Weil er massenhaft kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen hat und dieses auch durch andere Nutzer einsehbar war, wurde ein 52-Jähriger aus dem Rennsteigbereich zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt, diese auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss er 2400 Euro in monatlichen Teilbeträgen von 100 Euro an den Kinderschutzbund Nürnberg zahlen. So lautete der Schuldspruch von Richter Hendrik Wich. Der lag damit exakt zwischen den Forderungen von Staatsanwalt Michael Koch (18 Monate) und Verteidiger Till Wagler (knappes Jahr).

So anonym wie viele Zeitgenossen glauben, ist das Internet nicht. Überall hinterlässt man seine "Fingerabdrücke". Und so geriet auch der 52-Jährige, der in einer Internet-Tauschbörse für Pornos aktiv war, ins Suchraster des Bundeskriminalamts, das seine Erkenntnisse an die Coburger Ermittlungsbehörden weitergab.
Die wiederum wurden beim 52-Jährigen zu Hause vorstellig und beschlagnahmten einen Computer mit diversen Festplatten sowie 74 CDs bzw. DVDs.


Schwerer Missbrauch

Was auf dem sichergestellten Material ausgewertet werden konnte, war starker Tobak: Allein auf dem Computer waren 2575 Bilder und 87 Videodateien, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten. Die Kinder waren ersichtlich jünger als 14 Jahre, zum Teil unter sechs Jahre. Auf sechs Bildern war der teilweise schwere sexuelle Missbrauch von Kindern unter drei Jahren zu sehen!

Zu den Kinderpornos will der Angeklagte unabsichtlich gekommen sein. Verteidiger Till Wagler berichtete, sein Mandant habe stundenlang große Dateimengen mit Erwachsenenpornos heruntergeladen, was nicht verboten sei. Zwischen den Erwachsenen-Pornos hätten sich Kinderpornos befunden, die der 52-Jährige wieder gelöscht habe. Allerdings bei weitem nicht alle, denn auch auf 19 der 74 sichergestellten DVDs oder CDs befand sich kinderpornografisches Material. Außerdem hatte der Auswerter der Kripo Coburg festgestellt, dass der Angeklagte mit typischen Schlagworten nach kinderpornografischen Bildern und Videos gesucht hatte. Der Angeklagte sei also nicht zufällig auf die Kinderpornos gestoßen, sah Staatsanwalt Michael Koch seine Anklageschrift bestätigt: "Es fällt auf, dass gezielt gesucht wurde!" Damit brach die Strategie der Verteidigung wie ein Kartenhaus zusammen und Till Wagler bat um eine Sitzungsunterbrechung, um sich mit seinem Mandanten zu beraten. Wagler führte danach an, der Angeklagte habe auf angebotene Suchbegriffe geklickt, ohne zu wissen, was diese tatsächlich bedeuten.


Jeder konnte sich bedienen

Wie kam der Mann dazu, sich so zeitintensiv mit den Pornos aus dem Internet - vor allem auch noch mit Kinderpornos - zu beschäftigen? Er berichtete, dass er aufgrund schwerer gesundheitlicher Einschränkungen mit einer Frau nicht mehr sexuell aktiv sein könne, seit zehn Jahren keine Partnerin habe. Deshalb kam er aufs Internet, installierte auf seinem Rechner die Software für eine Tauschbörse. Deren Grundgedanke sei es, nicht nur Dateien von anderen Usern downzuloaden, sondern selbst auch Dateien und Verzeichnisse zur Verfügung zu stellen, verlas Staatsanwalt Michael Koch in der Anklageschrift. Er warf dem 52-Jährigen das öffentliche Zugänglichmachen kinderpornografischer Schriften in sieben Fällen und den Besitz solchen Materials vor.

"So lange der Download dauerte, das war viele Stunden, konnte sich jeder dran bedienen", räumte der Verteidiger ein. Wenn der Angeklagte von der Arbeit nach Hause gekommen sei, sei das Herunterladen meist abgeschlossen gewesen und die Dateien seien gesichert worden, also für Fremde nicht mehr einsehbar gewesen.
Dass Videos und Bilder während des Herunterladens angesehen werden konnten, führte auch Richter Wich in seiner Urteilsbegründung an. Er sah einen bedingten Vorsatz gegeben, denn der Angeklagte habe sich in der Folge nicht auf nicht strafbare Erwachsenenpornos beschränkt. Da sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.