"Bella Donna" - Schon der Name ist Poesie. Was sich dahinter verbirgt, hat mit Poesie aber kaum etwas zu tun: Es ist die schwarze Tollkirsche, die bei Genuss innerhalb kurzer Zeit zum Tod führt. Eine solche "Bella Donna" ist auch Carmen Wolf, ihres Zeichens Kochbuch-Autorin und Kräuterköchin. Die aufreizende Frau in den besten Jahren liebt gutes Essen, kühlen Champagner und schöne Männer, letztes jedoch nur, bis diese ihr Verfallsdatum erreicht haben - und das ist genau nach zwei Jahren, immer an Silvester. Etwas Tollkirschen-Extrakt in den Rotwein des Lovers - natürlich wohldosiert, damit er nicht leiden muss - und dem Männerwechsel im Zweijahrestakt steht nichts mehr im Wege.

Dieses Mal ist Bernie dran.
Mit seinem vermeintlichen Tod beginnt auch das Theaterstück "Bella Donna". Die Zuschauer sind noch voller Bewunderung für das schöne Bühnenbild mit den großen Fenstern, die den Blick freigeben in den Garten mit dem beleuchteten Weihnachtsbaum und Schneemann sowie in das Gewächshaus, wo Carmen allerhand Pflänzchen mit luststeigernder oder auch tödlicher Nebenwirkung zieht: Schon geht es Bernie an den Kragen. Gerade eben hatte er noch sein Silvestermenü - in diesem Falle seine "Henkersmahlzeit" - genossen und einen Schluck edlen Rotwein getrunken, jetzt ist es mit ihm vorbei. Er röchelt, seine Atmung versagt und er sinkt zu Boden.

Als Dünger im Gewächshaus

Carmen will ihn gerade als Dünger aufbereiten, das heißt zunächst ins Gewächshaus, später dann in ihre Hochbeete, als Tochter Sabine hereinschneit. Freudestrahlend verkündet diese ihrer Mutter, dass sie heiraten möchte - und das ausgerechnete einen Politiker der Jungen Union. Da sich Sabine partout nicht abwimmeln lässt, bleibt keine Zeit für eine ordnungsgemäße Entsorgung von Bernie. Schließlich steht ja schon Carmens nächster Liebhaber vor der Tür, Internet-Bekanntschaft Martin. Das soll aber nicht der letzte Gast bleiben, denn auch Sabines Bräutigam Valentin und dessen Vater - beide auf den ersten Blick stock konservativ - platzen herein. Das Chaos ist also vorprogrammiert, zumal Sabine mittlerweile die Leiche im Gartenhaus entdeckt hat. Doch Carmen wäre nicht Carmen, wenn sie nicht für alle Probleme einen "mörderischen" Ausweg finden würde.

Als männermordende Kochbuchautorin brillierte Publikumsliebling Katerina Jakob, deren Mutter Ellen Schwiers auch Regie führte. Einfach herrlich, wie Jakob die Männer reihenweise um den Finger wickelt und punktgenau ihre - vor tiefschwarzem Humor nur so sprühenden - trockenen Pointen setzt. Während sie eine Anzüglichkeit nach der anderen von sich gibt, ist ihre Tochter genau das Gegenteil - naiv, keusch und unbedarft (wunderbar überdreht gespielt von der zauberhaften Lesley Higl). Ihre Mutter stöckelt dagegen als stets in schwarz gekleidete "femme fatale" ein ums andere Mal durchs schicke Wohnzimmer zur Bar, um dort mit ihren Kräutermixturen in Champagner oder Rotwein entweder dem Liebesglück ihrer Gäste oder deren unfreiwilligem Hinwegscheiden auf die Sprünge zu helfen.

Und die Wundermittelchen leisten ganzen Arbeit: Sabine schmeißt ihre guten Vorsätze - kein Sex vor der Ehe - über Bord, was ihrem dann noch nicht mehr so verklemmten Bräutigam sichtlich gefällt. Weniger angetan von der Wirkung ist Bernie. Der Ex-Lover hat zwar die mörderische Attacke - als erster von acht Männern in 16 Jahren - tatsächlich überlebt und steht auf einmal wieder quicklebendig im Wohnzimmer. Dort muss er sich jedoch dem Lustgebaren von Sabines Schwiegervater in spe erwehren, der versehentlich einem von Carmen zubereiten Liebes trunk zu sich genommen hat und jetzt vom ihm nur noch "das Eine" will.

Raffinierte Energie

Nach einem kuriosen Showdown - eher einer "Triebjagd" - erfährt Carmen, dass es sich bei Martin in Wirklichkeit um einen Kriminalpolizisten handelt, der die Serienmörderin überführen möchte. So endet die temporeiche und sehr unterhaltsame Theaterinszenierung, die allen Gästen sichtlich viel Spaß bereitet hat, so wie sie angefangen hatte - mit einer Carmen, die noch einmal ihre ganze raffinierte Energie ausspielt ... und mit reichlich Blumendünger.