Bratwurstsemmel: Das ist der Betrag, der für die Bauern am Ende der Herstellerkette übrig bleibt. "Das Auf und Ab der Preise kennen wir, aber momentan ist es schon ziemlich knackig", sagt Klaus Siegelin.

Erwin Schwarz, Kreisobmann vom Bayerischen Bauernverband (BBV), macht die Lage noch deutlicher: "Die Preise sind katastrophal." Doch das sei nicht nur bei den Schweinebauern so. Noch drastischer trifft es die Milchbauern. Gerade einmal Fünf bis Sieben Cent verdiene ein Bauer an einem Viertelliter Milch.

Selbst wenn die Milch oder das Fleisch im Supermarkt teurer wird, heiße das nicht, dass die Bauern dadurch mehr verdienen. "Die Preiserhöhung wird einfach nicht durchgereicht", sagt Erwin Schwarz.

Die Preise für ein Ferkel sind in den letzten Jahren zwar geringfügig gestiegen, dennoch bleibt es für Klaus Siegelin eine Nullrunde. "In den letzten Jahren haben wir sogar draufgezahlt. Auch die Anforderungen an die Bauern steigen weiter. Mehr Geld komme trotzdem nicht an. "Mich frustriert es einfach, wenn ich höre, dass die Leute im öffentlichen Dienst noch mehr verdienen wollen und bei uns Bauern einfach nichts ankommt", meint Kreisbäuerin Rosa Zehnter.

Der Bauernverband will nun deutschlandweit mit einer Aktion auf die katastrophalen Preise aufmerksam machen. Landesweit wird am Mittwoch, 23. März 2016, vor Supermärkten demonstriert. Der Kreisverband Kronach sieht das jedoch als falschen Ansatzpunkt. "Man kann den Leuten, die dort einkaufen, keinen Vorwurf machen", so Siegelin. Dennoch müsse endlich etwas geschehen.